Erreichung von Klimazielen und Energiesicherheit Japan erlaubt Betrieb von Atomkraftwerken über 60 Jahre hinaus

Tokio · “Für eine kohlenstofffreie Gesellschaft“ - In Ausnahmefällen dürfen Atomkraftwerke in Japan zukünftig länger als 60 Jahre laufen.

 Die Regierung wolle mit den neuen Regelungen „die stabile Stromversorgung gewährleisten“ und gleichzeitig „die Nutzung von CO2-freien Stromressourcen fördern.“

Die Regierung wolle mit den neuen Regelungen „die stabile Stromversorgung gewährleisten“ und gleichzeitig „die Nutzung von CO2-freien Stromressourcen fördern.“

Foto: dpa/Stefan Sauer

Japan hat den Betrieb von Atomkraftwerken auch über eine Laufzeit von mehr 60 Jahren erlaubt. Am Mittwoch verabschiedete das Parlament in Tokio ein Gesetz, das „ein Stromversorgungssystem schafft, um eine kohlenstofffreie Gesellschaft zu erreichen“, wie ein Parlamentssprecher mitteilten. Im Prinzip sehen die neuen Regeln weiterhin eine Altersgrenze von 60 Jahren für Atomkraftwerke vor, allerdings sind Ausnahmen künftig möglich.

Nach dem neuen Gesetz dürfen Betreiber von Atomkraftwerken somit bei der Berechnung der Betriebszeit diejenigen Phasen herausrechnen, in denen der Reaktor aus „unvorhersehbaren“ Gründen abgeschaltet war. Veränderungen in den Sicherheitsrichtlinien oder provisorische gerichtliche Verfügungen zählen etwa zu solchen Gründen.

Um von der Ausnahmeregelung Gebrauch zu machen, benötigen Betreiber jedoch die Genehmigung von Japans Atomsicherheitsbehörde. Das Gesetz umfasst zudem Maßnahmen zu verstärkten Sicherheitsüberprüfungen in älteren Reaktoren.

Die Regierung wolle mit den neuen Regelungen „die stabile Stromversorgung gewährleisten“ und gleichzeitig „die Nutzung von CO2-freien Stromressourcen fördern“, teilte das japanische Wirtschaftsministerium mit.

Der Atomenergie-Sektor in Japan war nach der Atomkatastrophe am Kraftwerk Fukushima im Jahr 2011 zunächst auf Eis gelegt worden. Fukushima war nach einem schweren Erdbeben von einem fast 15 Meter hohen Tsunami getroffen worden. Das Kühlsystem des Kraftwerks fiel aus, in drei der sechs Reaktoren kam es zur Kernschmelze.

Die meisten japanischen Kernreaktoren sind auch heute nicht wieder in Betrieb. Von 33 Kraftwerken sind derzeit neun am Netz, alle im Westen oder Südwesten des rohstoffarmen Landes. Die weltweite Energiekrise und die Erfordernisses des Klimaschutzes haben die Debatte über das Thema in Japan jedoch wieder angestoßen.

(glaw/AFP)