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"Keine Auswirkungen": Iranischer Chefunterhändler lehnt Atomstreit-Zeitplan ab

"Keine Auswirkungen" : Iranischer Chefunterhändler lehnt Atomstreit-Zeitplan ab

Madrid/Chicago (rpo). Der Iran führt den Westen weiterhin an der Nase herum: Am Donnerstagabend bezeichnete der EU-Außenbeauftragte Javier Solana ein Gespräch mit dem iranischen Chefunterhändler über die Beilegung des Atomkonflikts noch als "fruchtbar und konstruktiv", doch schon einen Tag später gab Ali Laridschani zu Protokoll, man fühle sich an den Zeitplan des Westens nicht gebunden.

Der iranische Chefunterhändler Ali Laridschani hat dem Zeitplan des Westens zur Beilegung des Atomstreits eine Absage erteilt. Der Zeitplan habe keine Auswirkungen auf Teherans Handlungen, sagte Laridschani am Freitag während einer Pressekonferenz in Madrid. Er war dort zuvor mit dem spanischen Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero, dessen Vorgänger Felipe Goanzález sowie mit Außenminister Miguel Angel Moratinos zusammengekommen. Das Treffen mit dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana am Donnerstagabend in Brüssel bezeichnete Laridschani als "fruchtbar und konstruktiv".

Am Dienstag sollen Solana, Laridschani und die Vertreter von drei der fünf Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat sowie Deutschlands in Brüssel zusammentreffen. Dabei geht es um das von Solana am 6. Juni in Teheran unterbreitete Angebotspaket, in dem die sechs Staaten (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland) Iran als Vorbedingung für Verhandlungen auffordern, alle Aktivitäten im Zusammenhang mit der Urananreicherung und der Wiederaufarbeitung nachprüfbar auszusetzen. Die Sechs mahnen eine Antwort auf ihre Vorschläge noch vor dem dem G-8-Gipfel vom 15. bis 17. Juli in St. Petersburg an. Die iranische Führung erklärte jedoch wiederholt, sie werde erst nach eingehender Prüfung des Pakets im August antworten.

US-Präsident George W. Bush forderte unterdessen eine härtere Linie gegenüber Iran und Nordkorea. Auf die Frage von Journalisten zur ablehnenden Haltung von Russland und China zu Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea wegen Pjöngjangs jüngsten Raketentests sagte Bush in Chicago, einige Staaten kämen mit Wirtschaftssanktionen besser zurecht als andere, die selbst wirtschaftliche Interessen in den jeweiligen Staaten hätten. Im Gegensatz dazu gehöre es zur US-Politik, den nationalen und internationalen Sicherheitsinteressen größeres Gewicht beizumessen als den wirtschaftlichen Interessen.

(afp)