Jemen: Kämpfe in Aden halten an - mindestens 30 neue Todesopfer

Bürgerkrieg in Jemen: Kämpfe in Aden halten an - 30 neue Todesopfer

In der südjemenitischen Hafenstadt Aden sind bei anhaltenden Kämpfen seit Sonntag mindestens 30 Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern seien 13 Zivilisten, elf Rebellen und sechs Anhänger des verjagten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi, verlautete am Montag von Ärzten und aus Militärquellen.

Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition bombardierte Straßensperren und Stellungen der schiitischen Huthi-Miliz und den Präsidentenpalast in Aden, in dem Hadi bis zur Flucht nach Riad wohnte.

Im Jemen bekämpfen sich Hadi-treue Milizen und Huthi-Rebellen sowie die mit ihnen verbündeten Anhänger des früheren Machthabers Ali Abdallah Saleh. Auch aus der südlichen Provinz Schabwa wurden am Montag Luftangriffe auf Huthi-Stellungen gemeldet. In der Küstenstadt Naschima übernahmen sunnitische Stammeskämpfer eine Militärbasis.

Ein Einwohner von Aden berichtete von einem "massiven Exodus" von Familien aus der Hafenstadt. Schulen, Universitäten und Unternehmen seien geschlossen, viele Angestellte seien entlassen worden, weil sie nicht mehr bezahlt werden könnten. Nach Angaben von Hilfsorganisationen fehlt es der verbliebenen Bevölkerung an allem, vorwiegend aber an Nahrung.

Ärzte ohne Grenzen bringen Hilfsgüter

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Ein Flugzeug von Ärzte ohne Grenzen brachte am Montag 15 Tonnen Medikamente und medizinische Versorgung in die Hauptstadt Sanaa. Diese sollen im Land verteilt werden, teilte Missionsleiterin Marie-Elisabeth Ingres mit. Vergangene Woche brachte die Hilfsorganisation schon ein Ärzteteam per Boot nach Aden, das dort 650 Menschen behandelte. Die Seeroute von Dschibuti solle ausgebaut werden, um mehr Hilfe in die umkämpfte Hafenstadt zu bringen, sagte Ingres weiter.

In Riad wurde derweil Jemens Ministerpräsident Chaled Bahah als Vizepräsident vereidigt. Die Zeremonie in der jemenitischen Botschaft in der saudi-arabischen Hauptstadt leitete Präsident Hadi. Bahah gilt als Mann des Ausgleichs. Dass er nun Hadi auch als Stellvertreter zur Seite steht, wurde von den Ländern des Golf-Kooperationsrates begrüßt.

Der deutsche Außenamtssprecher Martin Schäfer sagte, das Auswärtige Amt gehe davon aus, dass es rund hundert deutsche Bürger im Jemen gab. Davon seien etwa 50 in den vergangenen Tagen in Sicherheit gebracht worden. Das Ministerium setze sich mit seinen Partnern und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) dafür ein, dass Deutsche, die das Land verlassen wollten, dies so schnell wie möglich tun könnten, sagte Schäfer in Berlin.

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(AFP)
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