Istanbul: Türkisches Gericht verhängt U-Haft gegen 14 Anwälte

Mutmaßlicher Terrorverdacht : Türkisches Gericht verhängt U-Haft gegen 14 Anwälte

Ein Gericht in Istanbul hat Untersuchungshaft gegen 14 Juristen erlassen. Die Anwälte von zwei hungerstreikenden Akademikern sollen unter Terrorverdacht stehen.

Ihnen werde Mitgliedschaft beziehungsweise Gründung und Leitung der linksextremistischen Terrororganisation DHKP-C vorgeworfen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag. Zwei weitere Anwälte seien unter Auflagen freigelassen worden.

Die regierungskritische Zeitung "Cumhuriyet" berichtete, die insgesamt 16 Anwälte gehörten zum "Rechtsbüro des Volkes", das die Dozentin Nuriye Gülmen und den Lehrer Semih Özakca vertrete, die mit einem seit Monaten andauernden Hungerstreik gegen ihre Entlassung aus dem Staatsdienst protestieren.

Gülmen und Özakca waren am 9. März aus Protest gegen ihre Entlassungen aus dem Staatsdienst in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. Ende Mai wurden die beiden wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation verhaftet. Sie nehmen nur Wasser, Zucker, Salz und Vitamin B zu sich und hatten angekündigt, die Aktion fortzusetzen, bis sie ihre Arbeit zurückerhalten. Zahlreiche türkische Künstler und Intellektuelle haben sich dafür eingesetzt, dass die Akademiker freigelassen werden und ihre Posten zurückbekommen.

Nach der Verhängung des Ausnahmezustands im Juli vergangenen Jahres wurden in der Türkei Regierungsangaben zufolge rund 150.000 Staatsbedienstete suspendiert oder entlassen. Im Justizwesen wurden über 3800 Richter und Staatsanwälte ihres Amtes enthoben. Das ist mehr als ein Viertel der insgesamt 14.000 Richter und Staatsanwälte im Land. Mehrere Anwälte wurden unter Terrorverdacht inhaftiert. Über die genaue Zahl konnte die türkische Anwaltskammer in Ankara am Donnerstag keine Angaben machen.

(veke)