1. Politik
  2. Ausland

Israel: Eine Serie von Messerangriffen schürt die Spannungen

Junges Mädchen getötet : Messerangriffe in Israel schüren Angst vor neuen Unruhen

Eine junge Israelin ist bei einem Messerangriff im Jordanland ums Leben gekommen. Zuvor wurde ein Soldat in Tel Aviv schwer verletzt. In Israel folgt derzeit einer Gewalttat der nächsten. Die Spannungen im Nahen Osten erinnern an die Stimmung vor dem Ausbruch des jüngsten Gaza-Krieges.

Im Westjordanland erstach laut Polizei ein Palästinenser eine junge israelische Frau und verletzte zwei weitere Menschen, bevor er selbst angeschossen und lebensgefährlich verletzt wurde. Zuvor war in Tel Aviv ein israelischer Soldat von einem Angreifer lebensgefährlich verwundet worden. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, Gewalt von Palästinensern und Arabern im Land mit allen Mitteln zu stoppen.

Zunächst hatte die Polizei gemeldet, bei der Messerattacke im Westjordanland sei ein Mädchen getötet worden. Später korrigierte sie die Angaben und teilte mit, es handele sich um eine Frau Mitte zwanzig. Auch sei der Angreifer nicht erschossen, sondern angeschossen, hieß es. Der mutmaßliche Attentäter von Tel Aviv, ein Mann aus dem Westjordanland, wurde den Angaben zufolge nach der Tat festgenommen.

Schon seit Wochen gibt es in Ostjerusalem Krawalle. Mehrfach fuhren Palästinenser mit Autos in Menschenmengen. Am Wochenende kamen Proteste gegen die Tötung eines arabischen Israeli durch die Polizei im Norden des Landes hinzu.

Am Montagmorgen folgte dann zunächst die Messerattacke auf den Soldaten an einer Bahnstation im Zentrum von Tel Aviv. Nach Darstellung der Polizei wurde ein Palästinenser als Tatverdächtiger festgenommen. Er stamme aus der Stadt Nablus und habe sich illegal in Israel aufgehalten. "Er wird derzeit verhört", sagte Polizeisprecher Micky Rosenfeld.

Zu dem Zwischenfall im Westjordanland hieß es, ein Palästinenser sei aus einem Auto gestiegen und habe auf drei Israelis an einer Bushaltestelle in der Nähe der jüdischen Siedlung Alon Schwut eingestochen. Ein Wachmann habe daraufhin auf ihn geschossen.

Regierungschef Netanjahu hatte schon am Wochenende betont, Israel werde Unruhen nicht tolerieren. Unter anderem drohte er damit, allen die Staatsbürgerschaft zu entziehen, die zur Zerstörung Israels aufrufen. Am Montag kündigte er vor Mitgliedern seiner Likud-Partei zudem an, die Häuser von Unruhestiftern niederzureißen.

Palästinensischen Demonstranten in Israel empfahl Netanjahu den Umzug ins Westjordanland oder in den Gazastreifen. "Glaubt mir: Wir werden euch keine Steine in den Weg legen", sagte der Regierungschef.

  • "Tag des Zorns" : Lage in Jerusalem ist explosiv
  • Nahost-Konflikt : Tödlicher Anschlag heizt Krawalle in Jerusalem an
  • Syrische Truppen : Zahlreiche Tote bei Gefechten nahe der Golan-Höhen

Ausgangspunkt der jüngsten Unruhen ist der Streit über den Zugang zum Tempelberg, der sowohl Juden als auch Muslimen heilig ist. Auch am Montag zogen Demonstranten mit Flaggen der radikalislamischen Hamas durch Ostjerusalem.

Doch liegen die Ursachen der Zuspitzung viel tiefer. Im Frühjahr waren monatelange Friedensgespräche zwischen Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde gescheitert, im Sommer führten Israel und die Hamas dann im Gazastreifen 50 Tage lang Krieg gegeneinander.

Schließlich kündigte Israel weitere Wohnungsbauprojekte in Ostjerusalem an. Das stößt auch international auf heftige Kritik, weil sich die Palästinenser Ostjerusalem als Hauptstadt ihres künftigen Staats wünschen und die Bauprojekte den Zugang zum Westjordanland kappen würden.

Am Sonntag entschied die Regierung, israelisches Recht auf jüdische Siedlungen im Westjordanland auszudehnen. Kritiker sehen darin einen Schritt in Richtung hin zu einer De-Facto-Annexion des Westjordanlands, das formal unter Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde steht und Teil des künftigen Staats Palästina werden soll.

(ap)