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Opposition in Kuba: Jeden Sonntag stören die "Damen in Weiß"

Opposition in Kuba : Jeden Sonntag stören die "Damen in Weiß"

Sie sind mutig, tragen weiße Kleidung und rufen jeden Sonntag in aller Öffentlichkeit nach "Freiheit". Die "Damen in Weiß" sind die einzige geduldete Oppositionsbewegung Kubas. Am Sonntag überspannten sie jedoch den Bogen und wurden festgenommen

Die kubanischen Sicherheitsbehörden haben rund hundert Teilnehmerinnen einer regierungskritischen Demonstration in der Hauptstadt Havanna festgenommen. Die oppositionellen "Damen in Weiß" hatten "Freiheit! Freiheit!" skandiert und ließen sich widerstandslos festnehmen, als Polizisten und Zivilbeamte sie in Bussen wegbrachten.

Ungefähr genauso viele Regierungsanhänger feierten den Abtransport der Demonstrantinnen mit Sprechchören, in denen sie Staatschef Raúl Castro und seinen Bruder, den kubanischen Revolutionsführer Fidel, hochleben ließen.

Die "Damen in Weiß" sind die einzige Oppositionsbewegung Kubas, deren Demonstrationen von der Regierung geduldet werden. Festnahmen sind daher selten. Die im Jahr 2003 von Ehefrauen und Angehörigen politischer Gefangener gegründete Gruppe marschiert jeden Sonntag nach einer gemeinsamen Kirchenmesse mit Erlaubnis der kommunistischen Regierung durch Havanna. Vor ihrer Festnahme waren die Frauen allerdings diesmal von der üblichen Oppositionsroute abgewichen.

"Die 'Damen in Weiß' wachsen und bauen ihren gesellschaftlichen Rückzug aus", sagte der Dissident Manuel Cuesta Morua. Das sei "sehr gefährlich für die Legitimität" der Regierung. Der Regierungskritiker Guillermo Fariñas bestätigte diese Einschätzung und sprach ebenfalls von einer offensichtlichen Abschreckungsaktion.

Der Marsch am Sonntag fiel zeitlich zusammen mit dem 20. Jahrestag eines Fluchtversuchs mit einem tödlichem Ende: 1994 hatten 37 Menschen versucht, Kuba mit einem Boot zu verlassen. Ihr Gefährt wurde jedoch von vier kubanischen Booten abgefangen und sank nach Angaben von Augenzeugen, nachdem es gezielt gerammt und mit einem Wasserwerfer beschossen worden war.

Alle Insassen starben, darunter zehn Kinder. Während die Angehörigen Kubas Staatsführung verantwortlich machten, sprach diese von einem Unfall.

Hier geht es zur Bilderstrecke: In Kuba demonstrieren "Damen in Weiß"

(DEU)