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John Kornblum: Ex-Botschafter stellt Zurechnungsfähigkeit von Donald Trump in Frage

Früherer US-Botschafter Kornblum : „Trump ist nicht voll zurechnungsfähig“

Der frühere US-Botschafter in Deutschland, John Kornblum, hat die Eignung von US-Präsident Donald Trump für das oberste Staatsamt in Frage gestellt und dessen Zurechnungsfähigkeit angezweifelt. In Biden sieht er einen starken Oppositionskandidaten.

Trump sei „nicht stabil und unberechenbar“, sagte Kornblum der „Passauer Neuen Presse“ (Montagsausgabe). „Ich würde sogar sagen, er ist nicht voll zurechnungsfähig.“ Trumps Herausforderer Joe Biden sei ein starker Oppositionskandidat.

Trump wirke im Wahlkampf ratlos und setze darauf, für Unordnung und Unsicherheit zu sorgen, sagte Kornblum der Zeitung. „Mit Provokationen versucht er, seine Gegner durcheinander zu bringen und von seinem Scheitern abzulenken.“ Dies sei „die klassische Trump-Strategie“, die ihm aktuell jedoch zu nützen scheine.

Trumps Drohungen, wonach er eine reguläre Amtsübergabe im Fall einer Wahlniederlage möglicherweise verweigern werde, bezeichnete Kornblum als „Ablenkungsmanöver“. Trump wolle nicht, „dass man über Corona redet, wo er versagt hat und seine Politik tragische Folgen hat“. Die Drohungen sollten zudem von der schlechten wirtschaftlichen Lage und den Unruhen in mehreren US-Städten ablenken.

Trump hinke in Umfragen derzeit weit hinterher, betonte Kornblum. Dennoch sei der Ausgang der Wahl am 3. November noch völlig offen. Auch vor vier Jahren habe die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, in Umfragen vorn gelegen - und schließlich trotzdem gegen Trump verloren. „Biden ist aber ein stärkerer Kandidat und hat mehr Vertrauen in der Bevölkerung“, betonte Kornblum. Allerdings sei es Biden bisher nicht gelungen, selbst die Debatte zu bestimmen und nicht nur auf Trumps Provokationen zu reagieren.

Im Fernsehduell am Dienstagabend müsse Biden Trump „in Bedrängnis“ bringen, sagte Kornblum. Für Biden sei dabei ein Vorteil, dass Trump ihn „im Vorfeld für total unfähig erklärt“ habe. Der Oppositionskandidat müsse nun im TV-Duell „nur gut sein und nicht überragend, um die Menschen zu überzeugen“.

(ahar/AFP)