Kim Jong Un fährt tagelang mit dem Zug zum Treffen mit Donald Trump - warum?

Treffen mit Donald Trump : Kim Jong Uns Zugfahrt zum Gipfel dauert zweieinhalb Tage

Nordkoreas Machthaber trifft Donald Trump in Hanoi. Sein Zug ist luxuriös, aber nicht der schnellste – nicht einmal auf Chinas modernen Trassen.

(rtr) Der zweite Gipfel rückt näher: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist mit dem Zug unterwegs zum Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Vietnams Hauptstadt Hanoi. Am Samstag fuhr der dunkelgrüne Zug mit gelben Streifen in der chinesischen Grenzstadt Dandong ein und trat damit den längsten Abschnitt der Reise an. Kim benötigt von Pjöngjang bis zur vietnamesischen Grenze rund zweieinhalb Tage.

Unklar blieb zunächst, warum Kim sich für die mehrtägige Zugreise durch China entschied, statt in wenigen Stunden mit dem Flugzeug nach Hanoi zu kommen. Kim wolle China so sein Vertrauen demonstrieren, zitierte die „New York Times“ die Analystin Yun Sun des Thinktanks Stimson Center in Washington. Für den ersten Trump-Kim-Gipfel in Singapur vor acht Monaten hatte Kim sich der „New York Times“ zufolge eine Boeing 747 von Air China geliehen, um nicht auf seine eigene 40 Jahre alte Iljuschin zurückgreifen zu müssen. Möglicherweise ist Kim skeptisch, was den Zustand der nordkoreanischen Flugzeuge betrifft.

Hinter Kims Entscheidung könnte aber auch eine Hommage an seine Familie stecken. Eisenbahnen haben für die Familie Kim eine große Bedeutung. Schon Kim Jong Uns Amtsvorgänger, sein Vater Kim Jong Il und sein Großvater Kim Il Sung, hatten eine Vorliebe für Züge und nutzten sie oft für ihre Reisen. Kim Jong Il verstarb 2011 in einem Zug, der im „Palast der Sonne“ ausgestellt wird, wo auch der Leichnam des früheren Machthabers aufgebahrt ist. Dass Kim mit dem Zug reise, sei Teil des Bildes, das er vermitteln wolle, sagte der ehemalige südkoreanische Geheimdienstler Nam Sung-wook: „Kim zieht eine ganz schöne Show ab. Es geht schon jetzt mehr um Prunk als um Substanz.“

Auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken Chinas könnte Kims Zug allerdings die Fahrpläne durcheinanderbringen, denn schnell ist er nicht: Auf chinesischen Schienen dürfe er maximal 80 km/h fahren, in Nordkorea nur 45 km/h, sagte Ahn Byung Min, ein Experte beim Koreanischen Verkehrsinstitut in Südkorea. Die 21 Waggons seien luxuriös ausgestattet, sagte Ahn. Das nordkoreanische Staatsfernsehen zeigte Bilder von rosa Ledersitzen, Großbildfernsehern und elfenbeinfarbenen Vorhängen. Zudem habe der Zug ganz in Weiß gestaltete Konferenzräume, einen Speisewagen und Schlafräume. Kim kann Staatsmedien zufolge per Satellit das aktuelle Geschehen verfolgen und Anweisungen geben.

Die südkoreanische Zeitung „Joong Ang Ilbo“ berichtete außerdem, dass der Machthaber seinen Mercedes im Zug mitnehme. Möglicherweise müsse Kim an der vietnamesischen Grenze ins Auto steigen, da die Bahnschienen in China und Vietnam nicht kompatibel seien, berichtete die „New York Times“. Für das Treffen am Mittwoch und Donnerstag werden Kim Jong Un und Donald Trump bereits am Dienstag in Hanoi erwartet.

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