Israel — ein Reise-Blog

Reise-Blog aus Israel: Normal gibt’s nicht

Vor 50 Jahren nahmen die Bundesrepublik Deutschland und Israel diplomatische Beziehungen auf – Zeit für eine Bilanz. Unser Redakteur Frank Vollmer ist in Israel unterwegs. Seien Sie im Reise-Blog dabei.

Vor 50 Jahren nahmen die Bundesrepublik Deutschland und Israel diplomatische Beziehungen auf — Zeit für eine Bilanz. Unser Redakteur Frank Vollmer ist in Israel unterwegs. Seien Sie im Reise-Blog dabei.

Was unser Redakteur Frank Vollmer in Israel erlebt, können Sie in unserem Reise-Blog nachlesen. Wir aktualisieren diese Seite mit den neuesten Reisebeiträgen.

Montag, der 18. Mai

Wer glaubt, das Symbolische in Jerusalem beschränke sich auf die Religionen, der sollte einmal in die immer noch ziemlich neue Straßenbahn steigen und bis zur westlichen Endstation fahren. Dort kann er entweder den linken Weg nehmen, der etwas den Berg hinabführt — dann kommt er zur Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, die seit 1953 die Erinnerung an die sechs Millionen ermordeten Juden wachhält. Oder er hält sich rechts, geht ein Stück die Hauptstraße entlang, durchquert ein Tor und steigt dann durch einen Garten empor, um schließlich auf einer großen Freifläche anzukommen, die von einem schlichten schwarzen Grabmal dominiert wird. Hier liegt, auf dem nach ihm benannten Berg, Theodor Herzl (1860—1904) begraben. Er begründete den Zionismus, das Streben nach einem jüdischen Nationalstaat in Palästina. Gleich nebenan sind die Gräber der Regierungschefs Levi Eschkol, Golda Meir, Jitzchak Rabin und Jitzchak Schamir.

Der deutsche Adler wacht vor der evangelischen Himmelfahrtkirche und dem Auguste-Victoria-Hospital auf dem Ölberg. Foto: Frank Vollmer

Die Hoffnung der zionistischen Idee und die Katastrophe des Holocaust — das sind die zwei Säulen, auf denen die Identität des Staates Israel bis heute ruht. Das Nebeneinander von Yad Vashem und Herzlberg macht diese enge Verbindung sinnfällig.

Es gibt allerdings in Israel Beobachter, die feststellen, die Shoah habe in Israel mittlerweile eine Bedeutung erreicht, die ungesund sei. Moshe Zimmermann zum Beispiel sagt das, emeritierter Geschichtsprofessor an der Hebrew University in Jerusalem und auch in Deutschland wohlbekannt — sowohl durch seine Forschungstätigkeit als auch durch seine Lust an der Polemik. "Die Shoah ist in Israel das ultimative Argument, wenn andere Argumente nicht mehr funktionieren", konstatiert Zimmermann: "Man könnte fast sagen: Gott sei Dank, dass man die Shoah hat, um eine kollektive Identität zu schaffen." Jeder innen- wie außenpolitische Streit, kritisiert Zimmermann, führe fast unweigerlich zum Shoah-Argument: "Das beendet jede Debatte, hat sich aber insbesondere in der Beziehung zu Deutschland als nützlich erwiesen."

Die Instrumentalisierung des Holocaust, die Zimmermann beobachtet, blockiert nach seiner Meinung auch jede Verhandlungslösung im Nahostkonflikt: "Die Paranoia vor einer neuen Shoah, diesmal durch die Araber, die die Regierung schürt, ist zugleich die beste Ausrede für alle, die keinen Frieden machen wollen." Immer häufiger werde Kritik an Israel mit Antisemitismus gleichgesetzt, und immer öfter sei zu hören, der Antisemitismus weltweit nehme zu. Das aber widerspreche, sagt Zimmermann, der zionistischen Idee: "Der Judenstaat sollte doch die Lösung für das Problem des Antisemitismus sein — je mehr Juden in Israel, desto weniger Antisemitismus anderswo. Das hieße aber, dass sich der Zionismus geirrt hat."

Was heißt das nun alles für Israel und Deutschland? Zimmermann hat auch auf diese Frage natürlich einen sarkastischen Witz parat: "Das Problem wird mit der Zeit immer kleiner. Schon heute glauben 30 Prozent der Israelis, dass Polen und Deutsche Täter im Holocaust waren; nur ein Sechstel weiß, dass auch die Polen Opfer waren. Sie können ganz beruhigt sein: Bald wird die Tatsache vergessen sein, dass Hitler Deutscher war." Aber natürlich lässt sich das deutsch-israelische Verhältnis nach 50 Jahren diplomatischer Beziehungen und 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz nicht in einen Hitler-Witz auflösen; das weiß auch Zimmermann. Der Holocaust könne Israel als Lernvorlage dienen, um den Rassismus gegenüber den Arabern abzubauen, sagt der Historiker, und er könne natürlich zum Abbau von Vorurteilen zwischen beiden Nationen beitragen. Zwar sei "kollektive Erinnerung" nur ein Bild, sagt Zimmermann, weil sich viele Deutsche und viele Israelis heute nicht mehr selbst an den Holocaust erinnern könnten — dennoch könne man darauf aufbauen. "Konstruktive Kontrolle der Metapher" nennt er das.

Das klingt kompliziert. Ist es auch. Aber so ist die Lage. Deutschland und Israel, das bleibt ein im Wortsinn unvergleichliches Verhältnis, das durch ein monströses Verbrechen begründet ist und das durch seine besondere Enge stets in Entfremdung umzuschlagen droht — erst recht im Umgang mit einer israelischen Regierung, die sozusagen ständig im Schützengraben sitzt. "Normalisierung", so viel ist nach zehn Tagen Israel klar, ist nicht nur ein utopisches oder unmoralisches Ziel, es ist überhaupt kein sinnvolles Ziel. Normalisierung ist schlicht ausgeschlossen. Der Judenmord in deutschem Namen bleibt die Grundierung des deutsch-israelischen Miteinanders, weil er die Identität des israelischen Staats und eines Großteils seiner Bürger ausmacht. Auch wenn das vielen glücklicherweise nicht mehr in jedem Moment bewusst ist. Auch wenn junge Israelis fröhlich Witze über Anne Frank reißen. Auch wenn dieselben jungen Leute zu Tausenden nach Deutschland kommen. Auch wenn hier alle über deutschen Fußball reden (Zimmermann ist übrigens HSV-Anhänger und deswegen derzeit ziemlich betrübt). Auch wenn nicht mehr in jedem Streit irgendwann jemand "Hitler" sagt. Und auch wenn es irgendwann keine Täter und keine Überlebenden mehr gibt.

Ein Café gibt es hier oben mittlerweile auch - natürlich heißt es nach der Kaiserin. Foto: Frank Vollmer

Sonntag, 17. Mai

Nächste Woche kommt Jesus, um über seine Hochzeit zu sprechen. Mit Michael Wohlrab, dem evangelischen Pfarrer an der Erlöserkirche in Jerusalem. Wohlrab ist zugleich Leiter des evangelischen Begegnungszentrums der Kaiserin-Auguste-Victoria-Stiftung auf dem Ölberg. Der neoromanische Turm der Himmelfahrtkirche überragt die ganze Stadt; die ganze Anlage ist eine bizarre Ausgeburt der Neoromanik. Wohlrab steht in einer Art Rittersaal, als er von Jesus erzählt; an der Wand prangt Kaiser Friedrich Barbarossa, der Bart ist ihm schon durch den Tisch gewachsen, als Mosaik. Den gigantischen Kamin zieren die Wappen von Kaiser Wilhelm II., seiner Gattin Auguste Victoria und deren zweitem Sohn Eitel Friedrich. Der schlechte Geschmack der Hohenzollern hat es bis in den Nahen Osten geschafft.

In diesem Ambiente also soll die Jesus-Hochzeit stattfinden. Jesus heißt mit bürgerlichem Namen Max Wälti, ist Schweizer Staatsbürger und hält sich für den wiedererschienenen Messias. Michael Wohlrab muss sich noch überlegen, wie er mit diesem speziellen Gast umgehen soll.

Michael Wohlrab ist Pfarrer an der evangelischen Erlöserkirche in Jerusalem und Leiter des Begegnungszentrums auf dem Ölberg. Die Hohenzollern sind dort allgegenwärtig. Foto: Frank Vollmer

Die Sache mit Jesus ist nur eine Episode der an Absurditäten nicht armen Geschichte der Religionen im Heiligen Land. Die evangelische Trutzburg auf dem Ölberg gehört ebenfalls dazu: Zu verdanken hat sie ihre Existenz Kaiser Wilhelm II., der 1898 Palästina besuchte, und zwar offiziell als Pilger — Seine Majestät ritt von Jaffa nach Jerusalem und übernachtete betont bescheiden in einem Zelt. Eine angemessene (soll heißen: beeindruckende) Repräsentanz des Protestantismus in Jerusalem wünschten sich die Hohenzollern aber doch, und da waren das größte Grundstück auf dem Ölberg und der höchste Turm der Stadt (höher vor allem als der der russischen Himmelfahrtskirche nebenan sollte er sein!) gerade gut genug. Auch die größte Glocke des Heiligen Landes läutet hier, gegossen in Apolda in Thüringen und unter größten Strapazen heraufgeschafft vom Mittelmeer.

Liat Elkayam ist eine der Autorinnen der Anthologie "Wir vergessen nicht, wir gehen tanzen". Sie enthält Kurzgeschichten israelischer und deutscher Autoren über das jeweils andere Land. Foto: Frank Vollmer

Machtspielchen leisten sich die Christen in der heiligen Stadt noch heute — regelmäßig kommt es in der Grabeskirche zu Schlägereien zwischen den sechs Konfessionen, die sich das Gebäude teilen müssen. Leisten können sie sich solche Mätzchen eigentlich schon längst nicht mehr: Zwar ist Jerusalems Stadtbild von vielen Kirchen geprägt, aber nur noch ein Prozent der rund 800.000 Bewohner sind Christen, und diese paar Tausend wiederum verteilen sich auf 60 Konfessionen. Pfarrer Michael Wohlrab versucht, aus dieser Not eine Tugend zu machen. Er lässt sich anstecken von der ausgelassenen Osterfreude der Äthiopier, versucht, den Kopten die Frauenordination näherzubringen (seine Frau Ulrike ist ebenfalls Pfarrerin), und ist glücklich, dass die Himmelfahrtskapelle auf dem Ölberg, seit dem 12. Jahrhundert eigentlich eine Moschee, einmal im Jahr, eben an Himmelfahrt, wieder Kirche sein darf. Wohlrab weiß aber auch, dass der Alltag keineswegs nur eine Abfolge inspirierender Begegnungen ist. "Man könnte meinen, Jerusalem sei der ideale Ort für den interreligiösen Dialog", sagt er: "Das stimmt aber nicht. Eine gemeinsame Linie zu finden, ist oft furchtbar schwierig." Nur einmal, da sei es schnell gegangen: 2005, als sich Religionsführer zusammentaten, um eine geplante Schwulenparade zu verurteilen. "Es ist schon traurig, dass uns als Religionen nicht mehr einfällt", sagt Wohlrab, obwohl Protestanten damals gar nicht dabei waren. Zudem wachse der Fundamentalismus sowohl unter Juden als auch unter Muslimen. Da muss dann zum Beispiel das Konzert eines jüdischen Mädchenchors in der evangelischen Himmelfahrtkirche abgesagt werden, weil es Ultraorthodoxen ein Gräuel ist, dass jüdische Mädchen unter dem Kreuz singen.

Die "Pagode", wie die Einheimischen es wegen seiner Form nennen, ist das erste Wohnhaus Tel Avivs mit einem Personenaufzug. Foto: RP/ Frank Vollmer

Trotzdem zieht Wohlrab, dessen Amtszeit in Jerusalem bald endet, ein positives Fazit. Nicht nur für sich selbst ("Jerusalem ist für Theologen wie für Banker die Wall Street"), sondern auch für die Stadt. Zwar lebt ein Drittel der Familien in der Stadt unterhalb der Armutsgrenze. "Aber zugleich haben 90 Prozent der Menschen in Jerusalem gesagt, sie seien glücklich. Das ist der Rekord in Israel. Und das lässt mich hoffen und glauben, dass Jerusalem wirklich die wichtigste Stadt der Welt ist."

Samstag, 16. Mai

Nein, die deutsche Presse und Raphael Ahren werden keine Freunde mehr. Wegen Israel. Oder genauer: wegen des Nahostkonflikts. Der eine Teil der deutschen Medien, sagt der junge Journalist, sei so unkritisch in seiner Berichterstattung, "dass es sich nicht lohnt, sie zu verfolgen — das ist kein Journalismus, das ist Cheerleading." Und der andere Teil wisse nicht, wovon er rede: "Die machen es sehr oft komplett falsch, weil sie Ursache und Wirkung verwechseln."

Eine typische schlechte Israel-Schlagzeile in deutschen Zeitungen gehe so: Subjekt (Israel/die israelische Luftwaffe/die israelische Armee) — Prädikat (greift an/bombardiert o.ä.) — Objekt (Palästinenser/Gaza/palästinensisches Wohngebiet o.ä.). "Da dreht sich mir der Magen um", schimpft Ahren: "Der Kontext, warum Israel diese Gewalt ausübt, kommt frühestens im vierten Absatz: weil die Palästinenser wieder Terror gegen Israel ausgeübt haben und weil Israel sich verteidigt."

Ahren ist in Deutschland geboren und aufgewachsen; er ist Anhänger des 1. FC Köln (in Israel gibt es wirklich alles) und verfolgt, wie er sagt, regelmäßig die Israel-Berichterstattung in deutschen Medien. 2008, nach Studium und journalistischer Arbeit in den USA, ist er nach Israel eingewandert; er hat hier für die linke Tageszeitung "Haaretz" gearbeitet und ist nun diplomatischer Korrespondent der Internet-Zeitung "Times of Israel".

Seine Diagnose über den Umgang der deutschen Medien mit der israelischen Politik ist vernichtend: Arroganz, Unfähigkeit zur Empathie, Unwissenheit, was ein militärischer Konflikt eigentlich für eine Gesellschaft bedeute. "Die Bilder aus Gaza sehen nicht gut aus", sagt Ahren, "aber dafür gibt es eine Erklärung: Alle Israelis fühlen sich bedroht, und zwar mit gutem Grund. Die stärkere Partei muss nicht automatisch im Unrecht sein." Trotzdem solle natürlich die israelische Regierung kritisiert werden wie jede andere.

Ahren sagt all das bei einer Diskussionsveranstaltung mit israelischen Journalisten und uns deutschen Besuchern in Jerusalem. Im Nahen Osten aber hat jede Geschichte zwei Wahrheiten, mindestens. Die andere ist in diesem Fall die von Mohammad Daragmeh, dem Korrespondenten der Nachrichtenagentur AP in Ramallah, am Sitz der palästinensischen Autonomiebehörde.

Insgesamt, sagt Daragmeh, berichteten die Medien in Europa fair über den Nahostkonflikt, was heiße: Es würden keine Fakten verdreht. "Zwischen den Zeilen aber wird eher Sympathie mit der israelischen als mit der palästinensischen Sichtweise deutlich." Zum Beispiel werde, wenn es um die radikalislamische Hamas gehe, stets hinzugefügt, sie erkenne Israel nicht an. "Das stimmt ja auch", sagt Daragmeh. "Aber warum wird dann bei Benjamin Netanjahu, Naftali Bennett, Avigdor Lieberman und anderen rechten israelischen Politikern nicht auch hinzugefügt, dass sie Palästina nicht anerkennen?"

Wenn Raphael Ahren jetzt im Raum wäre — es gäbe vermutlich eine engagierte Debatte. So bleibt als Erkenntnis immerhin die Sache mit den zwei Wahrheiten. Und dass wir Europäer Teil dieses Konflikts sind, ob wir wollen oder nicht. Auch wir sind mit der Quadratur des Kreises beauftragt.

Man kann es als absurden Witz formulieren wie Amir Oren, der neben Ahren auf dem Podium in der israelischen Diskussionsrunde sitzt. Oren ist gut und gerne doppelt so alt wie Ahren, war (unter anderem) Mitarbeiter des israelischen Außenministeriums und der israelischen Botschaft in den USA und arbeitet derzeit als leitender Korrespondent und Kolumnist bei "Haaretz". Oren lächelt ein bisschen, nachdem er Ahren zugehört hat, und dann sagt er: "Israel will nicht, dass ihr objektiv seid. Israel will, dass ihr uns unterstützt. Ganz objektiv, natürlich."

Freitag, 15. Mai 2015

Damals in Babelsberg wäre Lydia Aisenberg gern als Jüdin angepöbelt worden. "Ich hatte mich so gut darauf vorbereitet", erzählt sie heute. Ende der 90er Jahre war das. Zum ersten Mal war die Journalistin und Reiseleiterin Aisenberg damals in Deutschland, 30 Jahre nachdem sie wegen des Antisemitismus aus ihrem Geburtsland Großbritannien nach Israel ausgewandert war. "Ich hatte mich bis dahin immer geweigert, etwas mit Deutschen oder Deutschland zu tun zu haben", erinnert sich Aisenberg. Schon mehr als ein Jahrzehnt arbeitete sie für die internationale Abteilung des israelisch-arabischen Begegnungszentrums Givat Haviva in Nordisrael, als dieses Angebot kam, mit einer Gruppe nach Deutschland zu reisen. Berlin.

"Ich habe spontan Nein gesagt", erzählt Aisenberg. "Aber am Abend danach, beim Zähneputzen, hat mir mein Spiegelbild plötzlich nicht mehr gefallen. Ich habe mir gedacht: Was denkst du dir eigentlich? Dein ganzes Leben besteht daraus, Stereotype aufzubrechen und Vorurteile abzubauen — und du willst nicht nach Deutschland, nur wegen…?" Am nächsten Morgen sagte sie zu. Angepöbelt hat sie niemand. "Stattdessen haben mir die Leute auf der Straße guten Morgen gewünscht, als ich mit meinen Walkingstöcken vorbeikam." Heute habe sie drei ihrer engsten Freunde in Berlin, sagt Aisenberg.

Erst heute, nach bald 50 Jahren in Israel, habe sie das Gefühl, dort "mit beiden Füßen zu Hause zu sein", sagt Aisenberg. Warum? Als sie jüngst wieder einmal in Manchester gewesen sei, hätten ihre Freunde ihr geraten, den silbernen Davidstern, den sie um den Hals trägt, doch lieber unterm T-Shirt zu tragen. Lydia Aisenbergs Geschichte ist schmeichelhaft für Deutschland. Und sie ist verheerend für Großbritannien. Was nicht heißt, dass die Manchester-Episode nicht auch in Düsseldorf, Frankfurt oder München hätte spielen können.

Donnerstag, 14. Mai 2015

Bevor er gut eine Stunde über den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern redet, über Landrechte, die Intifada und die ewigen Rückschläge, hat Mohammad Darawshe etwas Wichtiges loszuwerden: "Es tut mir leid, dass Bayern München in der Champions League ausgeschieden ist. Gut gespielt haben sie, allerdings nur im Rückspiel. Aber das hat nicht gereicht."

Das liege ihm am Herzen, sagt der Planungsdirektor des Studien- und Begegnungszentrums Givat Haviva im Norden Israels, zwischen Tel Aviv und Haifa. Fußball, deutscher Fußball, begegnet dem Reisenden in Israel fast zwangsläufig — auch ohne dass sich wie 2013 zwei deutsche Klubs im Finale der Champions League gegenüberstehen. Damals fragten die Taxifahrer in Jerusalem ihre deutschen Kunden erst nach dem Spiel der Spiele und dann nach dem Fahrtziel.