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Krise in der Ukraiine: Janukowitsch will sich an Öffentlichkeit wenden

Krise in der Ukraiine : Janukowitsch will sich an Öffentlichkeit wenden

Bevor sich der entmachtete ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch am Freitagnachmittag erstmals seit seinem Sturz der Öffentlichkeit stellen wollte, hat ein neuer Zwischenfall auf der Krim für zusätzliche Nervosität gesorgt.

Nachdem prorussische Milizen am Donnerstag schon das Parlament und die Regionalregierung auf der autonomen Halbinsel besetzt hatten, drangen in der Nacht zum Freitag Bewaffnete vorübergehend in den Flughafen der Krim-Hauptstadt Simferopol ein.

Etwa 50 Bewaffnete seien kurz in das Gebäude eingedrungen, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine. In den frühen Morgenstunden lief der Betrieb aber wieder normal, wie die Behörden bestätigten. Ein AFP-Reporter beobachtete vor dem Gebäude ein Dutzende Uniformierte mit schwarzen Abzeichen. Auf die Frage nach ihrer Nationalität gaben sie keine Antwort. Auch ein Dutzend prorussische Zivilisten war zugegen. "Wir sind alle Freiwillige und verhindern, dass Faschisten oder Radikale aus dem Westen der Ukraine hier landen", sagte einer von ihnen, der sich als Sprecher der Gruppe ausgab.

Am Donnerstagmorgen hatten prorussische Milizen das Parlament und die Regionalregierung in Simferopol unter ihre Kontrolle gebracht. In der autonomen Teilrepublik der Ukraine leben überwiegend ethnische Russen. Sie fürchten infolge des Umbruchs in Kiew um ihre Autonomierechte. Das von den Moskau-treuen Milizen besetzte Regionalparlament beschloss am Donnerstag, dass am 25. Mai ein Referendum über die "staatliche Souveränität innerhalb der Ukraine" abgehalten werden soll.

Das Streben nach Autonomie der russischsprachigen Krim-Bevölkerung stellt die Ukraine zunehmend vor die Zerreißprobe. Russland hatte am Mittwoch mit einem massiven Militärmanöver auf die Spannungen reagiert und den Schutz für seine in der Krim-Stadt Sewastopol stationierte Schwarzmeerflotte erhöht.

"Die territoriale Integrität des Landes ist bedroht", warnte der ukrainische Übergangsregierungschef Arseni Jazenjuk. Er wurde am Donnerstag vom Parlament in Kiew im Amt bestätigt und soll das Land bis zu den Präsidentschaftswahlen am 25. Mai führen. US-Vizepräsident Joe Biden rief ihn am Donnerstagabend an und sichert Jazenjuk die "vollständige Unterstützung" Washingtons zu, wie das Weiße Haus in der Nacht zum Freitag mitteilte.

Der ukrainische Interimspräsident Alexander Turtschinow forderte von Russland, alle Militäreinheiten auf der Krim in ihren Stützpunkten zu lassen. "Jede Truppenbewegung wird als militärische Aggression gewertet." Die NATO warnte vor einer Eskalation. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und sein US-Kollege John Kerry riefen Russland von Washington aus zu einer konstruktiven Rolle bei der Stabilisierung der Ukraine auf.

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Janukowitsch, der am Samstag nach seiner Entmachtung aus Kiew geflohen war und nach dem in der Ukraine gefahndet wird, wollte am Freitagnachmittag (14.00 Uhr MEZ) in der westrussischen Stadt Rostow am Don eine Pressekonferenz geben. Das meldeten russische Nachrichtenagenturen.

Vitali Klitschko, einer der Anführer der monatelangen proeuropäischen Protestbewegung und designierter Kandidat für die Präsidentschaftswahl im Mai, machte Russlands Präsident Wladimir Putin wegen der Aufnahme Janukowitschs schwere Vorwürfe. "Es ist eine Provokation für jeden Ukrainer, dass Putin diesem blutigen Diktator Zuflucht gewährt", sagte Klitschko der "Bild"-Zeitung (Freitagsausgabe). Die geplante Pressekonferenz Janukowitschs sei "absurd". "Janukowitsch ist verantwortlich für den Einsatz von Scharfschützen gegen friedliche Demonstranten, er hat Menschen ermorden lassen. Er muss sofort vor ein Gericht gestellt werden."

(AFP)