Teresa Heinz ist selbstbewusst John Kerry und die Frauen

Washington (rpo). Mit Teresa Heinz hat John Kerry im Wahlkampf eine kritische Begleiterin, die auch öffentlich ungern ein Blatt vor den Mund nimmt und ihre ganz spezielle Art von Humor hat. Über den Kandidaten für das Vizepräsidentenamt sagte sie kürzlich: "Ich muss sagen, dass John Edwards sehr schön ist. Doch es gibt noch mehr Frauen, die auf der Seite des Herausforderers stehen.

Die Töchter von Kerry und Bush im Wahlkampf
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Foto: AP

Sie würde zweifellos eine überaus selbstbewusste First Lady abgeben: Teresa Heinz Kerry, die Frau von John Kerry, ist für ihren unabhängigen Geist und ihre unverblümte Ausdrucksweise bekannt. "Wenn eine Frau eine Meinung hat, dann wird sie eigensinnig genannt", moniert die Witwe des Ketchup-Millionärs John Heinz. "Wenn ein Mann eine Meinung hat, gilt er als klug und gut informiert". Die Zeit sei nun reif, die Frauen zu würdigen.

Kurz vor dem Parteitag der oppositionellen Demokraten Ende Juli in Boston, auf dem ihr zweiter Ehemann offiziell zum Präsidentschaftkandidaten gekürt wurde, sorgte Teresa Heinz Kerry mit ihrer unverblümten Art für einen Skandal: Ohne an mögliche Negativ-Schlagzeilen zu denken, fertigte sie den Reporter einer konservativen US-Zeitung mit einem "Leck' mich!" ab. Doch die Parteitags-Teilnehmer waren entzückt vom Auftritt der lebhaften Brünetten im knallroten Kostüm. Mittlerweile werde es niemanden mehr überraschen, "dass ich etwas zu sagen habe", scherzte die 65-Jährige unter dem Gelächter der rund 5000 Delegierten.

In ihrer sehr emotionalen Rede zur besten Sendezeit warb die wortgewandte Multimillionärin nicht nur für ihren Mann, sondern erzählte auch aus ihrem eigenen Leben als Weltbürgerin. Die Tochter eines portugiesischen Arztes in Mosambik studierte Romanistik in Südafrika und ließ sich in Genf zur Dolmetscherin ausbilden. Sie arbeitete dann für eine kurze Zeit als Übersetzerin bei der UNO in New York. Teresa Heinz Kerry wäre die erste First Lady, die nicht in den USA geboren ist.

John Heinz, den Erben der Ketchup-Dynastie und späteren republikanischen Senator, lernte sie Mitte der 60er Jahre in Genf kennen. Das Paar hatte drei Söhne. 1991 kam John Heinz bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Teresa Heinz erbte von ihrem Mann ein Vermögen von mehr als einer halben Milliarde Dollar und übernahm die Leitung der wohltätigen Stiftungen der Heinz-Dynastie. Schwerpunkte hat sie dabei in den vergangenen zwölf Jahren auf den Umweltschutz, die Förderung von Menschen- und Frauenrechten und auf die Stärkung der Gesundheitsfürsorge gelegt. Von der "New York Times" wurde sie als "eine der führenden Philanthropinnen der Nation" gewürdigt.

John Kerry, den Senator aus dem Neuenglandstaat Massachusetts, lernte Teresa Heinz 1992 auf dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro kennen. Der seit 1988 geschiedene Kerry beschrieb seine fünf Jahre ältere Frau in einem Interview der Zeitschrift "Elle" im vergangenen Jahr als "sexy, sehr sexy, bodenständig, europäisch - sie kann mit den Augen sprechen". Das Paar ist seit 1995 verheiratet. Das Schwindel erregende Vermögen seiner Frau darf Kerry allerdings für seine Wahlkampagne größtenteils nicht anzapfen. Das Wahlgesetz untersagt ihm die Nutzung jener Vermögenswerte, die allein auf den Namen des Ehepartners laufen.

Mit Teresa Heinz hat Kerry im Wahlkampf eine kritische Begleiterin, die auch öffentlich ungern ein Blatt vor den Mund nimmt und ihre ganz spezielle Art von Humor hat. Über den Kandidaten für das Vizepräsidentenamt sagte sie kürzlich: "Ich muss sagen, dass John Edwards sehr schön ist." Um hinzuzufügen: "Und mein Mann ist sehr schlau." Während der gemeinsamen Wahlkampfauftritte hängt sie ihrem Mann auch nicht etwa bewundernd an den Lippen, sondern schiebt ihm schon mal einen Stichwortzettel herüber, damit er nichts vergisst.

Mit der früheren First Lady Hillary Clinton lässt sich Teresa Heinz dennoch schwer in einen Topf stecken - denn ihr fehlen eigene politische Ambitionen. Nach dem Tod ihres ersten Mannes lehnte sie es ab, für dessen Nachfolge im Senat zu kandidieren. Zudem fehlt Teresa Heinz auch die Geschmeidigkeit einer Hillary Clinton im Umgang mit den Medien. In einem "Elle"-Interview erzählte sie 2003 etwa von ihren regelmäßigen Behandlungen mit dem Anti-Faltenmittel Botox - und dass sie gern ihre "immer knolliger" werdende Nase operieren lassen würde.

(afp)
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