Nordkorea: Kim Jong Un steigt trotz Raketenabsturz auf

Nordkorea : Kim Jong Un steigt trotz Raketenabsturz auf

Der misslungene Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete hat den Aufstieg von Kim Jong Un nicht aufgehalten: Der Sohn des vor vier Monaten verstorbenen Führers Kim Jong Il ist am Freitag vom Parlament zum Ersten Vorsitzenden der Nationalen Verteidigungskommission ernannt worden. Das ist das wichtigste Exekutivorgan des kommunistischen Staates.

Sein Vater Kim Jong Il wurde zum "Vorsitzenden für die Ewigkeit" erhoben. Zum Beginn der Jahressitzung der Obersten Volksversammlung wurde in der Hauptstadt eine riesige Statue Kim Jong Ils enthüllt, direkt neben dem Denkmal von dessen Vater und ersten Staatschef Kim Il Sung.

Schon Kim Jong Uns Vater hatte Nordkorea als Vorsitzender der Verteidigungskommission regiert. Zur Demonstration nordkoreanischer Größe und Macht wurde wenige Stunden vor der Ernennung eine Interkontinenalrakete des Typs Unha-3 gestartet, die nach offiziellen Angaben einen Beobachtungssatelliten ins All bringen sollte.

Die USA und Südkorea sahen darin eher den Test einer Langstreckenrakete, die mit einem atomaren Sprengsatz bestückt ihr Territorium erreichen könnte. Die mehrstufige Rakete stürzte wenige Minuten nach dem Start ins Gelbe Meer, die amtliche Nachrichtenagentur KCNA bestätigte das Desaster: "Wissenschaftler, Techniker und Experten suchen nach der Ursachen", hieß es in einer Meldung.

Offiziell erfolgte der Start zu Ehren des 100. Geburtstags von Staatsgründer Kim Il Sung am 15. April. Am Freitag trat die Oberste Volksversammlung zu ihrer Jahressitzung zusammen.

Die USA sprachen trotz des Fehlschlags von einer "provokativen Aktion" und kündigten einen Stopp ihrer Nahrungsmittelhilfen an.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte vor einer Eskalation. "Das ist eine flagrante Verletzung internationaler Verpflichtungen und wird die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel weiter verschärfen", sagte der FDP-Politiker am Freitag in New York. Westerwelle verlangte, der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen müsse sich "umgehend mit der Angelegenheit befassen". Dieser wollte noch am Freitag zu einer Sondersitzung zusammenkommen.

G-8-Staaten verurteilen Start

Staatliche nordkoreanische Medien meldeten, der Satellit Kwangmyongsong-3 sei um 07.38 Uhr Ortszeit von der Station Sohae in Tongchnag-ri an der Westküste abgefeuert worden.

Nach Angaben der US-Streitkräfte stürzte die Rakete kurz darauf etwa 165 Kilometer westlich der südkoreanischen Küste ins Gelbe Meer. Die in Washington tagenden G-8-Staaten verurteilten den Raketenstart.

Präsentation für ausländische Journalisten

Für das Regime in Pjöngjang bedeutet der Absturz einen erheblichen Rückschlag. Stolz hatte die Regierung des wegen seines Atomprogramms international isolierten Landes die Rakete vorab auch ausländischen Journalisten präsentiert. In Pjöngjang wurde es Dutzenden ausländischen Journalisten aber nicht gestattet, den Start live zu beobachten.

(APD)
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