Historischer Machtwechsel steht bevor Japans Kennedy auf dem Weg zur Macht

Tokio (RPO). Yukio Hatoyama stammt aus einer alteingesessenen Politiker-Dynastie, die oft mit den berühmten Kennedys in den USA verglichen wird. Sein Großvater war japanischer Regierungschef, sein Vater Außenminister, sein Bruder Innenminister. Bei den Neuwahlen am Sonntag könnte der 62-jährige Oppositionsführer die Familientradition fortsetzen.

In Umfragen liegt seine Demokratische Partei (DPJ) vor der Liberaldemokratischen Partei (LDP) von Ministerpräsident Taro Aso - und hat damit die Chance, die seit Jahrzehnten praktisch ununterbrochen regierende LDP von der Macht zu verdrängen.

Wie Aso und viele andere japanische Spitzenpolitiker stammt Hatoyama aus einer Familie, in der schon seit Generationen Politik gemacht wird. Die Hatoyamas sind zudem sehr reich: Während ein Großvater Hatoyamas in den 50er Jahren Ministerpräsident war, gründete der andere den Reifenkonzern Bridgestone.

Mitbegründer der DPJ

Hatoyama selbst absolvierte ein Ingenieurstudium an der Universität Tokio, anschließend promovierte er an der renommierten US-Universität Stanford und lehrte dann Wirtschaftswissenschaften an der Senshu-Universität in Tokio.

Gemäß der Familien-Tradition ging auch Yukio Hatoyama in die Politik: 1986 gewann er erstmals seinen Wahlkreis auf der Insel Hokkaido, seitdem sitzt er als Abgeordneter im japanischen Unterhaus - zunächst für die LDP.

1993 wandte er sich jedoch von der traditionellen Regierungspartei ab und beteiligte sich 1996 an der Gründung der DPJ, die er von 1999 bis 2002 als Parteichef anführte. Danach war Hatoyama als Generalsekretär die rechte Hand seines Vorgängers Ichiro Ozawa, der im Zuge eines Finanzskandals zurücktreten musste. Vor drei Monaten wurde Hatoyama selbst wieder Parteichef.

Unter Hatoyamas Führung brachte die DPJ einen Gesetzentwurf ins Parlament ein, der innerhalb von drei Jahren alle Spenden von Unternehmen und Lobbygruppen an politische Parteien verbieten soll. Im Juni 2009 musste der Oppositionsführer allerdings zugeben, dass sein Büro seit 2005 Spenden falsch abgerechnet hatte. Unter anderem waren Tote als Spender angegeben worden.

Japans wohlhabendster Abgeordneter

Trotzdem führt Japans wohlhabendster Abgeordneter die Umfragen an. Er gibt sich volksnah und betont stets, kein "Erb-Politiker" zu sein. Außer dem Programmieren von Computern pflegt Hatoyama keine extravaganten Hobbys, spielt Tennis, hört gerne klassische Musik und schaut gerne Fußball. In seiner ersten Amtszeit als Parteichef ließ er sich klaglos den Spitznamen "Alien" gefallen. Die Partei verteilte sogar Werbegeschenke, die Hatoyama als glubschäugigen Außerirdischen zeigen - in Anspielung auf seine leicht hervortretenden Augen.

Nachdem die LDP mit Ausnahme von zehn Monaten Anfang der 90er Jahre seit 1955 ununterbrochen in Japan regierte, könnte Hatoyama diese Dauerherrschaft demnächst beenden. Der Oppositionschef, der mit der ehemaligen Schauspielerin und Kochbuch-Autorin Miyuki verheiratet ist und einen Sohn hat, hat versprochen, sich als Ministerpräsident für die einfachen Leute und die Landbevölkerung einzusetzen.

Er will die staatliche Bürokratie eindämmen und die Verschwendung von Steuergeldern verhindern. Sein Ziel sei eine "brüderliche Gesellschaft" und eine "auf Liebe basierende Politik", sagt Hatoyama.

(AFP/csr)
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