Italien Ohne Mario Draghi droht das Chaos

Analyse · In Italien steht die Wahl des Staatsoberhaupts bevor. Sie könnte in eine institutionelle Krise führen. Aussichtsreichster Kandidat ist wohl der jetzige Regierungschef. Bloß: Wer folgt ihm, sollte er gewählt werden?

 Italiens Premierminister Mario Draghi (Archivbild).

Italiens Premierminister Mario Draghi (Archivbild).

Foto: AP/Fabio Frustaci

Gerade noch waren er und seine Politik in Italien in aller Munde. Mario Draghi amtiert seit Februar als Ministerpräsident. Das Land liegt ihm zwar nicht zu Füßen. Aber die von Pandemie und Medien verängstigten Italiener sind in der großen Mehrheit ausgesprochen dankbar darüber, dass in dieser schwierigen Phase jemand wie der ehemalige Chef der Europäischen Zentralbank mit ruhiger Hand das römische Politik-Chaos führt. Draghi gilt mit seinem internationalen Ansehen auch als wichtiger Bezugspunkt in der Europäischen Union. Manchmal wurde er angesichts des bevorstehenden Amts­endes von Bundeskanzlerin Angela Merkel sogar zum neuen Ansprechpartner Europas in der Welt stilisiert. Draghi bleibt der Dreh- und Angel­punkt der Machtkalküls der Parteien in Rom. Und gleichzeitig ist der 74-jährige Ministerpräsident den undurchsichtigen Gesetzen der römischen Hinterzimmer ausgeliefert.