Politikerin will sich in Deutschland behandeln lassen: Julia Timoschenkos Kandidatur bleibt offen

Politikerin will sich in Deutschland behandeln lassen : Julia Timoschenkos Kandidatur bleibt offen

Eine allgemein erwartete Kandidatur von Oppositionsführerin Julia Timoschenko bei der Präsidentenwahl in der Ukraine ist fraglich. Jewgenia Timoschenko, die Tochter der 53-Jährigen, sagte am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin, es sei noch nicht gewiss, ob ihre Mutter eine politische Position anstreben werde.

Die an einem Rückenleiden erkrankte Julia Timoschenko müsse nach ihrer Haftentlassung erst einmal in eine Reha-Klinik im März. Timoschenko will sich nach Angaben ihrer Vaterlandspartei im März medizinisch in Deutschland behandeln lassen. Sie habe ein entsprechendes Angebot von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angenommen, hieß es am Montag. In einem Telefonat hätten die beiden Politikerinnen vereinbart, sich "sehr bald" zu treffen. Deutsche Regierungskreise bestätigten das Telefonat. Merkel habe der kranken Oppositionsführerin weitere medizinische Behandlung in Deutschland angeboten.

"Und dann müssen wir weitersehen." Jewgenia Timoschenko betonte laut Übersetzung, dass ihre Mutter sich bislang nicht offiziell zu der Frage geäußert habe, ob sie bei der Wahl am 25. Mai antreten werde. Voraussichtlich in einer Woche oder 14 Tagen werde ihre Mutter dazu eine Erklärung abgeben. Am wichtigsten sei zunächst aber, dass die für die Gewalt in der Ukraine Verantwortlichen festgenommen und verurteilt würden. Dann könnten wirtschaftliche und politische Stabilität nachfolgen, um die derzeit gefährdete Einheit des Landes zu sichern.

Timoschenko war am Samstagabend nach zweieinhalb Jahren aus der Haft entlassen worden. Die 53-Jährige war 2011 wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden. In der Haft erlitt einen Bandscheibenvorfall und trat wiederholt aus Protest gegen ihre Haftbedingungen in einen Hungerstreik. Deutsche Ärzte reisten mehrmals zu Timoschenko, um ihren Gesundheitszustand zu überprüfen.

Vitali Klitschko tritt bei Wahl an

Der führende Oppositionelle und ehemalige Profiboxer Vitali Klitschko hat seine Kandidatur erklärt. Die Bildung einer Übergangsregierung hat sich etwas verzögert, soll aber noch diese Woche abgeschlossen werden. Timoschenko will sich nach Angaben ihrer Partei wegen ihrer Rückenprobleme zunächst in Berlin behandeln lassen. Die Ikone der Orangen Revolution war am Wochenende wenige Stunden nach dem Sturz des ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch aus einem Krankenhaus entlassen worden, wo sie von Gefängniswärtern bewacht wurde. Die frühere Ministerpräsidentin war 2011 wegen Machtmissbrauchs verurteilt worden. Kritiker sprachen von einem politisch motivierten Prozess.

Timoschenko und Klitschko setzen sich anders als Janukowitsch für einen EU-Orientierung ihres Landes ein. Der gestürzte Präsident wollte die Ukraine enger an Russland binden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Julia Timoschenko schwer gezeichnet vom Gefängnis

(AFP)
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