Getötete WCK-Helfer Israels Militärchef bezeichnet Angriff auf Helfer als „schweren Fehler“

Gaza · Generalstabschef Herzi Halevi hat den tödlichen Angriff in Gaza als Fehler bezeichnet, der auf eine falsche Identifizierung folgte. US-Präsident Biden drängt zu einer raschen Untersuchung.

Israels Generalstabschef Herzi Halevi in Jerusalem im vergangenen Jahr

Israels Generalstabschef Herzi Halevi in Jerusalem im vergangenen Jahr

Foto: dpa/Maya Alleruzzo

Der israelische Chef des Generalstabs Herzi Halevi hat den Tod mehrerer Mitarbeiter der Hilfsorganisation World Central Kitchen (WCK) im Gazastreifen durch einen israelischen Luftschlag als „schweren Fehler“ bezeichnet und sein Bedauern ausgedrückt. „Der Angriff wurde nicht in der Absicht durchgeführt, den WCK-Helfern zu schaden. Es war ein Fehler, der auf eine falsche Identifizierung folgte - in der Nacht während eines Krieges unter sehr komplexen Bedingungen. Das hätte nicht passieren dürfen“, sagte Halevi in der Nacht zum Mittwoch in einer Videostellungnahme. Das habe eine vorläufige Untersuchung ergeben.

Nähere Einzelheiten zu der Untersuchung nannte er nicht. „Dieser Vorfall war ein schwerer Fehler“, sagte Halevi in der Stellungnahme, die auch auf der Online-Plattform X, vormals Twitter, veröffentlicht wurde.

Ein unabhängiges Gremium werde den Vorfall gründlich untersuchen und „in den nächsten Tagen abschließen“, sagte der israelische Generalstabschef weiter. Die Armee werde aus den Schlussfolgerungen lernen „und sie sofort umsetzen“, sagte Halevi. Die Armee nehme „aus tiefstem Herzen“ Anteil an der Trauer der Angehörigen und der Hilfsorganisation.

World Central Kitchen hatte am Vortag den Tod von sieben Mitarbeitern im Gazastreifen bestätigt. Bei dem Angriff auf einen Konvoi von WCK waren am Montag Helfer aus Australien, Polen und Großbritannien getötet worden. Unter den Opfern befanden sich auch eine Mensch mit kanadischer Staatsangehörigkeit sowie ein Palästinenser. Der Vorfall ereignete sich demnach, als der Konvoi aus drei Fahrzeugen ein Warenlager in Deir al-Balah im Zentrum des Gazastreifens verließ.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach am Dienstag von einem „tragischen Fall eines unabsichtlichen Treffers unserer Streitkräfte gegen Unschuldige im Gazastreifen“. Man werde alles tun, damit sich Derartiges nicht wiederhole.

Mehrere Länder, darunter Deutschland, zeigten sich schockiert und forderten rasche Aufklärung. US-Präsident Biden kritisierte Israel am Dienstagabend (Ortszeit). „Vorfälle wie der gestrige sollten einfach nicht passieren“, sagte der US-Präsident. „Israel hat auch nicht genug getan, um Zivilisten zu schützen.“

Er sei „empört und untröstlich“ über den Tod der WCK-Arbeiter. Die Verteilung von Hilfsgütern im Gazastreifen sei schwierig gewesen, „weil Israel nicht genug getan hat, um Hilfskräfte zu schützen, die versucht haben, dringend benötigte Hilfe an Zivilisten zu liefern“. Biden forderte, die israelische Untersuchung des Angriffs müsse schnell erfolgen. Die Ergebnisse müssten veröffentlicht werden.

(juju/dpa/AFP)
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