Anhaltende Demonstrationen im Iran Raffinerie-Arbeiter schließen sich Protesten gegen Regierung an

Dubai · Erstmals haben die Proteste nach dem Tod der jungen Mahsa Amini offenbar auch die für Teheran so wichtige Öl- und Gasindustrie erfasst. Auch in Teheran und im Kurdengebiet im Westen des Irans wird weiter demonstriert.

Demonstrantinnen verbrennen ihre Kopftücher.

Demonstrantinnen verbrennen ihre Kopftücher.

Foto: AFP/DELIL SOULEIMAN

Den seit Wochen andauernden Protesten gegen die geistliche Führung des Irans haben sich Online-Videos zufolge nun auch Arbeiter in einer der wichtigsten Raffinerieanlagen des Landes angeschlossen. In den Aufnahmen vom Montag waren Dutzende Männer zu sehen, die in Assaluje am Persischen Golf teils vermummt Protestparolen wie „Tod dem Diktator“ skandierten. Von iranischer Seite wurden keine Probleme in der Anlage gemeldet, die halbamtliche Nachrichtenagentur Tasnim berichtete aber, Hintergrund der Proteste sei ein Streit über Löhne.

Im lange sanktionierten Iran ist die Öl- und Gasindustrie eine enorm wichtige Einnahmequelle. Sollte es sich bei der Demonstration in Assaluje nicht um einen isolierten Zwischenfall handeln, sondern um ein Anzeichen, dass die Protestbewegung auch unter den Arbeitern der Branche immer mehr Zulauf findet, wäre das eine ernstzunehmende Bedrohung für die Führung in Teheran. Die Proteste entzündeten sich am Tod der 22-jährigen Mahsa Amini, die Mitte September von der Sittenpolizei in Teheran festgenommen wurde, weil ihr Kopftuch nicht richtig saß, und später starb. Seitdem gingen im ganzen Land viele Menschen, vor allem auch junge Frauen, auf die Straßen. Trotz Internet-Blockaden der Regierung dringen auch immer wieder Videos von solchen Protesten nach draußen.

Am Montag kursierten auch neue Videos von Schülerinnen und Schülern und Studierenden, die durch Teheran marschierten. Einige der jungen Frauen trugen dabei keine Kopfbedeckung.

Die Videos von der Demonstration in der Raffinerie am Montag wurden von der Nachrichtenagentur AP analysiert und schienen tatsächlich vom Gelände in Assaluje zu stammen. Die AP verglich sie dafür mit Satellitenaufnahmen vom Sonntag. In einem Video waren ein paar Dutzend Arbeiter vor Tanks zu sehen, in einem anderen protestierten sie auf einer Straße. In der Anlage mehr als 900 Kilometer südlich von Teheran wird Erdgas von dem riesigen Offshore-Gasfeld verarbeitet, das der Iran mit Katar teilt.

In der Stadt Sanandadsch im Westen des Landes kam es ebenfalls zu Protesten. Dort hallten am frühen Montagmorgen Schüsse und Explosionen durch die Straßen, wie die kurdische Menschenrechtsorganisation Hengaw berichtete. In dem Dorf Salas Babadschani nahe der irakischen Grenze sei ein 22-jähriger Mann von Sicherheitskräften erschossen worden.

Sanandadsch, Hauptstadt der iranischen Provinz Kurdistan, war seit dem Tod der Kurdin Amini ein Zentrum der Proteste. Ob es dort am Montag wieder Tote und Verletzte gab, war zunächst unklar.

Der Gouverneur der Provinz Kurdistan, Esmail Sarei Kuscha, sagte, unbekannte Gruppen hätten am Samstag geplant, junge Menschen auf den Straßen zu töten, wie die halbstaatliche Nachrichtenagentur Fars am Montag berichtete. Einen Grund für diese Annahme nannte er nicht.

Es ist nach wie vor unklar, wie viele Menschen bei den Demonstrationen und der Niederschlagung der Proteste durch die Sicherheitskräfte ums Leben kamen. Das staatliche Fernsehen sprach am 24. September von mindestens 41 Todesopfern. In den mehr als zwei Wochen seither hat die iranische Regierung keine neuen Informationen herausgegeben. Menschenrechtsorganisationen gehen von Dutzenden Toten aus.

(msk/dpa)