Trotz Verbots: Katalanen stimmen inoffiziell über Unabhängigkeit ab

Trotz Verbots : Katalanen stimmen inoffiziell über Unabhängigkeit ab

Trotz des Verbots des spanischen Verfassungsgerichts hat in der Region Katalonien am Sonntagmorgen eine Volksbefragung über die Unabhängigkeit begonnen.

Die katalanische Regionalregierung ging davon aus, dass die Wahllokale mit rund 40 000 Ehrenamtlichen besetzt sind. Erste Ergebnisse der unverbindlichen Abstimmung werden nicht vor Montagmorgen erwartet. Das Oberste Gericht Spaniens hatte die Befragung in der nordspanischen Region wegen einer Verfassungsklage der Regierung untersagt, ebenso wie zuvor das ursprünglich geplante Referendum.

Bei der Wahl wird gefragt, ob Katalonien ein Staat sein sollte, und falls ja, ob er unabhängig sein sollte. In Katalonien mit seiner Hauptstadt Barcelona leben rund 7,5 Millionen Menschen. Es zählt zu Spaniens wohlhabendsten Regionen. Die Unabhängigkeitsbestrebungen hatten durch eine ähnliche Initiative der Schotten Auftrieb erfahren. Dort stimmte eine Mehrheit Mitte September aber letztlich gegen eine Abspaltung von Großbritannien.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte die Katalanen am Samstag zum Dialog aufgefordert. Dieser solle im Rahmen der Verfassung stattfinden, sagte Rajoy. Die Abstimmung bezeichnete er als illegal. Sie werde keinerlei Bedeutung haben. Die spanische Zentralregierung lehnt ein Referendum mit der Begründung ab, die Einheit des Landes sei in der Verfassung festgeschrieben. Über eine Änderung könne nur das gesamte spanische Volk entscheiden.

Gegner der Unabhängigkeitsbewegung gingen am Samstag in 52 Städten Spaniens auf die Straße. Bei der Kundgebung in Madrid kritisierte Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa, die informelle Befragung der Katalanen verstoße gegen das Gesetz und gegen den Willen des Volks.

Hinter den Protestaktionen stand eine Gruppe namens Libres e Iguales (Freie und Gleiche). Ihr gehören neben Politikerin auch Intellektuelle wie Vargas Llosa und der Aristokrat Carlos Falco an. Nach Angaben der Abgeordneten Cayetana Álvarez de Toledo von der Volkspartei PP war unter den 52 Protestorten auch die katalanische Stadt Girona.

Aus Barcelona wurden Handgemenge zwischen Befürwortern und Gegnern der Volksbefragung gemeldet. Die Polizei trieb die Menge auseinander, nahm aber niemanden fest.

(ap)