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IS-Terror: Barack Obama will Dschihad-Milizen in drei Stufen zerstören

Strategie gegen den Terror : Obama will IS in drei Stufen zerstören

US-Präsident Barack Obama will am Mittwoch eine Strategie gegen den Terror des Islamischen Staates (IS) vorlegen. Das Pentagon hat bereits damit begonnen, den dreistufigen Plan in die Tat umzusetzen. Dass er nach der Enthauptung des US-Journalisten James Foley zum Golf spielen fuhr, bedauert Obama inzwischen.

So hat das US-Verteidigungsministerium bereits Pläne geschmiedet, wie das Regime der islamistischen Terrormilizen besiegt werden kann. Nach einem Bericht der "New York Times", die sich auf Regierungsbeamte beruft, ist vorgesehen, die Dschihadisten in drei militärischen Schritten niederzuringen.

Stufe 1: Luftschläge Die erste Stufe ist bereits in vollem Gange. 145 mal haben US-Bomber in den vergangenen Wochen Stellungen der Islamisten angegriffen. Ziel: Verfolgte und US-Angehörige zu beschützen und den Vormarsch der Islamisten stoppen.

Stufe 2: Danach sollen Anstrengungen intensiviert werden, das irakische Militär sowie kurdische Kämpfer zu beraten, auszubilden oder mit Waffen zu unterstützen. Voraussetzung dafür ist aber, dass es der Führung im Irak beginnt, eine neue Regierung zu bilden, die alle Gruppen im Land repräsentiert.

Stufe 3: In der dritten Phase soll der IS innerhalb Syriens zerstört werden. Dieser Schritt gilt als mit Abstand schwierigster, weil er das größte Konfliktpotenzial birgt. Dennoch wollen die USA als führende Macht in einer Koalition der Willigen vorangehen. Auf dem Nato-Gipfel hatte eine Gruppe von zehn Staaten erklärt, den Kampf gegen IS aufnehmen zu wollen, darunter auch Deutschland.

Dies könnte nach Schätzungen von Planern des Pentagon bis zu 36 Monate dauern - und damit erst nach dem Ende von Obamas Amtszeit beendet sein, berichtete das Blatt weiter.

Obama hat sich unglücklich verhalten

US-Präsident Barack Obama will seine Strategie gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) in einer Rede am Mittwoch vorstellen. "Ich will, dass die Bevölkerung versteht, was die Bedrohung ist und was wir dagegen tun werden", sagte Obama in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview mit dem Fernsehsender NBC.

US-Kommentatoren werteten die geplante Rede am Vortag des 13. Jahrestages des Anschlags auf das New Yorker World Trade Center als möglichen Hinweis darauf, dass sich Obama einer Entscheidung darüber nähert, ob er die Luftangriffe gegen die IS-Miliz vom Irak auf Syrien ausweitet.

Eine Rolle für die Initiative des Präsidenten dürfte aber auch die massive Kritik spielen, die in der vergangenen Woche über Obama hereinbrach. Zwei Auslöser waren dafür verantwortlich: Obamas Eingeständnis, noch keine Strategie für ein Vorgehen gegen IS entwickelt zu haben. Und sein mangelndes Gespür nach der Enthauptung des US-Journalisten James Foley.

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Bizarre Bündnis-Konstellationen

Unmittelbar nachdem die grauenhafte Tat publik geworden war und Obama höchstpersönlich die Tat vor laufenden Kameras verurteilt hatte, war der Präsident beim Golfspielen gesichtet worden. Obama wertet sein Verhalten inzwischen als Fehleinschätzung. Es gebe zwar zu jeder Zeit heftige Nachrichten in der Welt, er hätte die optische Wirkung der Bilder jedoch vorhersehen müssen, sagte er NBC.

Die US-Regierung hatte am Freitag angekündigt, den IS wie die Extremisten-Organisation Al-Qaida zu jagen und für ein internationales Bündnis zur Bekämpfung der Gruppe geworben. Dabei kam es erst am Wochenende wieder zu bizarren Bündniskonstellationen. So griffen am Sonntag US-Kampfjets Stellungen der Dschihadisten im Westen des Irak an, zeitgleich flogen Bomber des Assad-Regimes Angriffe in Syrien.

Die deutschen Dienste waren überrascht

Auch Irans Außenminister Dschawad Sarif warnte vor der brutalen IS-Miliz. "Das ist eine äußerst gefährliche Gruppe, die heute ihr Unwesen in Syrien und Irak treibt, morgen aber vielleicht in der ganzen Region", sagte er in einem Interview mit dem staatlichen Fernsehen. Eine Zusammenarbeit mit den USA gegen die IS wollte Sarif nicht ausschließen. Er halte aber eine internationale Aktion gegen die Terrormiliz für eine effektivere Option.

Das Erstarken der IS-Terrormiliz hat die deutschen Nachrichtendienste nach eigenen Angaben überrascht. Der Staatssekretär im Kanzleramt und Beauftragte für die Nachrichtendienste, Klaus-Dieter Fritsche, sagte der "Welt am Sonntag": "Die besondere Rolle, die der IS mittlerweile im Nordirak und in Syrien spielt, war nicht prognostizierbar."

Den Anstieg der Arbeitsbelastung durch die gegenwärtigen Krisen belegt dem Zeitungsbericht zufolge eine Übersicht der Anfragen, die an den Bundesnachrichtendienst (BND) gerichtet wurden. So sei die Zahl der Berichte des Auslandsgeheimdienstes an das Kanzleramt zum Thema Irak innerhalb der vergangenen Wochen um ein Viertel gestiegen.

(dpa AP)