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Ein Softie spielt den harten Mann: John Boehner pokert im US-Fiskalstreit

Ein Softie spielt den harten Mann : John Boehner pokert im US-Fiskalstreit

Was treibt John Boehner an? Der Republikaner und Gegenspieler von Barack Obama balanciert im Finanzstreit am Abgrund. Riskiert der 63-Jährige die Zahlunhsunfähigkeit der USA? Dies weiß niemand mit Gewissheit. Sicher scheint nur: Der vermeintlich starke Mann der US-Konservativen ist innerparteilich ein Schwächlich. Den Kurs bestimmt die Tea Party.

US-Präsident Barack Obama pocht im Finanzstreit auf ein Nachgeben der Republikaner. Bei einer Pressekonferenz erklärte er aber auch, kurzfristige Übergangslösungen zu akzeptieren. Danach sei er bereit, mit "jedem über alles" zu reden, sagte Obama.

Der republikanische Präsident des Abgeordnetenhauses, John Boehner, winkte allerdings erneut umgehend ab. Eine bedingungslose Kapitulation komme nicht in Frage, antwortete er dem Präsidenten. Die Gespräche müssten "jetzt" beginnen.

Nah am Wasser gebaut

Barack Obama gegen John Boehner — es ist vor allem dieses Duell, die die USA und somit auch die Weltwirtschaft in diesen Wochen in Atem halten. Was treibt Böhner an? Auf diese Frage gibt es mehrere Antworten.

Der 63-Jährige hat eine Eigenart, die Freund und Feind mitunter irritiert. Der Republikanerführer, der sich derzeit mit US-Präsident Barack Obama einen weltweit beachteten Showdown liefert, ist nahe am Wasser gebaut. Wird es feierlich oder menschelt es, muss der stets perfekt gebräunte 63-jährige Kettenraucher schon mal zum Taschentuch greifen und verschämt ein paar Tränen trocknen.

Seine weiche Seite

Auch im politischen Kampf ist der Präsident des Repräsentantenhauses weicher, als es scheint - zumindest was den Umgang mit den radikalen Vertretern der Tea-Party-Bewegung in den eigenen Reihen angeht. Kommentatoren in Washington sind beinahe einhellig der Meinung, dass die Fundamentalisten ihm im gegenwärtigen Finanzstreit wieder mal auf der Nase herumtanzen.

Boehner kennt das nur zu gut. Im dramatischen Streit um die Erhöhung der Schuldengrenze im Sommer 2011 hatte er bereits eine Einigung mit Obama erreicht. Doch dann pfiffen die Tea-Party-Leute ihn zurück - der vermeintlich "starke Mann der Republikaner" musste kleinlaut nachgeben.

Tea Party tanzt ihm auf der Nase herum

Es heißt, Boehner kusche auch gegenwärtig vor der radikalen Fraktion - weil er als Präsident des Abgeordnetenhauses wiedergewählt werden will. Er selbst sagt natürlich, es gehe ihm um die Sache.

Washington-Insider von der "New York Times" und der "Washington Post" verbreiten derzeit, Boehner habe im privaten Kreis bereits signalisiert, dass er die US-Wirtschaft im Schuldenstreit nicht gegen die Wand fahren will. Nach außen hin gibt sich der begeisterte Golfspieler, der seit 40 Jahren verheiratetet ist und zwei Töchter hat, dagegen nach wie vor knallhart.

Aus einfachen Verhältnissen

Der stets makellos gekleidete Boehner stammt aus einfachen Verhältnissen aus Ohio. Er ist das zweite von zwölf Kindern, der Vater hatte im Arbeiterviertel von Cincinnati ein Lokal, in dem der Sohn früh mit anpacken musste. Die Familie hat deutsch-irische Wurzeln. Der junge Boehner besuchte eine katholische Schule, zog später in den Vietnamkrieg, studierte Volkswirtschaft. Er war der erste seiner Familie, der einen Uniabschluss machte.

Später arbeitete er in der freien Wirtschaft, kaufte ein Verpackungsunternehmen auf, wurde Multimillionär. Dann konnte er sich der Politik widmen, 1990 schaffte er den Sprung in die Parlamentskammer. Bereits 2006 war er Mehrheitsführer im Haus, bis die Demokraten die Mehrheit eroberten. Bei den Kongresswahlen 2010 feierte er ein großes Comeback.

Boehner geht hohes Risiko

Mit dem Showdown mit Obama geht Boehner ein hohes Risiko ein. Die meisten Kommentatoren geben ihm verheerende Noten, die Mehrheit der Amerikaner geben den Republikanern die Hauptschuld an der gegenwärtigen Krise. Sollte Bohner die USA tatsächlich in den Staatsbankrott treiben, wird die Kritik mit Sicherheit noch wesentlich schriller. Sollte er in letzter Minute nachgeben, droht ihm die Strafe der Tea-Party-Fraktion.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist John Boehner

(DPA/AFP/RPO/KNA/CSI)