Jemen: Unesco verurteilt Angriff auf Altstadt von Sanaa

Friedenskonferenz für den Jemen auf Montag verschoben : Unesco verurteilt Angriff auf Altstadt von Sanaa

Die UN-Kulturorganisation Unesco hat einen mutmaßlichen Luftangriff auf das historische Zentrum der jemenitischen Hauptstadt Sanaa verurteilt.

Sei sei zutiefst erschüttert über die fünf Todesopfer und die Zerstörungen in einem "der ältesten Juwelen" der islamischen Kultur, sagte Unesco-Generaldirektorin Irina Bokova am Freitag in Paris. Die arabische Militärkoalition wies jede Verantwortung für den Angriff zurück. Die geplante Friedenskonferenz für den Jemen wurde auf Montag verschoben.

Fünf Menschen seien in der Altstadt von Sanaa getötet worden, darunter eine Frau und ein Kind, berichteten Ärzte und Augenzeugen. Ein in der Morgendämmerung eingeschlagenes Geschoss explodierte nicht, zerstörte aber drei Häuser im Viertel Kassimi, wie ein AFP-Reporter beobachtete. Laut Anwohnern war es der erste direkte Treffer auf das vor dem elften Jahrhundert errichtete Viertel, das zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.

Unesco-Generaldirektorin Bokova erklärte, der Angriff werde die humanitäre Lage weiter verschlimmern. "Ich wiederhole meinen Appell an alle Parteien, das Kulturerbe im Jemen zu respektieren und zu schützen." Der Sprecher der arabischen Militärallianz, General Ahmed al-Assiri, wies Berichte zurück, wonach Kampfjets der Koalition für den Angriff verantwortlich seien. "Wir wissen, dass diese Stätten sehr wichtig sind", sagte al-Assiri. "Wir haben mit Sicherheit innerhalb der Stadt keine Operation gestartet." Die Piloten hätten die Anweisung, keine zivilen Ziele anzugreifen.

Al-Assiri äußerte die Vermutung, dass die Zerstörung auf Waffen- und Munitionsverstecke in dem Viertel zurückzuführen sein könnte. In einem derartigen Lager habe es vor einigen Tagen eine Explosion gegeben, ähnlich könne es sich auch in diesem Fall verhalten haben. Anwohner machten widersprüchliche Angaben darüber, ob Rebellen eines der getroffenen Häuser besetzt hatten.

Die Unesco hat die Altstadt von Sanaa 1986 auf ihre Welterbeliste genommen. Sie liegt in 2200 Metern Höhe in einem Bergtal und war eines der größten Zentren für die Ausbreitung des Islams. Zur historischen Altstadt Sanaas zählen mehr als 6000 meist mehrgeschossige Häuser, die vor dem elften Jahrhundert errichtet wurden.

Im Jemen liefern sich schiitische Huthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Armeeeinheiten seit Wochen heftige Kämpfe mit den Truppen und Milizen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi, der nach Saudi-Arabien geflohen ist. Ende März startete die arabische Allianz Luftangriffe gegen die Huthi-Miliz, um ihren Vormarsch zu stoppen und Hadi an die Macht zurückzubringen. Seit dem Beginn der Kämpfe Mitte März wurden nach jüngsten Angaben der UNO fast 2600 Menschen getötet und mehr als 11.000 weitere verletzt.

Am Montag finden in Genf unter UN-Vermittlung Verhandlungen über die Beilegung des Konflikts im Jemen statt. Die ersten Friedensgespräche seit Beginn der arabischen Militärintervention waren ursprünglich für Sonntag geplant. Da eine der beiden Delegationen aber erst am Sonntagabend in der Schweiz landen werde, sei das Treffen verschoben worden, teilte die UNO am Freitag mit. An den Verhandlungen sollen 14 Jemeniten teilnehmen - sieben von jeder Seite.

Die aus dem Norden des Jemen stammende Huthi-Miliz, die seit Jahren mit der Zentralregierung verfeindet ist, hatte im Januar die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht und war anschließend weiter nach Süden vorgestoßen. Als sie sich der Hafenstadt Aden näherte, floh Hadi nach Saudi-Arabien und bat dort um Unterstützung. Das Königreich startete daraufhin mit anderen arabischen Staaten Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten.

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(AFP)