Iran: Zwei Tote bei regierungskritischen Protesten - Behörden beschuldigen den IS

Proteste im Iran: Behörden melden zwei Tote und beschuldigen den IS

Seit Tagen protestieren Iraner gegen die schlechte Wirtschaftslage und zunehmend auch gegen die Regierung. Der Innenminister kündigt daraufhin eine entschlossenes Reaktion an. Nun sollen zwei Demonstranten getötet worden sein.

Bei "illegalen Protesten" in der Stadt Dorud sei es zu Zusammenstößen gekommen, meldete die halbstaatliche Nachrichtenagentur Mehr am Sonntag. Dabei seien zwei Menschen getötet worden, sagte der stellvertretende Gouverneur der Provinz Lorestan, Habibollah Chodschastehpur, im Staatsfernsehen. Die iranische Polizei sei an dem Vorfall aber nicht beteiligt gewesen sein.

Der Vize-Gouverneur betonte, die Sicherheitskräfte hätten nicht auf die Demonstranten geschossen. Ein Fernsehsender der Revolutionswächter berichtete, "mit Jagd- und Militärwaffen" ausgerüstete Menschen hätten sich unter die Demonstranten gemischt und ziellos in die Menge und auf den Gouverneurssitz gefeuert. Es gebe Hinweise auf eine Beteiligung der Terrormiliz Islamischer Staat, behauptete Chodschastehpur laut iranischen Medien.

Vom Tod der zwei Demonstranten in Dorud war schon am Samstagabend in sozialen Netzwerken berichtet worden. Er wurde am Sonntag vom Webportal des Staatsfernsehens bestätigt.

"Wer die Ordnung stört, wird dafür bezahlen"

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Die Proteste im Iran richten sich gegen hohe Preise für Grundnahrungsmittel und begannen am Donnerstag. Sie haben sich mittlerweile auf mehrere Städte ausgebreitet. Am Samstag gingen in der Hauptstadt Teheran Studenten auf die Straße und skandierten Parolen gegen die Regierung, aber auch deren Anhänger hielten eine große Kundgebung ab. nach Angaben der Nachrichtenagentur AP beteiligten sich Tausenden an den Protesten. Es gab Dutzende Festnahmen.

Angesichts der andauernden Proteste kündigte der iranische Innenminister am Sonntag ein entschiedenes Vorgehen an. Wer "die Ordnung stört und gegen das Gesetz verstößt, muss sich dafür verantworten und wird dafür bezahlen", sagte Innenminister Abdolrahman Rahmani Fasli im Staatsfernsehen. Der Staat werde gegen "die Verbreitung von Gewalt, Angst und Terror" vorgehen. Die Demonstrationen sind Schätzungen zufolge die größten seit der sogenannten Grünen Revolution nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl 2009.

Am Samstag hatte sich US-Präsident Donald Trump eingeschaltet und auf Twitter geschrieben: "Die iranische Regierung sollte die Rechte ihres Volkes respektieren, darunter das Recht auf freie Meinungsäußerung. Die Welt schaut hin!" Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums verurteilte die "irreführenden und opportunistischen Äußerungen" Trumps. Die Iraner würden disesen keinen Glauben schenken.

(wer)