Massenfeiern in Nordkorea: Kim Jong Un hält überraschend erste Rede

Massenfeiern in Nordkorea : Kim Jong Un hält überraschend erste Rede

Nordkoreas neuer Herrscher Kim Jong Un hat im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstags seines Großvaters ein unerwartetes Verhalten an den Tag gelegt. Während sich sein Vater Kim Jong Il bei solchen Anlässen stets in Schweigen hüllte, überraschte Kim Jong Un mit seiner ersten öffentlichen Rede als Machthaber.

Alles war wie üblich genau durchchoreographiert: die Massenkundgebungen in den vergangenen Tagen, die Beförderungen von Offizieren und Funktionären, die Ordensvergaben an verdiente Bürger und die pompösen Aufmärsche. Und selbst ein neuer Raketenstart, der mit einem Absturz und damit in einem Fiasko endete, gehörte dazu.

Die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des in Nordkorea als Staatsgründer verehrten Kim Il Sung gingen am Sonntag mit einer Demonstration militärischer Stärke zu Ende. Mit einer Militärparade feierte das Regime letztlich auch sich selbst.

Im Zentrum: Kim Jong Un. Pjöngjang nutzte nach Meinung von Beobachtern die Feiern, um die dynastische Machtübergabe in dritter Generation an den Enkel des 1994 gestorbenen Diktators noch einmal zu legitimieren.

Und der noch nicht 30-jährige Kim Jong Un überraschte am Sonntag nicht nur die Beobachter im Ausland, sondern auch seine Landsleute.
Während sein im Dezember gestorbener Vater und Vorgänger Kim Jong Il bei Massenkundgebungen beharrlich geschwiegen hatte, hielt sein Sohn seine erste öffentliche Rede als Machthaber des weitgehend isolierten Landes.

Die Rede skizzierte keine neue Politik. Vielmehr bekräftigte Kim die Politik seines Vaters, wonach dem Militär absoluter Vorrang gebühre. Doch kündige sich ein neuer Führungsstil an, meint der Politologe Paik Hak Soon vom privaten Sejong-Institut bei Seoul.

Dafür sprächen einige Indizien, einschließlich der Rede. Schon die Erklärung Nordkoreas kurz nach dem Raketenabsturz am Freitag, in der das Regime das Scheitern eingeräumt habe, sei ungewöhnlich. Bewegt sich der jugendliche Kim auf eine neue Offenheit zu? "Ob er seinen eigenen Stil finden wird, ist noch nicht klar", urteilt Paik.

Mit der Machtübergabe gab es im Ausland auch die Hoffnung auf Reformen und eine Öffnung. Westliche Bewohner in Nordkorea verfolgen schon seit längerem Veränderungen in den Städten des Landes. So gibt es schon seit einiger Zeit größere Märkte. Auch das Handy verbreitet sich immer schneller unter den Nordkoreanern, auch wenn die strikte Kontrolle des Staates damit nicht aufhört. Hinter den Kulissen wird in Nordkorea vor allem um den richtigen Wirtschaftskurs gerungen.

Wenn die Feiern vorbei sind, sei es Kim Jong Uns große Aufgabe, dass sein Land wirtschaftlich aufhole, sagt Experte Paik. Unter seinem Vater Kim Jong Il sei vor allem das Militär weiter gestärkt worden.

Die Militärparade wie auch der Raketenstart und die Bekräftigung der "Militär-zuerst"-Doktrin zeigen vor allem eine Kontinuität der bisherigen Politik. Mit dem Raketenstart wollte das stalinistische Nordkorea aus der Sicht der USA und anderer Länder in Wirklichkeit die Technologie für eine mögliche Atomrakete testen. Nordkorea bestreitet das. Danach sollte ein Satellit ins All befördert werden.

Auch der Personenkult um das bisherige Herrschertrio der Kims ist ungebrochen. Kurz nach dem Tod von Kim Jong Il wurde sein Sohn im Schnelldurchgang mit den gleichen diktatorischen Machtbefugnissen ausgestattet, über die schon seine Vorgänger verfügt hatten. Kim Jong Un soll nun wie sein Großvater und Vater die Ämter des Staats-, Partei- und Armeechefs in Personalunion ausüben. Die Titel lauten zum Teil nur anders.

Mit dem Raketenstart hat sich Nordkorea den Weg zum Dialog vorerst wieder verbaut, den es zuletzt mit den USA wiederaufgenommen hatte, glauben Beobachter. Die USA entschieden bereits, die Pläne für dringend benötigte Lebensmittelhilfen für Nordkorea auf Eis zu legen.
"Wir können bisher keine neue Politik Nordkoreas erkennen", sagt Paik. Aber auch an die anderen Länder müsse die Frage gestellt werden: "Was kann die Welt tun, um Kim einzubinden?" Ein völliger Abbruch des Dialogs könne fatale Folgen haben.

(dpa)
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