1. Politik
  2. Ausland

Nordkorea: Kim Jong Un macht sich Sorgen

Nordkorea : Kim Jong Un macht sich Sorgen

Ungewohnte Töne aus Nordkorea: Das Regime von Kim Jong Un bietet dem Erzfeind im Süden ein Ende der feindseligen Rhetorik und Provokationen im Grenzgebiet an. Und das einen Tag nach einem neuerlichen Raketentest. Es scheint, als bereite der nahende Besuch von Chinas Staatschef dem jungen Diktator Kopfzerbrechen.

Nordkorea bemüht sich anscheindend um Entspannung. Pjöngjang sei bereit, eine entsprechende Vereinbarung über Provokationen im Grenzgebiet zu treffen und ab Freitag umzusetzen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Montag unter Berufung auf die Nationale Verteidigungskommission, die höchste militärische Instanz in Nordkorea.

Den KCNA-Angaben zufolge soll es bei einer möglichen Vereinbarung vor allem um ein Ende der Provokationen an den Seegrenzen gehen. Südkorea solle ein für August geplantes neues Manöver gemeinsam mit den USA absagen, hieß es. Damit könne auch ein harmonischer Verlauf der Asienspiele im September und Oktober gewährleistet werden. Das Sportgroßereignis soll in der Stadt Incheon im Nordwesten Südkoreas stattfinden.

Hoher Besuch aus China

Am Donnerstag und Freitag wird Chinas Staatschef Xi Jinping zu einem Besuch in Südkorea erwartet. Anschließend reist er nach Nordkorea. China ist der wichtigste Verbündete des kommunistischen Nordkoreas, doch mehrten sich zuletzt die Anzeichen, dass Peking mit der konfrontativen Politik Pjöngjangs nicht einverstanden ist.

Seit seinem Amtsantritt reiste Xi bislang nicht nach Pjöngjang. Dass Xi jetzt erst im Süden Station macht, muss Kim als deutliches Signal - beinahe als Beleidigung - verstehen. Anscheindend muss er sich langsam Sorgen machen, bald ganz ohne Verbündeten dazustehen.

Nord- und Südkorea befinden sich formal im Kriegszustand, weil nach dem Koreakrieg der Jahre 1950 bis 1953 kein Friedensvertrag geschlossen wurde. Am Sonntag feuerte Nordkorea zwei Scud-Raketen mit einer Reichweite bis zu 500 Kilometern ab, die vor der Küste im Meer landeten. Am Donnerstag hatte Nordkorea nach eigenen Angaben erfolgreich eine neue ferngelenkte Rakete getestet.

KCNA berichtete am Montag zudem, zwei festgenommenen US-Touristen solle der Prozess gemacht werden. Den Häftlingen Matthew Todd Miller und Jeffrey Edward Fole würden "feindselige Akte" zur Last gelegt. Fowle wurde nach Informationen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo Mitte Mai festgenommen, weil er in einem Hotel eine Bibel zurückließ. Der 24-jährige Miller wurde im April festgenommen, als er nach der Einreise nach Nordkorea Asyl beantragte.

Die US-Regierung riet im Mai in einer neuen Reisewarnung ihren Bürgern von Aufenthalten in dem kommunistischen Land ab, weil dort selbst bei geführten Reisen die Gefahr einer willkürlichen Festnahme bestehe. Die USA haben keine diplomatische Vertretung in Pjöngjang, die US-Interessen werde von der schwedischen Botschaft wahrgenommen.

(DEU)