Kommentar zu Waldbränden in Brasilien und die Rolle von Jair Bolsonaro

Kommentar zu Waldbränden in Brasilien : Geistiger Brandstifter

Es gibt in einer Katastrophe zwei Möglichkeiten, mit ihr umzugehen. Erstens: die Gesellschaft zu einem gemeinsamen und geschlossenen Handeln aufrufen; in der Regel führt dies zu solidarischem Verhalten. Oder zweitens: Man sucht einen Sündenbock.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat sich für die zweite Variante entschieden und ohne Beweise die Nichtregierungs-Organisationen für die Brandkatastrophe im brasilianischen Regenwald verantwortlich gemacht.

Das ist gleich aus mehreren Gründen unverantwortlich. Umweltschützer leben in den Tiefen des Amazonas ohnehin gefährlich. Sie stehen illegalen Holzfällern, Goldsuchern, aber auch der ganz normalen Agrar-Industrie im Weg. Zudem erscheint es unlogisch, dass ausgerechnet Umweltschützer in alle Regionen des Landes ausschwärmen und das anzünden, was sie eigentlich bewahren wollen: den Regenwald. Mit diesen Vorwürfen ohne konkrete Beweise treibt sich Bolsonaro weiter in die internationale Isolation.

Als Brandursachen deutlich realistischer sind zwei andere Szenarien: Die Tageszeitung „Folha“ berichtet von einem koordinierten „Tag des Feuers“, den Landarbeiter vor einigen Tagen ausgerufen haben sollen. Diese wollten offenbar mit gezielter Brandrodung Fakten schaffen. Zudem sind sie angesichts der internationalen Klimaschutz-Debatte in Furcht um ihre Arbeitsplätze. Und auch die Rolle Boliviens verdient eine größere Aufmerksamkeit. Dort lässt Präsident Evo Morales weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit ebenfalls zu Gunsten der Agrar-Industrie in zwei Amazonas-Regionen abholzen. Auch dort brennt es derzeit in den Wäldern lichterloh. Die Ursache des Brandes gleich in der Nachbarschaft: Brandrodung.