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Japans Generalkonsul Kiminori Iwama mahnt mehr Schutz für westliche Technologie an und hofft auf US-Präsident Joe Biden

Japan in Sorge wegen Hongkong und Aufrüstung : „Mit den Chinesen hart verhandeln“

Japans Generalkonsul Kiminori Iwama fordert eine engere Zusammenarbeit der westlichen Demokratien – nicht zuletzt beim Schutz der einheimischen Technologie und wirbt für mehr Freihandel nach dem Ende der Präsidentschaft von Donald Trump.

Herr Iwama, was erwartet sich Japan vom neuen US-Präsidenten Joe Biden?

Iwama Der neue US-Präsident wird vor allem versuchen, die Kluft und Spaltung im eigenen Land zu überwinden. Wir als wichtige Verbündete der USA sind froh, dass Biden anders als sein Vorgänger auf multilaterale Abkommen setzt. Wir hoffen, dass die grundsätzlich engen Beziehungen zwischen Amerika und Japan auf eine neue Grundlage gestellt werden.

Die neue Weltmacht heißt China. Müssen sich die westlichen Demokratien, also die USA, Europa und Japan, enger zusammenschließen, um diese Herausforderung zu meistern?

Iwama Die Länder mit einem gemeinsamen Wertesystem müssen vor allem eng zusammenarbeiten, um verschiedene Herausforderungen wie Klimawandel oder die Corona-Pandemie zu bestehen. Dazu laden wir auch China ein. Aber es gibt auch einige Bereiche, die wir mit den Chinesen hart verhandeln müssen.

Wenn es um Wirtschaftsinteressen geht?

Iwama Nicht nur um Wirtschaftsinteressen. Die japanische Regierung sieht etwa die Vorgänge in Hongkong sowie die Vorgänge im Südchinesischen Meer mit großer Sorge. Auf der anderen Seite müssen wir mit China im Dialog bleiben, wie es etwa der japanische Außenminister mit seinem Kollegen in Peking tut.

Kann es einen Dialog mit China über die Unterdrückung der Demokratie geben?

Iwama Wie gesagt, müssen wir hier im engen Austausch mit Ländern bleiben, die unsere Wertvorstellungen teilen, etwa Australien oder Neuseeland sowie die EU. Wir sollten zugleich den bilateralen Dialog mit China auf verschiedenen Ebenen aufrechterhalten .

Derzeit tobt noch immer ein Wirtschaftskrieg zwischen den USA und China. Können wir uns den in Zeiten der Corona-Pandemie leisten?

Iwama Japan ist ein Land, das für den Freihandel eintritt. 15 Länder aus dem Asien-Pazifik-Raum, darunter auch Japan, China und die Asean-Staaten, haben das Freihandelsabkommen RCEP abgeschlossen. Das ist ein Zeichen gegen Protektionismus und Wirtschaftskrieg.

Müssen wir auch mit den Amerikanern erneut über solche Abkommen verhandeln?

Iwama Japan würde es begrüßen, wenn die USA zu den Multilateralabkommen wie TPP zurückkehren würden. Die japanische Regierung hofft sehr, dass es dort wieder Fortschritte gibt. Auch hinsichtlich China sind nicht nur der Marktzugang und Investitionssicherheit wichtig, sondern auch das Einbeziehen einer unterschiedlichen Rechtsordnung für den Freihandel.

Deutschland und Japan sind seit 160 Jahren verbunden – im Guten wie im Schlechten, wenn man an die Vergangenheit denkt. Könnte die Partnerschaft noch enger sein?

Iwama In Nordrhein-Westfalen arbeiten und wohnen die meisten Japaner, die in Deutschland leben. Düsseldorf ist für viele meiner Landsleute die zweite Heimat geworden. Viele persönliche Freundschaften sind entstanden. Das ist einmalig.

 Kiminori Iwama ist seit März 2020 Generalkonsul Japans in Düsseldorf.
Kiminori Iwama ist seit März 2020 Generalkonsul Japans in Düsseldorf. Foto: Generalkonsulat/Gernralkonsulat

Wo gibt es noch Nachholbedarf?

Iwama Die wirtschaftlichen Beziehungen sind sehr gut. Aber kultureller und sportlicher Austausch sind ebenso wichtig. Japan richtet hoffentlich in diesem Jahr die Olympischen Spiele aus. Hier gibt es viele Möglichkeiten des Austauschs, gerade auch für Nordrhein-Westfalen, die ja auch Olympische Spiele ins Land holen wollen.

Haben die Japaner manchmal ein bisschen Sorge, dass sich die Deutschen mehr um die Chinesen als um sie kümmern?

Iwama Ich sehe die Beziehungen zu Deutschland nicht als Wettbewerb an. Deutschland und Japan sind eine Wertegemeinschaft, und wir profitieren von der Zusammenarbeit in Wirtschaft, Wissenschaft, aber auch Kultur und Sport. Da sehe ich keine Bevorzugung Chinas von deutscher Seite.

Müssen Japan und Deutschland nicht auch technologisch enger zusammenarbeiten, um Cyber-Angriffe und Spionage aus China oder Russland gemeinsam abzuwehren?

Iwama Ich würde hier nicht bestimmte Länder nennen. Aber es ist wichtig, dass sich Deutschland und Japan bei sensiblen Technologien noch besser abstimmen. Das betrifft vor allem die Cyber-Sicherheit, mit der wir unsere Technologien gegen Hackerangriffe von außen besser schützen können.

Japan galt lange als Musterland in der Eindämmung der Pandemie. Jetzt kämpfen Sie auch mit hohen Fallzahlen.

Iwama Die Metropolen Tokio und Düsseldorf haben zur Zeit ungefähr den gleichen Inzidenzwert bei den wöchentlichen Infektionen pro 100.000 Einwohnern. Aber während in Deutschland die Zahlen fallen, steigen sie in Japan scharf an. Auch hier müssen wir viel enger zusammenarbeiten. In Japan beginnen die Impfungen voraussichtlich erst Ende Februar. Ich hoffe, wir können von den deutschen und europäischen Erfahrungen lernen.

Am Sonntag jährt sich zum 160. Mal der Freundschafts- und Handelsvertrag, den Preußen mit dem Kaiserreich Japan 1861 geschlossen hat. Für die offiziellen Vertreter Japans ist das eine Gelegenheit, die vielfältigen Beziehungen zwischen beiden Ländern erneut zu beleben. Gerade auch in Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen, wo die meisten Auslandsjapaner in Deutschland leben.