Jaques Chirac ist tot: Ex-Präsident aus Frankreich stirbt mit 86 Jahren

Ehemaliger französischer Präsident : Jacques Chirac ist tot

Der ehemalige französische Staatspräsident Jacques Chirac ist tot. Das bestätigte sein Schwiegersohn am Donnerstag. Chirac sei am Morgen im Kreis seiner Angehörigen gestorben.

Der frühere französische Staatschef Jacques Chirac ist tot. Der konservative Politiker sei am Donnerstag im Alter von 86 Jahren gestorben, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Chiracs Schwiegersohn Frédéric Salat-Baroux. In der französischen Nationalversammlung - sie ist das Unterhaus des Parlaments - kündigte Präsident Richard Ferrand den Tod Chiracs an. Danach gab es eine Schweigeminute.

Chirac prägte die französische Politik über vier Jahrzehnte mit und zog von 1995 bis 2007 als Staatschef die Fäden im Élyséepalast.

Der konservative Politiker litt seit längerer Zeit unter schweren Gedächtnisproblemen und trat kaum noch in der Öffentlichkeit auf. Noch während seiner Amtszeit hatte er 2005 einen Schlaganfall.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte den verstorbenen früheren französischen Präsidenten als "herausragenden Partner und Freund" gewürdigt. "Ich trauere mit seiner Familie und mit dem französischen Volk um einen großen Staatsmann und Europäer", erklärte Merkel nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag in Berlin.

Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) würdigte die Verdienste von Chirac um die deutsch-französischen Beziehungen. "Jacques Chirac war ein wichtiger Präsident", sagte Laschet, der auch Bevollmächtigter der Bundesrepublik für die kulturellen Beziehungen zu Frankreich ist, am Donnerstag vor Journalisten in Düsseldorf. Dies gelte "auch für die deutsch-französischen Beziehungen".

Der frühere französische Staatschef François Hollande, der von 2012 bis 2017 im Élyséepalast regierte, twitterte: „Er war ein Kämpfer. Die Franzosen, gleich welcher Auffassung, verlieren heute einen Staatsmann, aber auch einen Freund“, schrieb der Sozialist. Zwischen Chirac und Hollande regierte der konservative Nicolas Sarkozy (2007 bis 2012).

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker reagierte auf die Nachricht über den Tod des ehemaligen Staatschefs. Der Präsident verliere einen engen persönlichen Freund, sagte Junckers Sprecherin Mina Andreeva am Donnerstag in Brüssel. „Der Präsident findet keine Worte, seine Trauer auszudrücken“, sagte sie. Chiracs politisches Erbe für Frankreich und Europa werde ewig Bestand haben.

Chirac war für seine Leutseligkeit bekannt, galt zugleich aber als harter Machtpolitiker. International blieb er mit seinem Protest gegen den amerikanischen Irakkrieg in Erinnerung. An der Seite von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) stemmte er sich gegen die Angriffspläne von US-Präsident George W. Bush.

Als erster französischer Staatschef erkannte Chirac die Mitschuld seines Landes an der Verfolgung der Juden während der deutschen Besatzungszeit an.

Front-National-Chef Jean-Marie Le Pen bescherte ihm 2002 eine Wiederwahl mit 82 Prozent der Stimmen - weil der Rechtsextreme zum Schock vieler Franzosen in die Stichwahl um das Präsidentenamt einzog, stimmten auch Linke zähneknirschend für Chirac. Zu den Tiefpunkten seiner Karriere gehörte das Nein der Franzosen im Referendum über die geplante EU-Verfassung 2005.

Der 1932 in Paris geborene Chirac absolvierte die Elite-Hochschule ENA und kämpfte im Algerien-Krieg. Seine innenpolitische Karriere begann er an der Seite des früheren Staatspräsidenten Georges Pompidou. Später wurde er zweimal Premierminister, zudem lenkte er als Bürgermeister von Paris 18 Jahre lang die Geschicke der Hauptstadt.

Diese Zeit holte ihn nach seinen Jahren im Élyséepalast ein: Als erster französischer Ex-Präsident nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er strafrechtlich verurteilt, zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen Untreue und Unterschlagung öffentlicher Gelder. Vom Rathaus bezahlte Mitarbeiter hatten in Wahrheit für Chiracs Partei gearbeitet.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Jacques Chirac - Bilder seiner Karriere

(zim/AFP/dpa)