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Kämpfe in Afghanistan: Taliban vor Eroberung weiterer Provinzhauptstadt

Kämpfe in Afghanistan : Taliban vor Eroberung weiterer Provinzhauptstadt

Die militant-islamistischen Taliban in Afghanistan sind in eine weitere Provinzhauptstadt eingedrungen. Die Aufständischen hätten Scheberghan in der Provinz Dschausdschan erobert, sagte der Provinzabgeordnete Mohammad Karim Dschausdschani am Samstag.

Die Regierung erklärte dagegen, in der Stadt werde zwar gekämpft, erobert sei sie aber nicht. Einwohner berichteten von schweren Luftangriffen. Die Taliban hätten Gefangene befreit.

Die Stadt gilt als strategisch wichtig, weil sie die Hochburg des mit den USA verbündeten Kriegsherren Raschid Dostum ist, dessen Miliz die Regierung unterstützen soll. Sollte die Stadt fallen, wäre sie die zweite Provinzhauptstadt innerhalb weniger Tage, die von den Taliban eingenommen wird. Mehrere andere der 34 Provinzhauptstädte des Landes drohen an die Taliban zu fallen.

Tags zuvor war die Einnahme von Sarandsch gemeldet worden, der Hauptstadt der Provinz Nimrus. Auch in diesem Fall betonte die Regierung, sie bekämpfe die Rebellen in der Stadt immer noch. Nimrus ist eine dünn besiedelte Region, die überwiegend aus Wüste besteht, Sarandsch hat rund 50 000 Einwohner.

Die Taliban haben sich mit dem Abzug der internationalen Truppen zuletzt zunehmend Territorium in Afghanistan gesichert. Nachdem sie zunächst ländliche Gebiete überrannt und Grenzposten besetzt hatten, belagern sie mittlerweile zunehmend auch große Ballungszentren. Unter anderem konnten sie die Provinzhauptstadt Laschkarga in Helmand fast zur Gänze unter ihre Kontrolle bringen. Nach Angaben der Abgeordneten Nafisa Faies versuchten Elitekommandos und reguläre Truppen die Angreifer zu vertreiben, hatten aber nur geringen Erfolg. Viele Einwohnerinnen und Einwohner wagten sich nicht aus ihren Häusern, bekämen keine Nahrungsmittel und könnten nicht ins Krankenhaus, sagte Faies.

Am Samstag bekräftigten die amerikanische und die britische Botschaft in Kabul die Warnung an ihre Bürger, die sich dort noch aufhalten, die Stadt sofort zu verlassen, da sich die Sicherheitslage verschlechtere. Die US-Botschaft verurteilte in einer Erklärung vom Samstag das militärische Vordringen der Taliban und erklärte, dieses stehe im Widerspruch zu ihrer Behauptung, eine Friedenslösung auf dem Verhandlungswege zu unterstützen. Die Botschaft rief zu einem Ende der Gefechte und einer umgehenden Aufnahme von Verhandlungen auf.

Die USA haben nach eigenen Angaben mittlerweile 95 Prozent ihrer Truppen abgezogen. Der Rückzug soll Ende des Monats komplett sein. Die US-Luftwaffe unterstützt die afghanische Luftwaffe weiterhin bei der Bombardierung von Taliban-Zielen in den Provinzen Helmand und Kandahar im Süden des Landes, während die afghanischen Sicherheitskräfte versuchen, eine Machtübernahme durch die Taliban zu verhindern.

(felt/dpa)