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Kim Jong Ils Ex-Leibwächter: Lagerhaft für die Benutzung des falschen Aschenbechers

Nordkorea : Wer den falschen Aschenbecher benutzt, stirbt im Straflager

Seit er nach Südkorea fliehen konnte, erzählt Lee Young Guk den Menschen seine Geschichte. Denn er war einst der Leibwächter von Nordkoreas früherem Herrscher Kim Jong Il. Nun hat Lee erneut ein Interview gegeben und über die brutale Willkür seines einstigen Chefs gesprochen. Und er befürchtet, dass dessen Sohn Kim Jong Un noch viel grausamer sei.

Zehn Jahre lang, bis kurz vor dessen Machtübernahme, beschützte er Kim Jong Il und musste zunächst eine harte Ausbildung absolvieren. Gemeinsam mit einer CNN-Reporterin schaut sich Lee Young Guk Propaganda-Material aus Nordkorea an, in dem zu sehen ist, wie junge Männer etwa Stapel mit Ziegelsteinen mit dem Kopf zerschlagen. Lee sagt im Interview, er habe ein ähnliches Training absolviert. Solche Fähigkeiten würden zwar nicht helfen, einen Krieg zu gewinnen, aber sie würden die Loyalität stärken.

Doch ein weitaus größerer Teil der Ausbildung, so sagt der Mann, der heute eine Entenfarm in Südkorea betreibt, sei die Gehirnwäsche gewesen. Sie seien so trainiert worden, dass sie glaubten, Kim Jong Il sei Gott und der einzige Grund, warum die künftigen Leibwächter geboren seien, sei, ihm zu dienen und ihn zu beschützen.

Aber Lee erinnert sich auch an die "zwei Gesichter" des nordkoreanischen Führers. Er sei ein Mensch gewesen, der in glücklichen Momenten Gold verteilen konnte und wenn er schlecht gelaunt war, Todesstrafen aussprach. "Wenn Kim Jong Il mit seinem Wagen vorgefahren kam, dann rannten 60- bis 70-jährige Berater vor ihm weg und legten sich ins Gras." Sie hätten sich vor ihm verstecken wollen, weil sie Angst vor einer Strafe gehabt hätten.

Dann erzählt er von einem Beispiel. So habe Kim Jong Il einmal herausbekommen, dass ein hoher Beamter seinen privaten Fahrstuhl und seinen Aschenbecher benutzt habe. Diesen Beamten habe er ins Straflager geschickt, wo er gestorben sei. Lee glaubt aber auch, dass die Diktatur in Nordkorea von Generation zu Generation grausamer geworden sei.

"Kim Jong Un hat sich Loyalität zugesichert, aber sie basiert auf Angst", sagt der frühere Leibwächter über den heutigen Herrscher von Nordkorea, den er oft als Kind gesehen habe. "Er hat seinen Onkel töten lassen", sagt er. Und das habe nicht einmal sein Vater geschafft.

Lee selbst musste ebenfalls fünf Jahre in einem der berüchtigten Straflager Nordkoreas verbringen — weil er versucht hatte zu fliehen. Sein zweiter Fluchtversuch in den Süden gelang schließlich. Er habe, so sagt er noch in dem CNN-Interview, diese Zeit nur durchgestanden, weil er der Welt erzählen wollte, von welchen Grausamkeiten er Zeuge geworden sei.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kim Jong Un - Nordkoreas junger Machthaber

(das)