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Janis Varoufakis — wie Mr. Spock mit Rockerkutte

Das Netz feiert den griechischen Finanzminister : Janis Varoufakis — wie Mr. Spock mit Rockerkutte

Er hat tatsächlich etwas von der Kultfigur Mr. Spock aus Startrek. Der griechische Finanzminister Janis Varoufakis fasziniert Medien, Politik und insbesondere das Netz. Dort wird er bereits als Pop-Ikone gefeiert. Noch mehr als Regierungschef Tsipras verkörpert er das neue Griechenland.

Die neue linke Regierung in Athen steht für den Bruch mit allen Konventionen. Vorneweg der Finanzminister. Das Sparpaket — aufgekündigt. Höfliche Sprache der Diplomatie — nicht mit Varoufakis. Statt mit der Minister-Limousine kommt Varoufakis mit dem Motorrad. Und statt eines klassischer Anzugs trägt er zum Designerhemd einen halblangen Ledermantel, gelegentlich mit einem Rucksack über der Schulter, meistens eine Hand in der Hosentasche. Für die Anreise wählt der parteilose Politiker die Economy-Klasse im Linienflieger.

Wie ein Rocker mit Hirn

Das neue Auftreten der Griechen versinnbildlicht Rebellion auf allen Ebenen. Mit Lederkluft und Motorrad wirkt Varoufakis wie ein Rocker mit Hirn. In Athen wird der Finanzminister längst gefeiert wie ein Popstar. Seit seiner Roadshow quer durch Europa auch darüber hinaus. Dem Netz dient er bereits als neue Ikone, fast wie ein Che Guevara der Neuzeit.

Zahllose Fotomontagen feiern ihn in sozialen Netzwerken als Superheld oder auch Superschurke, wahlweise als Bruce Willis, Terminator, Superman oder aber auch Walter White aus "Breaking Bad" und Lord Voldemort. "Wie tief kann man sinken", kommentierte Varoufakis auf Twitter den Vergleich mit dem Bösewicht aus den Romanen mit Harry Potter.

Schon in den vergangenen Jahren hatte er sich scharfsinnig und überaus kritisch über die Sparpolitik geäußert, damals aber noch als Intellektueller und Professor für Ökonomie. Er lehrte bereits in Sydney, Glasgow und zuletzt an der Universität von Texas in Austin. Sein Ego wird von Weggefährten als riesengroß beschrieben. Varoufakis habe eine scharfe Zunge und provoziere gern.

Was er in Gesprächen mit Europas Spitzenpolitkern bereits mehrfach unter Beweis stellte. Mit seinen Sprüchen macht er Schlagzeilen - etwa:

"Wenn es in Griechenland kein Wirtschaftswachstum gibt, werden die Kreditgeber keinen Cent sehen."

"Ich bin Finanzminister eines bankrotten Staates."

"Die Zeiten endlosen Konsumierens sind vorbei. Wohlstand bedeutet nicht, wenn viele Luxusautos auf den Straßen fahren."

Bisheriger Höhepunkt der Konfrontation war vermutlich das Treffen mit seinem Gegenpart in der Euro-Debatte, Wolfgang Schäuble, am vergangenen Donnerstag. Auf der einen Seite der coole Pop-Politiker mit den revolutionären Plänen, auf der anderen Seite der deutsche Konservative. Ihre Ansichten: unvereinbar.

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Was aber die Euro-Staaten hoffen lässt, ist der Eindruck, dass Varoufakis nicht aus Selbstzweck aufbegehrt. Der Mann kann — ganz wie sein Doppelgänger Mr. Spock — logisch denken und zeigt sich offen für Argumente. "Hören Sie sich an, was wir zu sagen haben, und lassen Sie uns dann unvoreingenommen darüber diskutieren", forderte er in einem Interview mit der "Zeit" von seinen europäischen Gesprächspartnern.

Faszination des Schreckens

Ist es in Brüssel und anderen Hauptstädten wohl eher die Faszination des Schreckens, die Varoufakis umgibt, so schlägt ihm aus mehreren Zeitungen im Ausland unverhohlene Begeisterung entgegen. Eine Zeitung aus Italien fand ihn "faszinierend und sexy", ein französisches Männermagazin jubilierte über den "erotischsten Glatzkopf" aller Zeiten, notierte unlängst die "Welt" in einer Übersicht.

Allerdings bleibt ungewiss, ob Varoufakis seinen Status als griechischer Che auch auf Dauer bewahren kann. Bei seiner Tour durch die europäischen Hauptstädte holte er sich überall eine blutige Nase. "Willkommen im rasantesten Crashkurs der Welt", bilanzierte am Montag die "Süddeutsche Zeiutung". Tsipras und Varoufakis müssten sich fühlen, als seien sie einmal durch die Waschmaschien gedreht und danach zum Trocknen auf die Leine gehängt.

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(pst)