Isis im Irak: Barack Obama schickt Kampfschiffe in Persischen Golf

Steinmeier schließt Bundeswehr-Einsatz aus : Eskalation im Irak - USA schicken Kriegsschiffe

Mit brutalen Bildern von Hinrichtungen führt die Terrorgruppe Isis ihren Kampf im Irak auch im Internet. Amerika handelt, für alle Fälle bezieht ein US-Flugzeugträger im Persischen Golf Stellung.

Als Reaktion auf die Eskalation im Irak haben die USA Kriegsschiffe in den Persischen Golf entsandt. Die "USS George H.W. Bush" sollte dort am Sonntag eintreffen. Begleitet werde das Schiff von einem mit Raketen bestückten Kreuzer und einem Zerstörer. Damit solle Präsident Barack Obama zusätzliche Flexibilität gegeben werden, sollten militärische Optionen nötig werden, um das Leben von Amerikanern und Interessen im Irak zu schützen.

Der massive Vormarsch der Terrorgruppe Isis im Irak löste international Entsetzen und Besorgnis aus. Experten warnen vor einem Kollaps des Iraks - mit Erschütterungen weit über die Krisenregion Nahost hinaus.

Laut Medienberichten scheint sich Isis vor allem in der westirakischen Provinz Anbar und im Norden zwischen Mossul und Bagdad festgesetzt zu haben. Isis habe auf eine klassische Guerilla-Taktik im Irak verzichtet, berichtete die "New York Times". Stattdessen hätten die Dschihadisten nach langer Vorbereitung eine Schneise ins Land getrieben. Mit der Kontrolle über die drei großen Autobahnen nördlich von Bagdad sei die Kurdenregion vom Rest des Iraks abgeschnitten, "das könnte das Land endgültig zersplittern".

Mit zahlreichen Videos und Fotos grausamer Exekutionen führen die Islamisten ihren Kampf auch im Internet. Nachdem die irakische Armee und kurdische Peschmerga-Soldaten den Vormarsch der Dschihadisten gebietsweise stoppen konnten, verbreitet Isis zunehmend Bilder ihrer Gräueltaten in sozialen Netzwerken wie Twitter und YouTube. Dabei werden etwa Erschießungen und Auspeitschungen gezeigt.

Isis rückt seit Anfang der Woche auf Bagdad vor und brachte mehrere Städte unter ihre Kontrolle, darunter die nördliche Millionenmetropole Mossul. Aus verschiedenen Richtungen wollen Isis-Kämpfer Bagdad umzingeln und in die Stadt vordringen. Nach UN-Angaben wurden bei Kämpfen in den vergangenen Tagen mehrere Hundert Zivilisten getötet und etwa 1000 verletzt. Hunderttausende Iraker sind auf der Flucht.

Nach dem Irak-Krieg (2003-2011) hatte Obama zwar eine Rückkehr von US-Kampftruppen in das Land ausgeschlossen. Andere militärische Optionen hielt er sich aber offen. Die oppositionellen Republikaner riefen Obama zu einem entschiedeneren Vorgehen auf. John McCain, einflussreicher Senator aus Arizona, drängte Obama zu sofortigen Luftangriffen, um den Vormarsch der Dschihadisten zu stoppen.
Kritiker meinen dagegen, das Luftschläge keinen Sinn machten, weil die Regierungstruppen zu schwach seien, um in diese Gebiete vorzurücken.

US-Außenminister John Kerry betonte in einem Telefonat mit seinem irakischen Kollegen Hoschiar Sebari, Hilfe durch die USA würde nichts bringen, solange die verschiedenen Gruppen in dem Land nicht ihre Differenzen überwänden, um die für die Zukunft des Iraks notwendige nationale Einheit zu schaffen.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wurde am Abend im Mitgliedsland Türkei erwartet. Die Türkei hatte am Mittwoch bei einer Sondersitzung des Nato-Rates seine Verbündeten über die Entführung von Dutzenden Türken im Nordirak informiert.

Ziel der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) ist ein sunnitischer Gottesstaat vom östlichen Mittelmeer bis zum Persischen Golf. Im Irak erklärten sich Tausende, vor allem schiitische Freiwillige zum Widerstand gegen die Extremisten bereit. Allein in Nadschaf würden 100 000 Rekruten für die Aufnahme in die irakische Armee erwartet, berichtete "Al-Sumaria News".

Viele seien dem Aufruf des schiitischen irakischen Großajatollahs Ali al-Sistani gefolgt. Er hatte seine Glaubensbrüder aufgefordert, schiitsche Heiligtümer im Land vor den sunnitischen Isis-Kämpfern zu beschützen.

Isis kämpft gegen Schiiten, die sie als "Abweichler" von der wahren Lehre des Islams ansieht. Viele Sunniten fühlen sich seit Jahren von der schiitisch dominierten Regierung in Bagdad diskriminiert.
Deswegen fiel der Terrormiliz der Vormarsch zunächst leicht.

Die Krise im Irak wird nach Meinung des renommierten Londoner Experten Fawaz Gerges zwangsläufig zu einer Macht-Aufsplittung zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden führen. "Ganz egal was in den nächsten Tagen und Wochen passiert - wir werden eine Fragmentierung der Macht erleben", sagte Gerges in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Die Chance, dass der Irak als Staat erhalten werden könne, schätzt der im Libanon geborene Politik-Professor der London School of Economics (LSE) auf 50:50. Es komme darauf an, ob die einzelnen Kräfte in der Lage seien, miteinander zu reden.

Deutschland wird sich derweils nach Aussage von Außenminister Frank-Walter Steinmeier an einer Stabilisierung des Irak wird sich allenfalls in geringem Umfang beteiligen. "Wir sollten den möglichen deutschen Beitrag nicht überschätzen", sagte Steinmeier der Zeitung "Welt am Sonntag". "Ich kann mir keine Konstellation vorstellen, in der deutsche Soldaten dort zum Einsatz kommen", machte der SPD-Politiker laut Vorabbericht deutlich.

(dpa)
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