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Streit um Teherans Atomprogramm: Iran vermutet Sabotage durch IAEA

Streit um Teherans Atomprogramm : Iran vermutet Sabotage durch IAEA

Mit ungewöhnlich scharfen Worten hat der Chef des iranischen Atomprogramms die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) kritisiert und der UN-Behörde Sabotageakte an den Nuklearanlagen seines Landes unterstellt.

"Terroristen und Saboteure" könnten die IAEA infiltriert haben und im Geheimen Entscheidungen fällen, erklärte Fereidun Abbasi in seiner Rede vor der IAEA-Generalkonferenz in Wien. Als Beispiel dafür nannte er einen Vorfall an einer unterirdischen Atomanlage in Fordo vom 17. August, bei dem Stromkabel auf dem Gelände explodiert und dort kurz darauf IAEA-Inspektoren eingetroffen seien. "Stand der Besuch etwa im Zusammenhang mit der Detonation?", fragte Abbasi. Insgesamt habe es zwei Sabotageversuche gegeben, die auf das iranische Atomprogramm abgezielt hätten. Die mutmaßlichen Täter rief Abbasi dazu auf, ruhig weitere Angriffe zu starten. Sein Land werde durch derartige Attacken lernen, seine Interessen zu schützen.

Vor Reportern erklärte Abbasi später, der mutmaßliche Sabotageakt sei durch den Einsatz von "Notstrombatterien und Dieselgeneratoren" vereitelt worden. Dadurch habe eine Störung der für eine Urananreicherung genutzten Zentrifugen abgewendet werden können.

Vor allem die Anlage in Fordo bereitet Israel große Sorge, ist sie doch zum Schutz vor möglichen Angriffen unter einem unterirdischem Berghang untergebracht. Dort wird zudem die Urananreicherung in einem Maß vorangetrieben, die für die Herstellung nuklearer Sprengköpfe nötig wären. Teheran begründete die höhere Anreicherung unter anderem mit dem geplanten Bau weiterer Forschungsreaktoren.

In seiner Rede vor den IAEA-Delegierten bekräftigte Abbasi zudem, dass der Iran nicht nach der Entwicklung von Atomwaffen, sondern sein Atomprogramm ausschließlich zu medizinischen Forschungszwecken und zur Entwicklung von Brennstoffen betreibe.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht derweil im Atomstreit mit Teheran noch Möglichkeiten einer Lösung am Verhandlungstisch.
"Ich glaube, dass der politische Spielraum noch nicht ausgeschöpft ist", sagte Merkel am Montag vor der Bundespressekonferenz in Berlin. Zugleich machte sie deutlich, dass eine atomare Bewaffnung Irans nicht akzeptabel sei. Das wäre nicht nur eine Bedrohung für Israel, sondern der ganzen Welt.

Einseitige Militäraktionen, wie sie Israel nicht ausschließt, will Merkel offensichtlich verhindern. "Ich will, dass wir international agieren, dass wir gemeinsam agieren", sagte die Kanzlerin, die eine politische Lösung in den Mittelpunkt der Anstrengungen rückte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2012: Iran zeigt seine Atomprojekte

(APD)