Kanzler Scholz in Kiew Dickes Scheckbuch, aber keine Waffen

Analyse | Kiew/Berlin · Unmittelbar vor seinem Moskau-Besuch stimmt sich Olaf Scholz in Kiew mit der Ukraine ab und sieht einen Nato-Beitritt des Landes nicht auf der Tagesordnung. Ist das eine Botschaft, die Putin besänftigen kann?

 Zeichen der Solidarität: Bundeskanzler Olaf Scholz (l) in Kiew bei der Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Zeichen der Solidarität: Bundeskanzler Olaf Scholz (l) in Kiew bei der Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Foto: dpa/Kay Nietfeld

Olaf Scholz liest ab. In diesen Stunden zählt jedes Wort. Länger als geplant hat der Kanzler unter vier Augen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesprochen. Die US-Geheimdienste halten einen Angriff Russlands praktisch jederzeit für möglich. Am Dienstag ist Scholz bei Putin in Moskau. Es steht viel auf dem Spiel, vielleicht alles? Keiner weiß, was Putin wirklich vorhat. Scholz hofft, in Moskau einer Erkenntnis zumindest näher zu kommen. Im Kiewer Marienpalast bleibt der deutsche Regierungschef seiner Doppelstrategie treu. Marschieren Putins Truppen beim Nachbarn ein, werde der Westen sofort mit harten Sanktionen reagieren: „Wir sind jederzeit handlungsfähig.“ Niemand sollte an der Entschlossenheit des Westens zweifeln. Sanktionen würden einen erheblichen Einfluss auf die ökonomischen Entwicklungsmöglichkeiten Russlands haben. Nord Stream 2? Den Namen der milliardenschweren Ostsee-Pipeline als Sanktionskaliber nennt Scholz wie in Washington erneut nicht. Doch er glaube, die Botschaft habe sich (auch in Moskau) herumgesprochen.