Iran-Krise: Eskalation zwischen den USA und dem Iran ist brandgefährlich

Kommentar zur Iran-Krise : Spiel mit dem Flächenbrand

US-Präsident Donald Trump kann sich beim Iran zwischen Härte und Nachgeben nicht entscheiden. Das ist brandgefährlich.

In der Politik lautet ein Grundsatz, jede langfristig angelegte Strategie von ihrem Ende her zu denken. Eine Meisterin in dieser Disziplin ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. US-Präsident Donald Trump scheint sie weniger zu beherzigen. Denn die raubeinige Gangart gegenüber dem Erzfeind Iran ist kaum dazu angetan, das Mullahregime in seine Schranken zu verweisen. Im Gegenteil: Die angebliche Härte Trumps verwandelt sich in eine gefährliche Schaukelpolitik, wenn es zum Schwur kommt.

Der amerikanische Präsident bedrängte bislang den Iran mit der Aufkündigung des Atomabkommens und mit wirtschaftlichen Sanktionen. Weil er damit politisch nicht weiterkam, erhöhte er den Druck militärisch durch Truppenentsendungen in die Region. Nun testet das Mullahregime mit fein dosierten Nadelstichen die Bereitschaft der USA aus, einen bewaffneten Konflikt zu wagen. Prompt zog Trump den bereits geplanten Militärschlag zurück und geht damit voll in die Falle der iranischen Hardliner.

Seine vorläufige Bilanz ist verheerend: Er hat den Reformflügel in der iranischen Regierung entscheidend geschwächt und den Hardlinern gezeigt, dass er nicht wirklich zuschlägt. Das ist die schlechteste aller Welten. Denn er belohnt diejenigen Kräfte, deren Politik auf der entschiedenen Feindschaft zu den USA gründet. Kommt Trump nun bei den Falken in den eigenen Reihen unter Druck, könnte er sich sogar zu unbedachten Aktionen gegen den Iran hinreißen lassen, um seine Glaubwürdigkeit zu behalten. Trumps dilettantische Politik im Umgang mit dem gefährlichen Iran ist brandgefährlich. Eine Strategie der flexiblen Diplomatie gepaart mit Standhaftigkeit gegen iranische Aggressionen wäre zielführender gewesen.

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