1. Politik
  2. Ausland

Isis-Islamisten bauen Macht in Syrien und Irak aus

Saudi-Arabien mobilisiert 30.000 Soldaten : Isis-Islamisten bauen Macht in Syrien und Irak aus

Die islamistischen Isis-Rebellen bauen ihre Macht in Syrien und im Irak aus. Wenige Tage nach Ausrufung ihres Kalifats über die Grenzen der beiden Staaten hinweg standen die sunnitischen Kämpfer in einem Gebiet, das in einem Bogen von Aleppo im Nordwesten Syriens bis vor die irakische Hauptstadt Bagdad reichte. Saudi-Arabien, der südliche Nachbar des Iraks und weltgrößte Erdölexporteur, schickte 30.000 Soldaten an die Grenze.

Dort wurden irakische Soldaten Medienberichten zufolge ins Landesinnere abgezogen, was die irakische Führung am Donnerstag aber zurückwies.

In Syrien habe Isis erstmals die Kontrolle von der irakisch-syrischen Grenzstadt Albu Kamal bis kurz vor die Metropole Aleppo, teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Albu Kamal liegt rund 400 Kilometer von Aleppo entfernt. Isis herrsche damit allein in Syrien über ein Gebiet, das fünfmal so groß sei wie der Libanon, erklärte die oppositionelle Beobachtungsstelle.

In der östlichen Grenzprovinz Deir al-Sor habe die der Al-Kaida nahestehende Nusra-Front Isis die Kontrolle überlassen, erklärte die Beobachtungsstelle weiter. Al-Nusra sei aus ihren Hochburgen Majadin und Schuhail abgezogen. Isis habe zudem das größte syrische Ölfeld Al-Omar kampflos von der Nusra-Front übernommen.

In Dei al-Sor seien nur noch die Provinzhauptstadt und der Flughafen sowie einige Dörfer unter Kontrolle der Truppen von Präsident Baschar al-Assad. Zudem hätten sich sunnitische Stämme der Isis angeschlossen. Isis hat am Sonntag ihr Kalifat ausgerufen sich und von Islamischer Staat im Irak und in Groß-Syrien (Isis) in Islamischer Staat umbenannt.

Saudi-Arabien sieht "terroristische Bedrohung"

Deren Kämpfer rückten im Irak in den vergangenen Wochen bis kurz vor Bagdad vor. Die radikalen Islamisten haben weite Gebiete im Norden und Westen des Iraks unter ihre Kontrolle gebracht. Der Irak grenzt im Westen auf einer Länge von rund 600 Kilometern an Syrien. Im Süden haben der Irak und Saudi-Arabien eine rund 800 Kilometer lange gemeinsame Grenze.

Der saudiarabisch König Abdullah habe alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um das Land vor "terroristischen Bedrohungen" zu schützen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SPA. Zuvor waren einem Al-Arabija-Bericht zufolge irakische Soldaten aus der Grenzregion abgerückt.

2500 Soldaten seien abgezogen worden und hätten das Grenzgebiet zu Saudi-Arabien und Syrien unbewacht zurückgelassen. Ein Grund sei dafür nicht genannt worden, wurde ein irakischer Offizier zitiert. Dem widersprach die irakische Führung.

Die Grenze sei "vollständig in der Hand" der irakischen Grenztruppen, sagte der Militärsprecher von Ministerpräsident Nuri al-Maliki in Bagdad. Die Falschmeldung solle die Moral des Volkes und der Truppe untergraben.

Der Irak droht zu zerfallen

Die Bevölkerung ist gespalten zwischen Schiiten, die die Regierung unter Maliki stellen, und Sunniten, die sich vielfach benachteiligt fühlen. Zudem leben im Nordosten des Landes, wo es reiche Erdölfelder gibt, rund fünf Millionen Kurden.

Deren Präsident Massud Barsani rief nach Angaben von Abgeordneten das Parlament auf, eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit der Autonomen Region Kurdistan vorzubereiten. Einen Zeitplan habe Barsani nicht genannt.

Die Kurden haben im Kampf gegen die Isis-Rebellen ihr Einflussgebiet in den vergangenen Wochen um 40 Prozent ausgeweitert. Die USA haben die Kurden eindringlich aufgefordert, sich nicht von der Zentralregierung in Bagdad abzuspalten. Ein eigener kurdischer Staat würde das Nato-Mitglied Türkei beunruhigen, denn die dortige Arbeiterpartei PKK erhielte durch ihn Aufwind.

Wegen der Krise im Irak hatten am Mittwoch der saudische König Abdullah und US-Präsident Barack Obama miteinander telefoniert. Das US-Präsidialamt teilte mit, die beiden hätten die Notwendigkeit einer Regierung der nationalen Einheit im Irak erörtert.

Saudi-Arabien, einer der engsten Verbündeten der USA, versteht sich als Schutzmacht der Sunniten und unterstützt sunnitische Rebellen in Syrien in ihrem Kampf gegen Präsident Baschar al-Assad. Die saudiarabische Führung bestreitet jedoch, auch den sunnitischen Aufständischen im Irak zu helfen.

Lastwagenfahrer freigelassen

Die Islamisten im Irak haben 32 vor drei Wochen verschleppte türkische Lastwagenfahrer freigelassen. Die Männer seien türkischen Diplomaten übergeben und noch am Donnerstag nach Ankara ausgeflogen worden, teilte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu mit.

Er bekräftigte, die Bemühungen um die Freilassung weiterer 49 Türken, die bei der Eroberung der Stadt Mossul vor drei Wochen in die Hände von Isis-Extremisten gerieten, würden fortgesetzt. Unter den Gefangenen befinden sich Soldaten, Diplomaten und Kinder.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, die Gefahr unterschätzt und das türkische Konsulat in Mossul deshalb zu spät evakuiert zu haben.

(REU)