1. Politik
  2. Ausland

Iran startet nach eigenen Angaben Urananreicherung auf 60 Prozent

Nach mutmaßlichem Sabotageangriff : Iran startet nach eigenen Angaben Urananreicherung auf 60 Prozent

Nach dem Angriff auf eine Atomanlage in Natans will Teheran seine Urananreicherung auf 60 Prozent erhöhen. Die Anreicherung habe bereits begonnen. Für den Sabotageangriff macht der Iran Israel verantwortlich.

Der Iran hat nach eigenen Angaben die Anreicherung von Uran auf 60 Prozent hochgefahren. Das teilte Parlamentspräsident Mohammad Bagher Kalibaf am Freitag in Teheran mit. Das ist der höchste Grad bisher und wird von Teheran als Reaktion auf einen Sabotageangriff auf die Atomanlage in Natans bezeichnet, bei dem Zentrifugen zerstört worden waren.

Hinter diesem Angriff vermutet Teheran Israel, das sich dazu aber nicht offiziell geäußert hat. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist aber ein entschiedener Gegner des Kostenpflichtiger Inhalt internationalen Atomabkommens von 2015, über dessen Rettung gerade in Wien Gespräche geführt werden. Iran hatte kürzlich angekündigt, leistungsfähigere Zentrifugen zu besitzen. Bei dem Angriff auf Natans seien ältere Modelle zerstört worden.

Kalibaf sagte, das iranische Volk sei fest entschlossen, jede Verschwörung aufzulösen. Die Anreicherung habe am Freitag kurz nach Mitternacht begonnen. Uran mit hohem Reinheitsgrad kann schnell in waffentaugliches Material umgewandelt werden. Der Iran behauptet, das hochangereicherte Uran für medizinische Zwecke verwenden zu wollen.

Bereits auf eine entsprechende Ankündigung des Irans vor wenigen Tagen hatten Deutschland, Frankreich und Großbritannien mit Besorgnis reagiert. Sie bezeichneten dies als „ernste Entwicklung“, da die Herstellung von hoch angereichertem Uran ein wichtiger Schritt zum Bau von Atomwaffen sei. Für diese ist ein Uran-Reinheitsgrad von 90 Prozent notwendig. Das internationale Atomabkommen von 2015 sieht eine Anreicherung von weniger als vier Prozent vor.

Die drei europäischen Staaten gehören neben Russland und China zu den Unterzeichnern des Atomabkommens mit dem Iran. Auch die USA hatten es unterschrieben, waren 2018 aber unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump einseitig ausgestiegen. Gegenwärtig wird über eine Rückkehr der USA zum Abkommen beraten.

(bora/dpa/reuters)