Jahrestag an Zaun: Ein Toter bei Protesten im Gazastreifen

Grenze zu Israel : Zwei Tote bei Protesten im Gazastreifen

Rund 40.000 Palästinenser haben sich nach Angaben des israelischen Militärs für eine Massenkundgebung zum Jahrestag des Beginns von wöchentlichen Demonstrationen versammelt. Es gibt wieder Gewalt und mindestens zwei Tote.

Zehntausende Palästinenser haben sich zum ersten Jahrestag des Beginns von wöchentlichen Demonstrationen im Gazastreifen nahe der Grenze zu Israel versammelt. Israelische Soldaten schossen auf Aktivisten, die sich am Samstag dem Grenzzaun näherten. Mindestens zwei palästinensische Teenager wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums des Gazastreifens durch Schüsse getötet. Eine 17-jährige Person sei in der Stadt Chan Junis in die Brust geschossen worden, teilte das Ministerium mit. Sie sei im Krankenhaus gestorben. Zuvor war ein 17-Jähriger in Gaza-Stadt erschossen worden. 64 Demonstranten seien durch Schüsse verletzt worden.

Das israelische Militär schätzte, dass 40 000 Palästinenser an den Protesten teilnahmen. „Die Randalierer werfen Steine und setzen Reifen in Brand“, teilte das Militär mit. „Darüber hinaus sind mehrere Granaten und Sprengsätze auf den Sicherheitszaun zum Gazastreifen geworfen worden.“

Die Hamas hatte zu einer großen Beteiligung an den Protesten aufgerufen. Dutzende Demonstranten näherten sich dem Zaun, entrollten palästinensische Flaggen und warfen Steine und Sprengsätze auf israelische Soldaten in der Nähe. Die israelischen Soldaten setzten Tränengas ein und schossen scharf, um die Demonstranten zu vertreiben.

Die Hamas-Regierung im Gazastreifen hatte angekündigt, Demonstranten auf sicheren Abstand zum Zaun zu halten. Ägyptische Vermittler hatten vor, ein Waffenstillstandsabkommen umzusetzen, das die Blockade des Gazastreifens durch Israel und Ägypten lockern könnte. Dutzende Freiwillige in Neonwesten wurden eingesetzt, um Demonstranten zurückzuhalten.

Als Teil des vorgeschlagenen Abkommens sollten sich Demonstranten im Gazastreifen am Samstag vom Zaun fernhalten, wie Palästinenser sagten, die mit den Verhandlungen vertraut sind. Israelische Soldaten sollten sich zurückhalten. Unter dem ägyptischen Vorhaben soll Israel wirtschaftliche Anreize für den Gazastreifen im Gegenzug für Ruhe präsentieren.

Die Protestorganisatoren kündigten an, dass die wöchentlichen Proteste weitergehen würden. Das Protestkomitee rief Palästinenser auf, am Freitag einen neuen Protest am Grenzzaun zu veranstalten. Der Hamas-Funktionär Chalil al-Hajja sagte, „wir werden unsere Märsche fortsetzen bis alle unsere Ziele erreicht sind“.

Die Proteste richten sich gegen die Blockade des Gazastreifens, die nach der Einnahme des Territoriums durch die radikalislamische Hamas 2007 eingeführt wurde. Die Blockade hat sich stark ungünstig auf die Wirtschaft des Gazastreifens ausgewirkt.

Die wöchentlichen Märsche an der Grenze endeten regelmäßig in Auseinandersetzungen. Einige palästinensische Demonstranten verbrannten Reifen und warfen Brandbomben. Israelische Soldaten schossen scharf und setzten Tränengas ein.

Nach Angaben einer Aktivistengruppe im Gazastreifen und einer Zählung der Nachrichtenagentur AP wurden im vergangenen Jahr 196 Palästinenser bei den Demonstrationen getötet, darunter 41 Minderjährige. Tausende wurden durch Schüsse verletzt. Ein Mitglied des israelischen Militärs wurde ebenfalls im Zusammenhang mit den Protesten getötet.

Das israelische Militär tötete am Samstagmorgen nach Angaben des Gesundheitsministeriums des Gazastreifens vor den Protesten zum Jahrestag einen 21-jährigen Palästinenser östlich von Gaza-Stadt in der Nähe des Grenzzauns. Er sei von Geschosssplittern am Kopf erfasst worden. Ein israelischer Militärsprecher sagte, rund 200 Palästinenser hätten „während der Nacht entlang des Zauns Randale gemacht“. Das Militär habe Mittel zur Auflösung von Unruhen gegen sie verwendet. Er machte zum Fall des Palästinensers keine Angaben.

(lukra/dpa)