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Reaktion auf Entführung: Israel weitet Offensive im Gazastreifen aus

Reaktion auf Entführung : Israel weitet Offensive im Gazastreifen aus

Jerusalem/Gaza (rpo). Als Reaktion auf einen Raketenbeschuss und die Entführung eines Soldaten durch radikale Palästinenser weitet Israel seine Offensive im Gazastreifen aus. Das Sicherheitskabinett beschloss am Mittwoch eine verlängerte Militäraktion. Knapp ein Jahr nach dem Abzug der israelischen Armee aus dem Autonomiegebiet soll im Norden des Gazastreifens eine Sicherheitszone unter Kontrolle der Armee eingerichtet werden. Die Europäische Union kritisiert das Vorgehen.

Der Militäreinsatz sei gegen die "terroristische Infrastruktur" im Gazastreifen gerichtet und solle die bewaffneten Palästinensergruppen in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken, hieß es in einer Erklärung. Das Sicherheitskabinett ermächtigte die Armee zudem zu weiteren "gezielten Operationen" gegen Extremisten, die Raketen auf Israel abfeuern.

Dem Schutz vor den aus dem Gazastreifen abgefeuerten Kassam-Raketen soll auch die so genannte erweiterte Sicherheitszone dienen, wie ein Minister aus der Runde sagte. Das Gebiet soll nach Informationen des israelischen Rundfunks von der Luftwaffe und Bodentruppen überwacht werden. Im August vergangenen Jahres hatte sich Israel komplett aus dem Gazastreifen zurückgezogen.

Am Dienstag hatte eine Kassam-Rakete eine Schule im Stadtzentrum von Aschkelon getroffen und erhebliche Schäden angerichtet. Verletzt wurde nach israelischen Angaben niemand. Bislang habe noch nie eine Rakete das Stadtzentrum erreicht, sagte eine Armeesprecherin. Die selbst gebauten Geschosse seien meist in einem Industriegebiet im Süden der Stadt gelandet. Diese Rakete sei jedoch mit zwei Antrieben ausgerüstet gewesen und habe daher eine größere Reichweite gehabt.

Olmert sagte, der Terror der Hamas habe mit dem Raketentreffer eine neue Stufe erreicht. Er sprach von einem "sehr schwerwiegenden Vorkommnis" und einer "beispiellosen Eskalation des Terrorismus der Hamas". Vor der Sitzung des Sicherheitskabinetts kündigte Olmert "außergewöhnliche Konsequenzen" an. Der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat bezeichnete die Beschlüsse des israelischen Sicherheitskabinett als weiteren Beitrag zur "Eskalation".

Nach dem Raketentreffer griff die israelische Luftwaffe in der Nacht zum Mittwoch erneut Ziele im Gazastreifen an und zerstörte dabei ein Gebäude mit Büros des Innenministeriums. Im Norden der Stadt Gaza attackierten Kampfflugzeuge eine Privatschule der Hamas. In Rafah im Süden des Autonomiegebietes bombardierten sie ein Ausbildungslager der radikalen Bewegung, die derzeit die Regierung stellt. Im Flüchtlingslager Ein el Sultan bei Jericho im Westjordanland erschossen israelische Soldaten einen palästinensischen Aktivisten, wie aus Palästinenserkreisen verlautete.

Der bewaffnete Arm der Hamas, die Essedin-el-Kassam-Brigaden, drohte Israel mit neuer Gewalt. Jedes "Verbrechen" der Armee im Gazastreifen und im Westjordanland werde neues "Unheil" über Israel bringen. Die Brigaden hatten sich zu dem Raketenbeschuss auf die Schule bekannt; ebenso als eine von drei radikalen Gruppen zu der Verschleppung des israelischen Soldaten Gilad Schalit.

Israels Militäreinsatz sei "unverhältnismäßig" und bestrafe die palästinensische Bevölkerung, sagte Europaministerin Paula Lehtomäki vor dem Europaparlament in Straßburg. Im Namen der EU forderte Lehtomäki zugleich die Hamas auf, das Existenzrecht Israels anzuerkennen, getroffene Vereinbarungen einzuhalten und auf Gewalt zu verzichten. Außerdem müsse sie den verschleppten Soldaten freilassen. Auch EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner mahnte beide Seiten zur Mäßigung.

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(afp)