1. Politik
  2. Ausland

Istanbul: Gewaltsame Zusammenstöße bei Protesten auf Taksim-Platz

Taksim-Platz abgeriegelt : Gewaltsame Zusammenstöße bei Protesten in Istanbul

Mit Wasserwerfern und Tränengas ist die türkische Polizei in Istanbul gegen hunderte Demonstranten vorgegangen, die am Donnerstag trotz eines Verbots auf den symbolträchtigen Taksim-Platz zu gelangen versuchten.

"Hand in Hand gegen den Faschismus", riefen die Demonstranten, die Steine auf die massiv präsenten Sicherheitskräfte warfen. Auch in der Hauptstadt Ankara ging die Polizei gegen hunderte Menschen vor, die zum 1. Mai demonstrieren wollten.

Die Behörden hatten die 1.-Mai-Kundgebung auf dem Istanbuler Taksim-Platz verboten, der im vergangenen Sommer Zentrum landesweiter Proteste war. Am Vormittag griff die Polizei ein, als Gruppen von Demonstranten Absperrungen zu dem Platz zu durchbrechen versuchten, wie ein AFP-Reporter berichtete. In den Straßen rund um den Platz gab es danach weitere Zusammenstöße, bei denen hunderte, teilweise vermummte Demonstranten Steine und Flaschen auf die Beamten warfen.

Der Vereinigung progressistischer Anwälte zufolge wurden mindestens 138 Menschen verletzt und 51 weitere festgenommen. Wie ein AFP-Fotograf berichtete, wurden auch mehrere Journalisten verletzt, die über das Ereignis berichteten. Die Polizei war in Istanbul mit 40.000 Beamten und dutzenden Wasserwerfern und gepanzerten Fahrzeugen im Einsatz. Die Hälfte davon war im Zentrum postiert, um die Straßen und Gassen rund um den Taksim-Platz abzusperren.

Der Taksim-Platz ist zum Symbol der Oppositionsbewegung geworden, seitdem er im vergangenen Sommer Schauplatz von Protesten gegen die geplante Bebauung des angrenzenden Gezi-Parks war. Angesichts des brutalen Vorgehens der Polizei und der unnachgiebigen Haltung der Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan weiteten sich die Proteste rasch zu einer landesweiten Bewegung aus, die sich allgemein gegen die autoritäre und restriktive Politik der islamisch-konservativen Regierung richtete.

Erdogan sagte vergangene Woche, die Demonstranten sollten "die Hoffnung aufgeben", auf den Taksim-Platz zu gelangen. Istanbuls Gouverneur Hüseyin Avni Mutlu begründete am Mittwoch das Verbot damit, dass Geheimdiensterkenntnissen zufolge "illegale Terrorgruppen" Angriffe auf dem Platz planten.

Auch in Ankara ging die Polizei mit Wasserwerfern und Tränengas gegen hunderte Demonstranten vor, die auf dem Kizilay-Platz zum 1. Mai demonstrieren wollten. Der Platz war in der Vergangenheit immer wieder Schauplatz von Protesten gegen die konservativ-islamische Regierung.

Der Oppositionsabgeordnete Mahmut Tanal zeigte sich empört über das gewaltsame Vorgehen der Polizei am Donnerstag. "Demonstrieren am 1. Mai ist ein konstitutionelles Recht überall in der Welt. Wir dürfen demonstrieren, wo immer wir wollen, ohne so viel Polizei und ohne Provokationen der Regierung", sagte der CHP-Abgeordnete, der selbst von der Polizei geschlagen wurde. "Dies ist ein Bild, wie man es nur in Ländern sieht, die von diktatorischen Regimen regiert werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Krawalle in Istanbul

(AFP)