Jerusalem: Tote bei Protesten gegen US-Botschaft in Israel

US-Botschaft in Jerusalem eröffnet: Palästinenser melden mehrere Dutzend Tote bei Protesten

Am Tag der Verlegung der US-Botschaft in Israel nach Jerusalem ist es an der Grenze zum Gaza-Streifen zu Protesten gekommen. Die Palästinenser vermelden mehr als 55 Tote und rund 2800 Verletzte. Israels Luftwaffe fliegt Angriffe auf die Hamas. US-Botschafter David Friedman eröffnete gegen 15 Uhr die neue Botschaft.

Bei den Massenprotesten im Gazastreifen sind am Montag 55 Palästinenser von israelischen Soldaten getötet worden. Das teilte das Gesundheitsministerium in dem Palästinensergebiet mit. Rund 2800 weitere Menschen wurden nach den Angaben verletzt. Die Zahl der seit dem Beginn der Protestwelle im Gazastreifen am 30. März getöteten Palästinenser stieg damit auf 107. Der palästinensische Gesundheitsminister Dschawad Awad warf Israel ein "Massaker an unbewaffneten Demonstranten" vor.Es ist damit der Tag mit den meisten Todesopfern seit dem Gaza-Krieg 2014.

Unter den Toten war auch ein 14-jähriger Junge, wie das Gesundheitsministerium in dem Palästinensergebiet mitteilte.

Viele Menschen wurden durch Schüsse mit scharfer Munition verletzt.

Tausende Palästinenser protestierten im Gazastreifen an mehreren Orten an der Grenze zu Israel gegen die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem. Einige Gruppen näherten sich Steine werfend dem Grenzzaun.

Israel hatte zuvor angekündigt, um jeden Preis jeden Versuch zu vereiteln, die Grenzsicherungsanlagen an seiner Südgrenze zu durchbrechen. Es ist international für seinen Schießbefehl an die Grenztruppen kritisiert worden. Die Regierung hat das mit der Erklärung zurückgewiesen, Israel habe das Recht, seine Grenzen zu verteidigen.

Luftangriffe auf Hamas

Am Nachmittag hat die israelische Luftwaffe einen Angriff auf die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas geflogen. Der Angriff habe sich gegen "fünf terroristische Ziele" in einem militärischen Ausbildungslager der Hamas im Norden des Gazastreifens gerichtet, erklärte die Armee.

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Botschaft offiziell eingeweiht

Gegen 15 Uhr haben die USA dann ihre Botschaft in Jerusalem offiziell eröffnet. "Vor 70 Jahren hat David Ben Gurion die Unabhängigkeit (des Staates Israel) erklärt", sagte US-Botschafter David Friedman in Jerusalem. "70 Jahre später gehen die Vereinigten Staaten endlich den nächsten Schritt." Dieser historische Moment sei "dem Mut einer Person" zu verdanken: US-Präsident Donald Trump. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach auf Facebook ebenfalls von "einem historischen Moment".

Zu der Eröffnung waren rund 800 Gäste erwartet worden. Auch US-Finanzminister Steven Mnuchin, Präsidententochter Ivanka Trump sowie ihr Mann und Trump-Berater Jared Kushner waren eingeladen.

Massenproteste für heute erwartet

Die meisten Bewohner des Gazastreifens sind Nachfahren von Flüchtlingen des Nahost-Kriegs um die Staatsgründung Israels 1948. Die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas hat angegeben, sie rechne mit Zehntausenden Teilnehmern bei einem Marsch an diesem Montag. Mit dem Massenprotest wird auch gegen die Einweihung der neuen US-Botschaft in Jerusalem protestiert.

Israels Armee hat die Zahl ihrer Soldaten an der Grenze verdoppelt. Seit März sind nun knapp 60 palästinensische Demonstranten durch Schüsse des israelischen Militärs getötet worden.

Auch in Ramallah im Westjordanland nahmen rund 5000 Palästinenser an einem Protestmarsch teil. Sie trugen palästinensische und schwarze Flaggen sowie Schlüssel. Damit wiesen sie auf ihre Forderung nach einer Rückkehr in die Gebiete hin, aus denen 1948 im Zuge der israelischen Staatsgründung Hunderttausende Palästinenser flohen oder vertrieben wurden. Demonstranten verbrannten auch eine US-Flagge.

(das/dpa/AP/KNA)