Juan Guaidó will Venezuela für die Zukunft rüsten

„Plan Pais“ : Guaidó will Venezuela neu aufbauen

Der selbst ernannte Interims-Präsident hat seinen Plan für die Zukunft des Landes vorgestellt.

Entbürokratisierung, Ende des Überwachungsstaats, Vertrauen in das kreative und produktive Potential der venezolanischen Bürger: Mit seinem „Plan Pais“ hat der konservative Oppositionsführer Juan Guaidó (35) seine Vorstellung für den Neuaufbau Venezuelas vorgelegt. Damit wissen seine Landsleute, die derzeit für einen Regierungswechsel im ganzen Land auf die Straße gehen, wofür der junge charismatische Ingenieur steht, der seit seiner Wahl zum Parlamentspräsidenten am 5. Januar und der Selbstvereidigung zum Interims-Präsidenten am 23. Januar einen kometenhaften Aufstieg hingelegt hat.

Bislang einte die Regimegegner vor allem das Ziel: die Ablösung Maduros und der Sozialisten. Guaidó ist die dafür dringend benötige Führungsfigur. Jetzt hat Guaidó seinen Führungsanspruch innerhalb der Opposition und im Land auch inhaltlich untermauert. Er gibt den Sozialisten aber auch eine Angriffsfläche: Die werfen ihm vor, das Land ans Ausland verkaufen zu wollen.

In der Tat dürften besonders die Ölkonzerne dieser Welt genau hingeschaut haben, als Guaidó in der Aula der Zentraluniversität seine Pläne vorstellte. Der staatliche Ölkonzern PDVSA, derzeit praktisch im Parteibesitz, soll sich laut Guaidós Plänen wieder auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren, die Förderung von Öl und Gas. Internationale Investoren sind willkommen, die Lagerstätten bleiben aber fest in venezolanischer Hand – das ist einerseits ein Signal an all jene, die einen Ausverkauf fürchten, andererseits aber auch an die westliche Welt, wieder stärker in Venezuela zu investieren, wenn es denn wirklich zu einem Regierungswechsel kommen sollte.

Der Ausverkauf des venezolanischen Öls ins Ausland hat derweil schon längst stattgefunden. Das Land ächzt unter den Milliardenschulden, die Venezuela an Russland und China zu zurückzuzahlen hat – mit Öl selbstverständlich. Die Regierungen Chavez/Maduro haben sich mit entsprechenden Milliardenkrediten in die Abhängigkeit Russlands und Chinas begeben. Wirklich Geld verdient Venezuela nur mit dem Verkauf des Öls in die USA, die in Dollar zahlen. Auch für Peking und Moskau hatte Guaidó eine Botschaft: Einerseits gelte es zwar über die Auslandsschulden neu zu verhandeln, anderseits garantiere eine neue Regierung Stabilisierung der Wirtschaft und damit auch eine Absicherung der Milliardeninvestitionen.

Peking, so vermeldete es am Freitag der Sender Globovision, stünde bereits mit beiden Seiten in Kontakt. Petro-China hat laut Informationen von Reuters ein gemeinsames Raffinerie-Projekt mit Caracas erst mal gestoppt. Guaidó will mit seinem Vorschlag der Dynamik vor dem so wichtigen Samstag zusätzlichen Schwung verleihen. Dann sollen alle Venezolaner wieder auf die Straße gehen, es soll der bislang größte Protestmarsch seit Jahresbeginn werden. Guaidó verspricht: „Wir gehen so lange auf die Straße, bis diese Diktatur beendet ist.“

Heinz Dieterich, linker Soziologe und Autor des Buches „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, das in Lateinamerika als eines der wichtigsten politikwissenschaftlichen Bücher gilt, hat eine genaue Vorstellung wie lange das noch dauern könnte. CNN sagte Dieterich, die Ära Maduro könnte schon in zwei Wochen zu Ende sein. Der venezolanische Staatschef sei inzwischen eine Geisel zweier Kräfte, der eigenen Armee und der USA.

Dazu passt auch eine andere Wortmeldung: Rafael Ramirez war zu Lebzeiten von Revolutionsführer Hugo Chavez (1999 bis 2013) einer seiner wichtigsten politischen Mitstreiter, weil er als Ölminister den Staatskonzern PDVSA führte. Inzwischen hat sich Ramirez mit den in Caracas herrschenden Eliten überworfen und bringt sich als Nachfolger für einen möglichen Neuaufbau bei den Sozialisten in einer Ära nach Maduro und Diosdado Cabello ins Gespräch. Maduro bleibt derweil standhaft: Er zeigt sich seit Tagen an der Seite der Militärs und wirft den USA einen Putschversuch vor.

Das alles ganz anders laufen könnte als die euphorische Opposition glaubt, zeigt ein anderer Vorfall: Als Juan Guaidó seinen „Plan Pais“ vorstellte, sollen Sicherheitskräfte der gefürchteten Einheit FAES zu dem Wohnhaus der Guaidós gefahren sein, und nach dessen Ehefrau gefragt haben. „Sie wollen wieder Angst generieren“, sagte Guaidó, der sich auf seine Nachbarn beruft. Die Polizei widerspricht. Die Nerven liegen blank in Venezuela vor einem Wochenende, das Aufschluss über die Zukunft geben soll.

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