Atommoratorium: Ist es Nordkorea mit der Entspannung ernst?

Atommoratorium : Ist es Nordkorea mit der Entspannung ernst?

Die jüngsten Zugeständnisse Nordkoreas im Streit um sein Atomprogramm sind erwartungsgemäß in der Region mit einer großen Portion Vorsicht begrüßt worden. Zu oft schon sind in dem Konflikt Durchbrüche gemeldet worden, die dann in eine Sackgasse mündeten.

Schon 2005 hatte es bei den sogenannten Sechs-Parteien-Gesprächen eine grundlegende Einigung auf den Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms und die Beseitigung aller Nuklearwaffen gegeben. Doch seitdem hatte es Nordkorea immer wieder auf neue Kraftproben mit der internationalen Gemeinschaft ankommen lassen. Dazu gehörten auch zwei Atomtests und der Start einer Langstreckenrakete. Skepsis und Zuversicht vermischen sich deshalb in den Einschätzungen der Einigung zwischen den USA und Nordkorea über vertrauensbildende Maßnahmen und neue Schritte zur Denuklearisierung.

Experten sind sich einig, dass der Deal ein wichtiger, weil notwendiger Schritt für die Wiederaufnahme von Mehrparteiengesprächen über das nordkoreanische Atomprogramm ist. Doch der Teufel liege im Detail. Die USA, Südkorea und andere Länder wollen von Nordkorea, dass die Versprechen auch umgesetzt werden. Auch die USA sind gefragt, ihren Teil der Einigung zu erfüllen. "Das ist der Beginn zum Wiedereinstieg in die Sechs-Parteien-Gespräche", sagt Park Young Ho vom Korea-Institut für Nationale Vereinigung in Seoul. Doch wie weit ist Nordkorea bereit zu gehen?"Ich denke nicht, dass Nordkorea bis zu der Entscheidung geht, sein Atomprogramm vollständig aufzugeben", meint Park.

Nahrung und Leichtwasserreaktoren im Tausch

Welche Hürden noch im Weg stehen, hätten schon die Unterschiede in den Ankündigungen der USA und Nordkoreas über die Ergebnisse ihrer Verhandlungen in der vergangenen Woche in Peking ahnen lassen. Nordkorea habe außer Nahrungsmittelhilfen erneut die Lieferung von zwei Leichtwasserreaktoren für die Stromversorgung im Visier. Darüber hinaus will Pjöngjang die Aufhebung internationaler Sanktionen gegen das Land bei einer neuen Sechserrunde zur Priorität machen. Die Atomwaffenentwicklung gilt Pjöngjang als eine wichtige Hinterlassenschaft des im Dezember gestorbenen Machthabers Kim Jong Il.

Dessen jüngster Sohn und Nachfolger Kim Jong Un, der noch dabei ist, seine Macht zu konsolidieren, würde nach Ansicht von Beobachtern eine wichtige Trumpfkarte in den Atomverhandlungen aus der Hand geben, wenn er gänzlich auf das umstrittene Programm verzichte.

Erfolg für die USA

Dennoch kann es die US-Regierung im Präsidentenwahljahr als diplomatischen Erfolg verbuchen, Nordkorea die erklärte Aussetzung seines Urananreicherungsprogramms sowie der Nuklear- und Raketentests abgerungen zu haben. Gerade auch die nordkoreanische Entwicklung von Raketen mit großer Reichweite wurde in den vergangenen Jahren von den USA immer stärker als potenzielle Gefahr wahrgenommen. Es wird vermutet, dass das Land dabei ist, seine Raketen- und Atomprogramme zu synchronisieren und die Entwicklung atomarer Gefechtsköpfe für Langstreckenraketen vorantreibt.

Nordkorea soll jetzt im Tausch für seine Moratorien umfassende Lebensmittellieferungen von den USA erhalten. Das ist eine wichtige Hilfe für das Land, das im April den 100. Geburtstag des als Staatsgründer verehrten Kim Il Sung feiern will. Dessen Sohn Kim Jong Il hatte den Bürgern trotz chronischer Nahrungsmittelknappheit den Beginn einer Ära einer "starken und wohlhabenden Nation" versprochen.

Nachfolger Kim Jong Un knüpft an den Kurs seines Vaters an, den dieser zuletzt gesteuert hatte. Kim Jong Il hatte sich mehrfach zu neuen Atomgesprächen mit den USA, China, Südkorea, Russland und Japan bereiterklärt. Dabei war Nordkorea allerdings der Dialog mit den USA wichtiger als die Sechserrunde. Pjöngjang will mit Washington auf Augenhöhe verhandeln - quasi von Atommacht zu Atommacht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kim Jong Un - Nordkoreas junger Machthaber

(dpa)
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