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Jens Stoltenberg soll offenbar neuer Nato-Chef werden

Ehemaliger norwegischer Ministerpräsident : Stoltenberg soll offenbar neuer Nato-Chef werden

Der Nachfolger für Anders Fogh Rasmussen scheint gefunden: Der frühere norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg soll Nato-Generalsekretär werden. Dies wurde am Freitag aus Diplomantenkreisen bekannt.

"Man hat sich auf seine Kandidatur geeinigt", sagte ein Insider. Eine formelle Ankündigung könnte in Kürze folgen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte jüngst aus Diplomatenkreisen erfahren, dass Stoltenberg Favorit sei. Er werde von Deutschland, den USA und Großbritannien unterstützt, hieß es. Stoltenberg war fast zehn Jahre lang Regierungschef seines Landes, bevor er im September die Wahl verlor.

Unterdessen hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die öffentlichen Forderungen nach einer stärkeren Nato-Präsenz in den östlichen Mitgliedstaaten wegen der Krim-Krise kritisiert. Er verstehe nicht, "dass solche Debatten, wie sie jetzt im Nato-Rat in der nächsten Woche stattfinden, über die Öffentlichkeit stattfinden", sagte er am Freitag in Berlin. Er versicherte, dass Deutschland in der Diskussion eine "verantwortungsvolle" Rolle einnehmen werde.

Nato-Gipfel in Brüssel

Am Dienstag und Mittwoch kommen die Nato-Außenminister in Brüssel zusammen, um über Konsequenzen aus der Krim-Krise zu beraten. Die baltischen Staaten, Polen und Rumänien dringen auf eine stärkere Nato-Präsenz im Osten des Bündnisses. Unterstützt werden sie von den USA. Der stellvertretende Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, Ben Rhodes, hatte sich am Donnerstag dafür ausgesprochen, dass die Nato ihre Präsenz im Osten durch eine stärkere Rotation von Militäreinheiten verstärken solle. Auch die Europäer sollten sich daran beteiligen.

Die US-Luftwaffe hat bereits sechs zusätzliche Kampfflieger für die Luftraumüberwachung über dem Baltikum zur Verfügung gestellt. Ab April wollen Großbritannien und Frankreich diese Aufgabe übernehmen und damit Polen entlasten, das eigentlich dafür vorgesehen war. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Freitag nimmt Deutschland bei den Vorbereitungen des Nato-Treffens eine passive und zögerliche Rolle ein und soll als Bedenkenträger auftreten.

In dem Bericht heißt es weiter, dass in der Nato neben der verstärkten Luftraumüberwachung über dem Baltikum über Übungen in Osteuropa und die Entsendung von Schiffen in die östliche Ostsee diskutiert werde. Laut Steinmeier geht es in der gegenwärtigen Debatte aber noch um mehr. "Natürlich sind die Erwartungen mancher Staaten viel weitgehender als das, was die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am heutigen Tage berichtet hat", sagte er.

Zur angeblichen Zurückhaltung Deutschlands sagte der Außenminister: "Ich halte nur überhaupt nichts davon, dass wir noch bevor die Minister die Vorlagen auf dem Tisch haben bereits in ein öffentliches Blame-Game (gegenseitige Vorwürfe), wer mehr oder wer weniger in der Lage zu leisten ist, eintreten." Dazu sei die Lage zu ernst.

(REU/dpa)