Trotz EU-Sanktionen: Iran will Atom-Gespräche wieder aufnehmen

Trotz EU-Sanktionen : Iran will Atom-Gespräche wieder aufnehmen

Teheran (RPO). Trotz Kritik an den verschärften EU-Sanktionen will der Iran die Gespräche über sein Atomprogramm wieder aufnehmen. Teheran wolle die Verhandlungen im September fortsetzen. Neben dem Iran kritisierte auch Russland die EU-Beschlüsse scharf und warf den Europäern vor, Resolutionen des UN-Sicherheitsrates zu missachten.

Der Westen wirft dem Iran vor, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomenergie an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Ahmadinedschad forderte für die Wiederaufnahme der Gespräche nun, dass an ihnen auch Brasilien und die Türkei teilnehmen. Dies berichtet der englischsprachige iranische Fernsehsender Press TV. Beide Länder hatten mit Teheran im Mai eine Vereinbarung für eine Zwischenlagerung von iranischem Uran in der Türkei ausgehandelt. Der Westen lehnte die Abmachung aber als unzureichend ab. Bisher wurden die Atomgespräche mit der Sechsergruppe aus den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates sowie Deutschland geführt.

Am Montag hatte die Europäische Union ihre Sanktionen gegen den Iran deutlich verschärft. Im Mittelpunkt steht dabei die Öl- und Erdgas-Industrie: Europäische Firmen dürfen dem Iran keine Schlüsseltechnologien mehr verkaufen oder zur Verfügung stellen. Daneben zielen die Sanktionen auf den Gütertransport per Schiff oder Flugzeug.

Teheran bedauere die Sanktionen "zutiefst" und verurteile sie, sagte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna am Dienstag. Sie würden nicht dazu beitragen, die Gespräche über das iranische Atomprogramm voranzubringen. Die Sanktionen seien "ein weiterer Schritt der Politik der Feindschaft der Europäischen Union gegenüber der iranischen Nation". Dies werde "negative Folgen" für die EU haben. Ahmadinedschad hatte die Sanktionen am Montagabend im US-Fernsehsender CBS bereits als "lächerlich" bezeichnet.

Russland bezeichnete das EU-Vorgehen als "inakzeptabel". Die Sanktionen würden die Bemühungen um eine diplomatische Lösung des Atomstreits untergraben, erklärte das Außenministerium in Moskau. Nationale Alleingänge in dieser Frage zeigten eine "Geringschätzung" der Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. Das russische Außenministerium bezog sich dabei auch auf die USA, die bereits Anfang Juli weitreichende Sanktionen in Kraft gesetzt hatten.

Ende Juni hatte Ahmadinedschad angekündigt, die Atom-Gespräche für zwei Monate auszusetzen. Er reagierte damit auf eine neue Runde von Sanktionen, die der UN-Sicherheitsrat am 9. Juni beschlossen hatte. Russland, das ab Mitte der 90er Jahre den Bau des ersten iranischen Atomkraftwerks Buschehr unterstützte, nun aber zunehmend die Geduld mit Teheran zu verlieren scheint, hatte für sie gestimmt. Dagegen hatten die Türkei und Brasilien gegen sie votiert.

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(AFP/awei)