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Israel: Netanjahu verteilt offenbar Impfstoff an wohlgesonnene Länder

Benjamin Netanjahu : Israels Regierungschef verteilt offenbar Impfstoff an wohlgesonnene Länder

Impfstoff als Belohnung für Verbündete? Der wegen Korruption angeklagte israelische Ministerpräsident Netanjahu sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, ein humanitäres Problem politisch auszuschlachten.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat zugegeben, dass Israel mehreren Ländern für Hilfeleistungen Impfstoffe gegen das Coronavirus gegeben hat. Die Weitergabe sei erfolgt „im Gegenzug für Dinge, wie wir bereits erhalten haben, durch viele Kontakte in diversen Bereichen, die ich hier nicht einzeln aufführen werde“, sagte Netanjahu am Mittwoch. „Ich denke, dass damit absolut Wohlwollen erkauft wird.“

Israel habe „mehr als genug“ Impfstoffe für die israelische Bevölkerung, sagte Netanjahu zu Reportern. Er persönlich habe entschieden, Verbündete mit einer symbolischen Anzahl an Impfstoffdosen zu belohnen.

Der israelische Sender Kan berichtete, etwa 15 Verbündete bekämen insgesamt rund 100.000 Dosen des Impfstoffs von Moderna. Darunter sind demnach Länder, die Jerusalem als Hauptstadt von Israel anerkannt oder in Aussicht gestellt haben, dort diplomatische Vertretungen zu eröffnen. Unter diesen Ländern sind Guatemala, Honduras, Ungarn, Uganda und Tschechien. Auch Länder in Afrika, die starke Sicherheitsbeziehungen zu Israel haben, stehen auf der Liste, unter ihnen Äthiopien und Kenia. Auch der Tschad, der 2019 diplomatische Beziehungen zu Israel aufnahm, wird nach Angaben des Senders bedacht.

Israel ist dafür kritisiert worden, nicht einen größeren Anteil seiner Impfstoffe den Palästinensern gegeben zu haben. Das Land hat 2000 Impfstoffdosen an die Palästinensische Autonomiebehörde gegeben, um Mitarbeiter des Gesundheitswesens im Westjordanland zu impfen. Die Palästinenser beanspruchen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staats.

Der ranghohe palästinensische Beamte Wassel Abu Jussuf warf Netanjahu vor, ein humanitäres Problem politisch auszuschlachten. „Er benutzt die Impfstoffe, die von einigen Ländern benötigt werden, um politische Unterstützung für seine Politik zu bekommen, wie die Verlegung von Botschaften nach Jerusalem“, sagte Abu Jussuf. Netanjahu spreche davon, nur eine kleine Anzahl von Impfstoffen den Palästinensern zu geben.

Der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz, ein Rivale und Regierungspartner von Netanjahu, hat kritisiert, dass der Ministerpräsident die Weitergabe der Impfstoffe im Alleingang beschlossen habe. „Die Tatsache, dass Netanjahu mit Impfstoffen israelischer Bürger handelt, die mit deren Steuergeld bezahlt wurden, ohne jegliche Rechenschaftspflicht, zeigt, dass er denkt, er leite ein Königreich und nicht einen Staat“, sagte Gantz in dieser Woche.

(peng/dpa)