Amerikaner verabschieden sich: Kennedy in Arlington beigesetzt

Amerikaner verabschieden sich: Kennedy in Arlington beigesetzt

Washington (RPO). Der langjährigen US-Senator Edward Kennedy ist nach viertägigen Trauerfeierlichkeiten am Samstag auf dem Nationalfriedhof in Arlington bei Washington beigesetzt worden. Kennedy fand seine letzte Ruhestätte in der Nähe seiner ermordeten Brüder John F. und Robert Kennedy.

Tief bewegt haben die Vereinigten Staaten Abschied von Edward "Ted" Kennedy genommen. Der Senator wurde am Samstagabend auf dem Arlington-Nationalfriedhof beerdigt bei Washington. US-Präsident Barack Obama würdigte den mit 77 Jahren gestorbenen Politikveteranen in einem Trauergottesdienst am Samstagmorgen in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts als "Löwen des US-Senats" und "Seele der Demokratischen Partei". Kennedy wurde an der Seite seiner berühmten Brüder, US-Präsident John F. Kennedy und Justizminister Robert Kennedy, beigesetzt - nahe der ewigen Flamme, die die Ruhestätte des berühmtesten der Kennedy-Brüder, John F., markiert. Drei Salutschüsse und ein Trompetensolo als letzter Gruß beschlossen die Zeremonie. Im Moment des Sonnenuntergangs wurde ein Brief Kennedys an Papst Benedikt XVI. verlesen, in dem sich der Senator mit seinem nahen Tod auseinandersetzte. "Die Krankheit fordert ihren Tribut von mir", heißt es in dem Brief. Er "bereite sich für die nächste Lebensreise vor", schrieb Kennedy an den Papst. Kennedy war am vergangenen Dienstag nach langem Kampf gegen einen bösartigen Hirntumor gestorben. An der privaten Zeremonie auf dem Friedhof an der Stadtgrenze zu Washington nahmen Angehörige und engste Freunde teil. In der Basilika "Our Lady of Perpetual Help" in Boston hatte Obama zuvor im Beisein der drei ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter, Bill Clinton und George W. Bush eine bewegende Trauerrede gehalten. Kennedy habe "mehr Schmerz und Tragödie" ertragen, "als die meisten von uns jemals erfahren werden". Er habe sich unablässig für die sozial Benachteiligten eingesetzt und trotz seiner schweren Krankheit niemals seinen Sinn für Humor verloren. Kennedy hatte Obama in dessen Präsidentschaftswahlkampf unterstützt. Er war auch einer der wichtigsten Mitstreiter für die von Obama angestrebte Gesundheitsreform. Zu Tränen rührte Ted Kennedy Jr. den irisch-amerikanischen Kennedy-Clan, als er an die Fürsorge und Wärme seines Vaters erinnerte. Der habe ihm nach seiner Krebs-Beinamputation als Kind gelehrt, dass "selbst die einschneidendsten Verluste überlebbar sind". "Er brachte mir bei, dass nichts unmöglich ist." Sein Vater habe ihm nach der Operation geholfen, mit der Prothese einen Berg zu besteigen, erzählte Kennedy Jr. Niemals habe sein Vater aufgegeben. Als der Sarg Kennedys am Samstagnachmittag Kapitol in Washington eintraf, brandete starker Applaus auf. Tausende Menschen hatten bereits den Weg des Konvois schwarzer Limousinen gesäumt. Vor dem Kapitol hielt der Konvoi kurz an, Kennedys Witwe Vicki und seine drei Kinder stiegen aus, um Abgeordneten und Kongressmitarbeitern die Hände zu reichen. Schon seit Donnerstag hatten mehr als 50000 Menschen dem Senator an seinem aufgebahrten Sarg in der John F. Kennedy Bibliothek die letzte Ehre erwiesen, wo der Leichnam in einem mit einer US-Flagge geschmückten Sarg aufgebahrt war. Auch in Kennedys Heimatstadt kondolierten tausende Bürger. Bei einer Totenwache nach irischem Brauch gesellten sich die Hinterbliebenen zu dem aufgebahrten Leichnam, erinnern mit Witzen und Liedern an den Verstorbenen und spenden einander Trost. Kennedys Angehörige hatten den Abend unter das Motto "Eine Feier des Lebens" gestellt. Der einflussreiche Clan stammt aus Irland und hält die katholische Tradition der alten Heimat in Ehren. Der demokratische Senator Chris Dodd würdigte in seiner Rede Kennedy als Patrioten, der den berühmten Namen seiner Familie noch mehr bereichert habe. Dann berichtete der Politiker, wie der Verstorbene ihn durch die Bemerkung zum Lachen brachte, die Schmerzen einer Krebsbehandlung seien "nichts verglichen mit der öffentlichen Debatte über die Gesundheitsreform." Kennedys Neffe Joseph sorgte mit der Anekdote für Gelächter, er habe seinen Onkel nur ein einziges Mal bei einer Segelregatta schlagen können - als dessen Boot sank. Selbst einstige politische Rivalen bezeugten ihren Respekt für den liberalen Politiker: "Er hatte das irische Talent zum Geschichtenerzählen und für Freundschaft", sagte der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain. "Wir waren bei den meisten Themen unterschiedlicher Ansicht, aber ich bewunderte seine Leidenschaft für seine Überzeugungen."

(AFP)