Julija Timoschenko: Abgehörtes Telefonat aufgetaucht

Krise in der Ukraine : Abgehörtes Telefonat: Timoschenko will "Putin in den Kopf schießen"

Und wieder bringt ein abgehörtes Telefonat einen Politiker in Bedrängnis: Dieses Mal trifft es die ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko. Bei YouTube ist ein Mitschnitt eines Telefonats aufgetaucht, in dem die Oppositionsführerin gegen "die Russen" und "ihren Anführer" wettert.

Nur zwei Monate vor den angesetzten Präsidentschaftswahlen in der Ukraine dürfte der aufgetauchte Telefonmitschnitt Julia Timoschenko erheblich in Erklärungsnot bringen. Kreml-nahe Medien hatten das Gespräch zwischen Timoschenko und Nestor Schufritsch, einem langjährigen Weggefährten, am Montag veröffentlicht. Inzwischen gibt es den Mittschnitt auch auf YouTube. Zwar hat Timoschenko die Echtheit des Gesprächs inzwischen bestätigt - allerdings sei die brisanteste Stelle manipuliert.

Brisante Äußerungen gegen Wladimir Putin

Mit brisant meint die Oppositionsführerin vermutlich die Stellen der Aufnahme, auf denen sie offen Drohungen gegen den russischen Präsidenten aussspricht: Sie sei "bereit, eine Maschinenpistole in die Hand zu nehmen und diesem Drecksack in die Stirn zu schießen", übersetzt "Spiegel Online" die Äußerungen der Politikerin.

Angeblich soll das Gespräch mit Schufritsch am 18. März stattgefunden haben, zwei Tage nach dem 97-Prozent-Referendum auf der Krim. Am gleichen Tag hatte Putin im Kreml die Aufnahme der Krim als Teil der Russischen Föderation vollzogen.

Und Timoschenkos Wortwahl wird noch heftiger: Man müsse zu den Waffen greifen und die Russen "fertig machen, zusammen mit ihrem Anführer". Nach Spiegel-Informationen benutzt die Oppositionsführerin während des Telefonats abfällige Bezeichnungen und reichlich russiche Schimpfwörter.

Timoschenko: "Die Russen mit Atomwaffen erschießen"

Gegen Ende des Gesprächs läuft Timoschenko dann zu Hochform auf: Als ihr Gesprächspartner Schufritsch fragt, wie man denn in Zukunft mit den "acht Millionen Russen auf dem Territorium der Ukraine" umgehen solle, antwortet sie, man solle "sie mit Atomwaffen erschießen".

Via Twitter hat Timoschenko inzwischen zu dem abgehörten Telefonat Stellung bezogen. Die Unterredung mit Schufritsch habe tatsächlich stattgefunden, ihre Aussage über die acht Millionen Russen sei allerdings "eine Montage. Tatsächlich habe sie gesagt: Die Russen in der Ukraine sind auch Ukrainer." Ihrer Meinung nach stecke der russische Inlandsgeheimdienst hinter der Abhöraktion: "Grüße an den FSB ;)", schrieb sie auf Twitter. Und: "Sorry für die Schimpfworte".

Timoschenko steht zu Drohung gegen Putin

Dass sie Putin am liebsten selbst eine Kugel verpassen wolle, dementierte Timoschenko hingegen nicht. Allerdings unterscheiden sich ihre Äußerungen am Telefon auch kaum von der Tonalität ihrer öffentlichen Aussagen nach Putins Krim-Rede im Kreml.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Julia Timoschenko spricht in Dublin vor Delegierten

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