Nicht ganz unumstritten US-Senat bestätigt Kelly Craft als neue UN-Botschafterin

Washington · Trump ist ein Kritiker der Vereinten Nationen, seit mehr als einem halben Jahr haben die USA dort keine Botschafterin mehr. Das ändert sich jetzt. Die künftige Chefdiplomatin hat in der Vergangenheit mit Äußerungen zum Klimawandel für Aufsehen gesorgt.

 Kelly Craft, damalige Botschafterin der USA in Kanada, steht während ihrer Amtseinführung im Indian Treaty Room im Eisenhower Executive Office Building auf dem Gelände des Weißen Hauses in Washington.

Kelly Craft, damalige Botschafterin der USA in Kanada, steht während ihrer Amtseinführung im Indian Treaty Room im Eisenhower Executive Office Building auf dem Gelände des Weißen Hauses in Washington.

Foto: dpa/Alex Brandon

Sieben Monate nach dem Ausscheiden von Nikki Haley bekommen die USA wieder eine Botschafterin bei den Vereinten Nationen: Der US-Senat bestätigte am Mittwoch die von Präsident Donald Trump nominierte Kandidatin Kelly Craft (57) als neue Chefdiplomatin bei den UN mit 56 zu 34 Stimmen. Craft ist bislang US-Botschafterin in Kanada. Die oppositionellen Demokraten im Senat hatten ihr bei ihrer Anhörung mangelnde Erfahrung für den Posten bescheinigt.

Haley hatte das Amt Ende vergangenen Jahres aus persönlichen Gründen abgegeben. Craft war vor ihrer Zeit als US-Botschafterin in Kanada Unternehmerin im US-Bundesstaat Kentucky. Sie ist mit Joe Craft verheiratet, einem milliardenschweren Geschäftsmann aus der Kohleindustrie. Beide sind Spender der Republikaner von Trump.

Im Wahlkampf 2016 unterstützte das Ehepaar Kandidaten der Konservativen nach einem Bericht der „Washington Post“ mit rund 1,5 Millionen US-Dollar (1,35 Millionen Euro). Laut der „New York Times“ spendeten die Crafts insgesamt zwei Millionen US-Dollar für Trumps Wahlkampf und seine Amtseinführungszeremonie.

Für Aufsehen sorgte Craft, als sie 2017 im Sender CBS erklärte, sie glaube „beiden Seiten“ in der Debatte über den Klimawandel. Bei ihrer Senatsanhörung im Juni betonte Craft, Klimawandel stelle „ein echtes Risiko für den Planeten dar“. Maßnahmen dagegen müssten alle Länder ergreifen. Den USA dürfe dabei aber keine übergroße Last aufgebürdet werden, die Jobs oder die Wirtschaft gefährden könnte. Craft sprach sich bei der Anhörung zudem für Reformen bei den UN und für eine fairere Lastenteilung bei der globalen humanitären Hilfe aus.

Trump sieht die Vereinten Nationen kritisch, unter der früheren Botschafterin Haley hatten die USA einen Sparkurs eingeläutet. Trump hatte bereits im Februar angekündigt, Craft nominieren zu wollen. Er bescheinigte ihr damals, als Repräsentantin der USA einen „ausgezeichneten Job“ gemacht zu haben. Die Demokraten bemängelten bei der Anhörung Crafts im Senat im vergangenen Monat dagegen unter anderem, dass sie in ihrer bis dahin 20-monatigen Amtszeit als Botschafterin 300 Tage außerhalb Kanadas gewesen sei.

Der ranghöchste demokratische Senator im Auswärtigen Ausschuss, Bob Menendez, kritisierte außerdem die seiner Ansicht nach mangelnde diplomatische Erfahrung Crafts. „Ich habe schwere Vorbehalte gegen Ihren Mangel an Qualifikationen für so eine komplexe und herausfordernde Rolle“, sagte er.

Der Mehrheitsführer der Republikaner im Senat, Mitch McConnell, nannte Craft dagegen „eine phänomenale Wahl des Präsidenten“. Der Senator aus Kentucky hatte Trump nach eigenen Angaben empfohlen, Craft für das Amt bei den Vereinten Nationen auszuwählen.

In Crafts Zeit als Botschafterin in Kanada fielen die Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta sowie der G7-Gipfel in La Malbaie, bei dem es zum Eklat kam, weil Trump seine Unterstützung für die Gipfelerklärung im Nachhinein zurückzog.

Craft war Trumps zweite Kandidatin für das Spitzenamt. Die erste Anwärterin, Heather Nauert, hatte ihre Bewerbung im Februar überraschend zurückgezogen. Sie hatte erklärt, die Zeit nach der Verkündung ihres geplanten Aufstiegs zur UN-Botschafterin sei für ihre Familie sehr aufreibend gewesen.

Mehrere US-Medien berichteten allerdings, Grund für Nauerts Rückzug sei gewesen, dass sie vor Jahren eine Frau als Kindermädchen beschäftigt hatte, die keine US-Arbeitserlaubnis gehabt habe. Aus Angst vor Komplikationen im Nominierungsprozess wegen dieses Falls habe Nauert entschieden, sich selbst aus dem Rennen zu nehmen.

(zim/dpa)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort