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John McCain stirbt: Rückblick auf sein Leben

Rückblick auf das Leben von John McCain : Querdenker und Kriegsheld

John McCain fiel auf in der politischen Landschaft der USA. Jahrzehntelang diente er als US-Senator, zum Schluss galt er als einer der schärfsten parteiinternen Kritiker von US-Präsident Trump. Nun ist McCain im Alter von 81 Jahren gestorben. Ein Rückblick.

John McCain war selten um ein keckes Wort verlegen. Doch als es um sein politisches Erbe ging, stapelte der streitbare Senator tief. Er wolle einfach als jemand in Erinnerung bleiben, der seinem Land gedient habe, wenn auch nicht immer auf die rechte Art, sagte der Republikaner im September 2017 in einem Interview. In der Nacht zu Sonntag starb er mit 81 an Krebs.

In der Tat machte es der bisweilen aufbrausende Vietnamveteran auf seine Weise: McCain war ein unbeugsamer „Maverick“, als Querdenker, der sich der Linie seiner Partei im Zweifel widersetzte. Unerschrocken gab McCain den Vorkämpfer für demokratische Werte. Und unter den Republikanern galt er als einer der schärfsten Kritiker von Präsident Donald Trump.

Sechsmal wurde McCain für den Staat Arizona in den Senat gewählt. Und zwei Mal griff er nach dem Topjob des Landes: McCains erster Anlauf auf das Weiße Haus im Jahr 2000 ging jedoch schnell daneben - am Ende sicherte sich George W. Bush die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner - und schließlich das Amt selbst.

Acht Jahre später sah es für McCain wieder nach einer Vorwahlschlappe aus, doch erkämpfte er sich die Nominierung seiner Partei dann doch, nur um letztlich am Demokraten Barack Obama zu scheitern. Eine nicht ganz unwichtige Personalentscheidung McCains hatte im Wahlkampf 2008 für Furore gesorgt: Er machte eine kaum bekannte Provinzpolitikerin namens Sarah Palin zu seiner Kandidatin fürs Vizepräsidentenamt - die Gouverneurin von Alaska wurde zur politischen Reiz- und Galionsfigur der ultrarechten Tea-Party-Bewegung.

John McCain mit Sarah Palin im US-Präsidentschaftswahlkampf 2008. Foto: AP/Charlie Neibergall

Nach seiner klaren Niederlage gegen Obama kehrte McCain in den Senat zurück und zimmerte fleißig an seinem angekratzten „Maverick“-Image. Zum Ende seiner mehr als 30 Jahre langen Kongress-Karriere stellte sich der Parteirebell offen gegen Trump. Den hatte McCain noch im Wahlkampf unterstützt, obwohl dieser seinen Status als Kriegsheld angezweifelt hatte. Trumps Worte seien zwar eine Beleidigung für Veteranen, sagte McCain, doch müssten die Männer darüber hinwegsehen und nach vorn blicken.

Zu McCains Bruch mit Trump kam es dann aber einen Monat vor der Wahl im November 2016: Damals tauchte ein Gesprächsmitschnitt auf, in dem sich der Kandidat anzüglich über Frauen ausließ. McCain entzog Trump die Unterstützung und erklärte, er werde einen „guten konservativen Republikaner“ vorschlagen, der zum Präsidenten tauge.

Gut ein halbes Jahr nach Trumps Amtsantritt, im Sommer 2017, spielte sich im Senat eine dramatische Szene mit McCain in der Hauptrolle ab. Zur Abstimmung stand da die Teilabschaffung der von Trump verhassten Krankenversicherung „Obamacare“. McCain tritt ins Licht - und senkt den Daumen. Das Vorhaben seiner Parteifreunde ist tot, und er ist kurioserweise der Retter von Obamas wohl wichtigstem innenpolitischen Projekt. Trump schäumte. Vom Präsidenten setzte es Seitenhiebe gegen den widerspenstigen Senator. McCains Namen nannte Trump zwar nicht, ahmte aber bei einem Auftritt vor Anhängern seine Daumen-Geste nach.

McCain ließ nicht locker. Aus seinem Haus in Arizona äußerte er immer wieder Kritik am Kurs Trumps. Die Besetzung der CIA-Spitze mit Gina Haspel monierte McCain wegen deren früheren Rolle bei der Aufsicht einer Foltereinrichtung des US-Auslandsgeheimdiensts. Und er rügte Trump dafür, Verbündete der USA beim jüngsten Nato-Gipfel in Brüssel vor den Kopf gestoßen zu haben. Die „Null-Toleranz“-Politik der US-Regierung gegen illegale Grenzübertritte bezeichnete McCain als „einen Affront gegen die Anständigkeit des amerikanischen Volkes“. Und zuletzt geißelte der Senator Trumps Auftritt bei dessen Gipfel mit Kremlchef Wladimir Putin als „einen der schändlichsten Leistungen eines amerikanischen Präsidenten“ überhaupt.

John Sidney McCain III. wurde am 29. August 1936 in der damaligen Panamakanalzone geboren, wo sein Vater als Offizier stationiert war. Ihm und dem Großvater folgte er in die Marineakademie, wo sich McCain nach eigenen Angaben für einen „vierjährigen Kurs in Ungehorsam und Rebellion“ einschrieb. Begeistert war die Offiziersfamilie jedenfalls nicht.

Im Oktober 1967 ereilte den jungen McCain ein Schicksalsschlag, den er später als „Wendepunkt“ beschreiben sollte. Bei einer Mission im Vietnamkrieg wird sein Kampfjet im Norden des Landes abgeschossen. Mehr als fünf Jahre verbrachte er in Kriegsgefangenschaft. Die Zeit der Isolationshaft, Schläge, Entbehrung und anderer Folterakte habe ihn derart verzweifeln lassen, dass er einmal einen Selbstmordversuch unternommen habe, wie er später schrieb. Doch hätten die Kidnapper ihn von der schlimmsten Folter, die andere Kriegsgefangene erlitten hätten, verschont, weil sein Vater ein berühmter Admiral gewesen sei.

Als ihm zu Propagandazwecken eine vorzeitige Freilassung angeboten wurde, spielte McCain nicht mit. Vielmehr sollten jene freikommen, die zuerst gefangen genommen worden seien. Mit gebrochenem Willen unterschrieb McCain zwar ein schriftliches Schuldgeständnis, lehnte eine Audioaufnahme aber ab. Bis zum Ende seiner Gefangenschaft gab er sich unbeugsam.

John McCain kehrte 1973 auf Krücken in die USA zurück. Hier trifft er Präsident Nixon. Foto: dpa/Harvey Georges

In die Heimat kehrte McCain auf Krücken zurück, seine Arme und Beine konnte er nie wieder voll bewegen. Nach dem Abschied aus der Marine zog es McCain in die Politik. 1982 wurde er als Abgeordneter ins Repräsentantenhaus gewählt, vier Jahre später wurde er Senator. Nur wenige Monate im Amt, beging er „den größten Fehler“ seines Lebens, wie er später bekannte. Er hatte im Auftrag von Charles Keating, einem Freund und Wahlkampffinancier, an Treffen mit Bankenaufsehern teilgenommen. Später wurde Keating des Wertpapierbetrugs überführt. McCain galt als einer von fünf Senatoren, denen der Versuch zur Last gelegt wurde, die Wächter zu Nachsicht mit Keating bewegt zu haben. Dass seine Ehre infrage gestellt wurde, sei irgendwie schlimmer als die Folter in Vietnam gewesen, erklärte McCain danach.

Über die Welt, in die er hineingeboren wurde, schrieb er später in seinen Memoiren: „Ich hasse es, sie zu verlassen. Aber ich habe keine Beschwerde. Keine einzige. Es war eine ziemliche Reise. Ich habe mir in der Erzählung Amerikas und der Geschichte meiner Zeit einen kleinen Platz geschaffen.“

John McCain hinterlässt seine Frau Cindy und sieben Kinder aus zwei Ehen, darunter auch ein Adoptivkind aus Bangladesch. Ebenfalls trauert um ihn seine Mutter Roberta (106).

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(hebu/dpa/AP)