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Israel droht Hamas nach Tod von Schülern mit Vergeltung

Ermordete Jugendliche beigesetzt : Israel droht Hamas nach Tod von Schülern mit Vergeltung

Unter großer Anteilnahme sind in Israel am Dienstag die drei im Westjordanland ermordeten Jugendlichen beigesetzt worden. Zehntausende strömten zu der Trauerfeier für die Talmudschüler in Modiin, unter ihnen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Präsident Schimon Peres. Netanjahu drohte eine Verstärkung der Bombenkampagne gegen die Hamas-Bewegung an. Die US-Präsidentschaft drängte Israelis und Palästinenser ihre Sicherheitskooperation aufrechtzuerhalten.

Das Verschwinden der zwei 16-Jährigen und eines 19-Jährigen, die am 12. Juni entführt worden waren, als sie per Autostopp zwischen Bethlehem und Hebron unterwegs waren, hatte die israelische Öffentlichkeit über Wochen in Atem gehalten. Am Montag wurden dann ihre Leichen auf einem Feld beim Dorf Halhul nordwestlich von Hebron entdeckt - unweit der Stelle, wo sie zuletzt gesehen worden waren. Bereits am Montagabend kamen viele Menschen in Israel zu spontanen Trauerfeiern zusammen.

Zu der Beerdigung der drei Talmudschüler am Dienstag strömten dann zehntausende Menschen auf einen Friedhof der Stadt Modiin in Zentrum des Landes. "Dies ist zu einem spontanen Tag der nationalen Trauer geworden", sagte Regierungschef Netanjahu, als er neben den drei mit Nationalflaggen bestückten Särgen zu der Menge sprach. "Ruhe in Frieden, mein Sohn", sagte die Mutter eines der ermordeten Jugendlichen mit brüchiger Stimme.

Der israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon kündigte an, die Morde würden nicht ungesühnt bleiben: "Die Hamas-Bewegung ist dafür verantwortlich, und wir wissen, wie wir Rechnungen mit ihr zu begleichen haben", sagte Jaalon im Militärradio. "Wir werden die Jagd auf die Mörder der Jungen fortsetzen und nicht ruhen, bis wir sie ergriffen haben." Die Hamas, die jede Verwicklung in die Tat bestreitet, drohte ihrerseits, eine israelische Offensive werde für Israel "das Tor der Hölle öffnen".

Netanjahu drohte am Abend vor einer erneuten Sitzung des Sicherheitskabinetts mit einer Verstärkung der Bombenangriffe auf Stellungen der Hamas im Gazastreifen. Der Einsatz im Westjordanland werde parallel fortgesetzt. Laut dem Fernsehen schloss er aber eine Bodenoffensive im Gazastreifen oder die erneute Besetzung des Gebiets aus. Rechte Abgeordnete und Minister fordern, die Hamas komplett zu zerschlagen. Doch rät ein Teil des Kabinett offenbar zur Zurückhaltung, um die Situation nicht weiter zu eskalieren.

Das Weiße Haus in Washington rief beide Seiten auf, trotz der Krise ihre Sicherheitszusammenarbeit fortzusetzen. "Es gibt eine wichtige Sicherheitsbeziehung zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde", sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama, Josh Earnest. "Wir hoffen, dass dieser Geist der Kooperation selbst in dieser sehr schwierigen Zeit weiter geht." Die US-Außenamtssprecherin Marie Harf sagte, es gebe "viele Hinweise" auf die Täterschaft der Hamas.

Bei der wochenlangen Suchaktion nach den Jugendlichen im Westjordanland hatten die israelischen Sicherheitskräfte 420 Palästinenser festgenommen, die meisten von ihnen Mitglieder der Hamas. Sechs Palästinenser wurde bei dem Einsatz bisher getötet. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte am Dienstag, die Ermordung der Jugendlichen fordere Gerechtigkeit. Doch der Militäreinsatz sei eine "kollektive Bestrafung der Palästinenser" und eine "offenkundige Verletzung" der Menschenrechte.

In der Nacht zum Dienstag flogen Kampfjets 34 Angriffe auf den Gazastreifen. Laut dem palästinensischen Innenministerium zielten die Bombardements auf Ausbildungslager der Hamas und anderer bewaffneter Gruppen. Die israelische Armee teilte mit, die Angriffe seien Vergeltung für Raketenangriffe aus dem Gazastreifen gewesen und hätten mit der Ermordung der Jugendlichen nichts zu tun. uvs/ AFP

(DEU)